Škoda und China passen gut zusammen

14.12.2011, 22:16 Uhr

Die Konzernmarke Škoda steht vor einer neuen Herausforderung: Der Autobauer will sein Angebot auf dem chinesischen Markt ausbauen.

Dr. Gerrit Marx

Skoda ist im Reich der Mitte auf der Erfolgsspur. Dr. Gerrit Marx, seit 1. Juli 2011 als CEO für Skoda in China tätig, führt die Volkswagen-Tochter auf diesem dynamischen Markt. Dabei setzt der erst 36-Jährige auf klare Strategien zur Gewinnung von Neukunden. - Bild: Skoda

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehen die Ziele für Škoda für die kommenden fünf Jahre in China aus?

Dr. Gerrit Marx: Wir haben weltweit klare Ziele. Bis 2018 wollen wir unsere Verkäufe auf 1,5 Millionen steigern. Zur Zeit werden rund ein Viertel des weltweiten Absatzes der Marke Škoda auf dem chinesischen Markterzielt. In China gibt es auch künftig für uns noch ordentlich Potenzial.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ferdinand Piëch sagte bereits 1987: Die Japaner sind es gewohnt, sich nach Einbrüchen zu verändern und wieder anzugreifen. Sie biegen sich wie Bambus, wenn der Sturm kommt. Europäer seien wie ein Baum: Entweder er steht oder er bricht ab. Wie verhält es sich mit der chinesischen Philosophie im Automobilgeschäft?

Dr. Gerrit Marx: China ist ein Land der Kaufleute. Daher gehört im Reich der Mitte Handeln und Verhandeln zur Philosophie. Jede Bewegung des Geschäftspartners erzeugt eine individuelle Gegenbewegung – und dieser Prozess endet nie. Das ist wie ThaiChi. Dadurch ergibt sich eine hohe Flexibilität, ähnlich dem von Ihnen beschriebenen Bild

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie vermitteln Sie die Kernwerte tschechischer Ingenieurskunst im Automobilbau an die chinesische Kundschaft?

Dr. Gerrit Marx: Zu den Kernwerten der Fahrzeuge von Škoda gehören neben attraktivem Design Made in Mladá Boleslav auch Präzision in der Verarbeitung, Geräumigkeit und clevere Detaillösungen gepaart mit einem ausgezeichneten Preis-Wert-Verhältnis. Dafür stehen der kompakte Fabia, der Octavia und der komfortable Superb, die bereits auf dem chinesischen Markt verkauft werden.

Zudem werden wir mit dem Yeti und dem Compact Sedan, die wir im Jahr 2013 auf dem chinesischen Markt einführen, weitere Akzente setzen.

Besonders wichtig ist für uns jedoch, auf die spezifischen Wünsche und Anforderungen der chinesischen Kunden einzugehen, zu zeigen, dass tschechische Ingenieurskunst optimal für den chinesischen Markt passt.

Der Erfolg gibt uns dabei Recht. Auf den hervorragenden Verkaufszahlen ruhen wir uns jedoch nicht aus. Nehmen Sie zum Beispiel den Superb: Ein großes, geräumiges Auto, dass dem Wunsch chinesischer Kunden nach viel Platz im Innenraum spielend gerecht wird. Im Zusammenspiel mit dem verbrauchsgünstigen 1.4 TSI Motor und dem modernen, intelligent schaltenden 7-Gang-DSG Getriebe erreicht das Škoda Flaggschiff als eines der ganz wenigen Fahrzeuge der B-Klasse die scharfen Verbrauchsvorgaben der chinesischen Regierung für „Incentives“.

Wichtig ist für uns, gleichzeitig die Rolle des Botschafters tschechischer Kultur, Wissenschaft und Lebensart zu übernehmen. Wir haben gerade einen Austausch von Studenten der Tongji Universität mit der Škoda Universität Na Karmeli gestartet. Zudem fördern wir zusammen mit der tschechischen Botschaft in Beijing den Kunstaustausch zwischen den Ländern.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie werden Sie Škoda in China gegen die Konzernschwester Seat positionieren?

Dr. Gerrit Marx: Škoda und Seat fokussieren ganz unterschiedliche und differenzierte Käufergruppen. Škoda spricht mit seinem Raumangebot, cleveren Detaillösungen und bewährter Technik besonders Familien an.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo sehen Sie den chinesischen Markt und die Marke Škoda in China in zehn Jahren?

Dr. Gerrit Marx: Der Markt dürfte im Schnitt sicherlich weiter im hohen einstelligen Bereich wachsen. Die Anzahl der Autos pro 1000 Einwohner liegt weiter unter den Werten von Japan, USA oder Europa. Die Kaufkraft der Bürger steigt z.T. zweistellig pro Jahr – auch im zentralen China und in ländlichen Regionen.

Aber es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass es sich in China aufgrund des schnellen Wachstums um einen einfachen Markt handelt. China ist der wettbewerbsintensivste Markt der Welt. Inklusive der lokalen Marken, haben wir hier mehr als 90 Hersteller, die um die Kunden buhlen.

Wir haben ambitionierte Ziele, die wir erreichen wollen, daher setzen wir auf neue Wege, um unsere Marke noch besser bekannt zu machen und so die Basis zu legen, langfristig erfolgreich zu sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: In Europa zählen für die meisten Kunden Qualität und Umweltbewusstsein. In Amerika setzt der Autokäufer auf Bequemlichkeit und ein adäquates Preis-Leistungsverhältnis. In welche Richtung entwickelt sich der Markt/Kunde in China?

Dr. Gerrit Marx: Die Bedürfnisse der chinesischen Kunden lassen sich nicht so einfach kategorisieren. Es gibt so viele Kundengruppen und so viele Segmente. Der noch hohe Anteil der Erstkäufer ist ein wesentliches Merkmal in unserem Segment. Zudem ist China „ein Land vieler Länder“, die Regionen könnten zudem kaum unterschiedlicher sein: von der mongolischen Wüste zur Südsee Region, vom Himalaya Gebiet zu den langen Küstenregionen Ostchinas. ..

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie nimmt der Chinese die Marke Škoda und das Produkt wahr?

Dr. Gerrit Marx: Škoda wird natürlich als europäische Marke wahrgenommen und genießt daher hohe Wertschätzung. Wir haben eine klare Positionierung innerhalb des Volkswagen Konzerns. Unsere Fahrzeuge stehen für ein großzügiges Platzangebot, clevere Detaillösungen, moderne Technik und attraktives Design bei gleichzeitig ausgezeichnetem Preis-Wert-Verhältnis Das schätzt auch der chinesische Kunde.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Regionen stehen beim Ausbau ihres lokalen Händlernetzes im Fokus?

Dr. Gerrit Marx: Beim Ausbau unseres Händlernetzes folgen wir dem Trend in Richtung Süden und nach Westen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was werden Sie unternehmen, um künftig neue Kunden in China hinzuzugewinnen?

Dr. Gerrit Marx: Wir werden dieses Jahr mehr als 200.000 Fahrzeuge in China verkaufen. 2012 wollen wir massiv auf eine weitere Stärkung der Markenkommunikation setzen. Dafür werden wir verstärkt und innovativ im Bereich neue Medien aktiv werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie nehmen die Chinesen das Thema klassischer Fahrzeuge in Bezug auf die Marke Škoda wahr?

Dr. Gerrit Marx: Seit rund 75 Jahren gibt es Fahrzeuge von Škoda in China. Es gibt einige prominente Persönlichkeiten, die seinerzeit Škodas bekommen haben oder gefahren sind.

Seit vier Jahren produzieren wir hier vor Ort. Ein chinesischer Autokäufer wird heute kaum einen Laurin und Klement, benannt nach den Gründervätern unseres Unternehmens, aus den 1920er Jahren erkennen können. Aber unser Ziel ist es, den Menschen die Markenwerte und den Ursprung der Marke sowie die Zusammenführung mit der Marke Škoda näher und ins Bewusstsein zu bringen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wollen sie die chinesischen Kunden an die Marke Škoda binden?

Dr. Gerrit Marx: Der chinesische Kunde kennt mehr von der Welt als vor 10 oder 15 Jahren. Er weiß, was weltweit zum technologischen Standard gehört und möchte dieses auch bei sich zu Hause in China sehen. Daher werden die Märkte in Europa und China beim Thema Innovationen ein sehr ähnliches Niveau erwarten. Wir müssen in unserem Segment in beiden Regionen punkten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo sehen sie den Grund für den erfolgreichen Wachstumskurs der Marke Škoda in China?

Dr. Gerrit Marx: Ein entscheidender Faktor ist das ganze Škoda Team das, weltweit an der Strategieumsetzung 2018 arbeitet. Was uns als Marke und Unternehmen stark macht ist, dass viele unserer Top Manager in China gelebt, China erlebt und hier gearbeitet haben. Das ist ein unschätzbares Fundament für das Verständnis des Marktes und kurze Entscheidungsprozesse.

Das Interview führte Tim Westermann

 

 

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