Autoindustrie steht vor einem herausfordernden Jahr
Nach vier Jahren des Schrumpfens wird es der Automobilmarkt 2012 wohl erneut sehr schwer haben. Trotzdem erwartet der VDA ein Wachstum des Weltautomarkts.

Matthias Wissmann: Der VDA rechnet im kommenden Jahr mit einer weltweit leicht steigenden Nachfrage nach Autos. - Bild: dpa
Rund 600 Gäste kamen gestern Abend zum Neujahrsempfang des VDA. Allen voran Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, außerdem rund 60 Bundestagsabgeordnete, Vertreter der Industrie sowie Botschafter vieler in Berlin vertretener Ländern.
Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, betonte, wie wichtig die deutsche Autoindustrie für Wachstum und Arbeitsplätze ist. Wissmann erwartet für 2012 ein Wachstum des Weltautomobilmarktes um 4 Prozent auf 68 Millionen Pkw.
Schon heute ist jedes fünfte Auto, das weltweit verkauft wird, eine deutsche Konzernmarke. Und für 2012 hat sich die deutsche Automobilindustrie vorgenommen, weitere Marktanteile zu gewinnen. Aber, auch das sagte der VDA-Präsident unverblümt in seiner Ansprache, 2012 wird “ein hartes Arbeitsjahr”:
Schuldenkrise als europäische Herausforderung
“Wir stehen vor einem herausfordernden Jahr als Industrie. Nach 2011, einem außerordentlich guten Jahr, schauen wir auch nach 2012 mit Zuversicht”, führt Wissmann aus. “Aber wir wissen, dass es Wolken am Horizont gibt. Wolken, die sich an den internationalen Finanzmärkten für Jedermann, der sich damit beschäftigt, immer wieder auftun, und die zu beherrschen, die große Herausforderung der nächsten Monate für die internationale Politik, gerade aber auch für die Europäische Union und die Bewältigung der Staatsschuldenkrise, sein wird.”
Mehr als 20 Milliarden Euro hat die deutsche Automobilindustrie im vergangenen Jahr in Forschung und Entwicklung investiert. Investitionen, die sich auszahlen: Das Vertrauen in die deutsche Technik wird in vielen Ländern durch deutsche Autos geprägt, betonte Wissmann. “Unserer Industrie, bei all ihren Schwierigkeiten, geht es gut. Herstellern und Zulieferern. Aber das ist keine Selbstverständlichkeit, das muss täglich neu erkämpft werden.”
Deutsche Industrie kann die Weichen für Europa stellen
Als Gastredner war SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier beim VDA-Neujahrsempfang. Steinmeier beschäftigte sich in seinen Ausführungen mit den Herausforderungen, vor denen die deutsche Industrie steht. Die deutsche Industrie, so der SPD-Politiker, hat die Möglichkeit, die Weichen für ganz Europa zu stellen. Steinmeier warnte allerdings davor, allzu selbstsicher zu sein und zu vergessen, dass nur gemeinsam Erfolge erreicht werden können:
“Unser großes Plus, der Industriegüterexport oder der Güterexport insgesamt, macht uns eben auch verwundbar”, erläuterte Steinmeier. “Und in diesem Zusammenhang ist natürlich die Finanzkrise in Europa ein Risiko. Warum? Weil, Sie wissen das alle, 60 Prozent unserer Exporte eben nicht nach China und Ostasien gehen, sondern in die europäische Nachbarschaft. Nur sechs Prozent nach China. Es kann also Deutschland auf Dauer nicht gut gehen, wenn es Europa schlecht geht.”
Steinmeier gab zu bedenken, dass die Wirtschaft zum Grossteil auch immer Psychologie sei. Ein “alter Gassenhauer mit hohem Wahrheitsgehalt”.
Einen Seitenhieb auf die Konzerne gab es auch: “Ich fordere weniger Respekt vor der Abschöpfung von Gewinnen und dafuer mehr Respekt vor der realen Wertschöpfung”. Der Applaus aus den Reihen der anwesenden Zulieferer war Steinmeier gewiss. Die Stärken der deutschen Autoindustrie bleiben die industrielle Produktion und das “german engineering”, laut Steinmeier. Denn die Stellung der Deutschen stehe und falle mit der Qualitaet der Produkte.
Industrie als Fundament für Wachstum und Wohlstand
VDA-Präsident Matthias Wissmann nutzte die Anwesenheit des zuständigen Ministers, vieler Staatssekretäre und Bundestagsabgeordneter um darauf hin zu weisen, dass die Industrie das Fundament für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze ist. Die positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft nach der Krise, so Wissmann, gründet vor allem auf einer starken Industrie und ihren international gefragten Produkten.
Der Kern unserer Industrie, Automobil, Maschinenbau, Chemie, sind die eigentlichen Treiber unseres Erfolges, auch heute. Und die politisch nicht zu gefährden, sondern die Rahmenbedingungen für sie auch in Zukunft gut zu halten, ist nicht ein Anliegen nur von Unternehmensführungen, sondern die Bedingung dafür, dass dieses Land, Deutschland, so stark bleiben kann, wie es heute und hoffentlich auch in Zukunft ist, meine Damen und Herren. (0:27)
2012 wird ein hartes Jahr
Die klare Botschaft des Neujahrs-Empfanges der Automobilindustrie in Berlin: Die deutschen Autobauer und die deutsche Zulieferindustrie stehen gut da. Allerdings wird 2012 besonders für die von der Schuldenkrise betroffenen europäischen Staaten ein hartes Jahr.
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