Detroit wittert Morgenluft auf dem Heimatmarkt

09.01.2012, 13:14 Uhr

Die US-Automobilindustrie will sich im eigenen Land wieder an die Spitze hocharbeiten. Inzwischen gilt immer mehr die Aussage: Motown is back.

Ford Ranger-Pickup

Wie sich die Autobauer wieder richtig ins Spiel bringen wollen, werden die einst als Big Three bekannten US-Hersteller ab Montag auf der Automesse in Detroit zeigen. Dort wollen sie mit spritsparenden und mit viel Technologie ausgestatteten Fahrzeugen punkten und die an die japanischen Wettbewerber verlorenen Kunden zurückgewinnen. - Bild: Ford

In den vergangenen Jahren hatten vor allem die Hersteller aus Fernost den Geschmack der US-Kunden getroffen. Sie boten ausgefeilte Pickups und SUV an. Wenig Zuspruch fanden hingegen die Fahrzeuge von Ford, General Motors und Chrysler – sie lagen in punkto Technologie und Qualität weit im Hintertreffen. Das soll sich ändern.

Turnaround vollzogen

Nach der Rettung der Hersteller durch die Regierung bzw dem mit eigener Kraft geschafften Turnaround verdienen die US-Konzerne inzwischen wieder ordentlich Geld. Und die Einnahmen stecken sie in die Entwicklung ihrer Fahrzeuge. Sie hoffen, es nun mit den Besten in der Branche aufnehmen zu können. So hat Ford einige Modelle mit dem vor allem bei jungen Käufern beliebten stimmengesteuerten Unterhaltungssytem Sync ausgestattet. Und der bereits eingeführte Chevrolet Cruze hat 10 Airbags – der Corolla von Toyota kommt nur auf 6.

Beobachter sind noch nicht ganz vom Erfolg der Amerikaner überzeugt. Die Aktie von Ford, die in den dunklen Tagen 2009 unter die Marke von 2 US-Dollar abgerutscht war, schloss am Freitag zwar bei 11,71 Dollar. Damit liegt das Papier aber immer noch unter dem Niveau von vor einem Jahr. Und auch GM-Aktien reichen mit knapp 23 Dollar nicht an ihren Ausgabepreis von 33 Dollar im November 2010 heran. Investoren sorgen sich vor allem über eine mögliche weitere Konjunkturflaute. Zudem dürften 2011 vor allem SUV und Pickups mit ihren höheren Margen den Gewinn gebracht haben. Wegen der in die Höhe geschnellten Benzinpreise hat das Interesse an den großen Fahrzeugen bereits wieder etwas nachgelassen.

Wiederauferstehung von Detroit

In der Branche macht sich dennoch Zuversicht breit. “Die Wiederauferstehung von Detroit ist real”, sagte Mike Jackson, CEO der Autohandelskette AutoNation. Das Fundament stehe auf “spannenden neuen Autos” sowie nachhaltigen Geschäftsmodellen der Detroiter Unternehmen. Dies sei absolut revolutionär für die krisengebeutelte Stadt.

Chrysler stellt auf der Autoshow in Detroit am heutigen Montag den Dodge Dart vor. Den ersten aus der Fusion von Chrysler und Fiat geborenen Wagen preist Chrysler patriotisch damit an, das Auto sei in Amerika für Amerika entworfen worden und werde in den USA von Amerikanern gebaut. Ford wird das lang erwartete überarbeitete Modell des Minivans Fusion vorstellen. GM kommt mit dem kleinen Sportwagen Cadillac ATS, der es mit der 3er-Serie von BMW aufnehmen soll.

Japaner und Deutsche rüsten weiter auf

2011 verkauften die drei Detroiter 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Toyota, Honda und Nissan Motor hinterließ dagegen das Erdbeben in Japan Spuren. Die drei Hersteller setzten in den USA 3 Prozent weniger ab.

Für Toyota und Honda werde es schwierig, an den Schwung der Zeit vor der Rezession anzuschließen, sagte Jeff Schuster von LMC Automotive. Allerdings haben die Japaner in diesem Jahr wieder ein größeres Angebot an Fahrzeugen und bieten den Händlern Rabatte. Aber auch Ford, GM und Chrysler müssen sich ranhalten. Sie bieten inzwischen zwar bessere Qualität, aber die neuen Technologien könnten sich auch als Stolpersteine erweisen. So gab es bereits Kundenbeschwerden über das im Ford Focus eingesetzte neue Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe.

Gefahr droht den Big Three aber nicht nur aus Japan. Auch die Deutschen haben in den USA große Pläne. So will Volkswagen den Absatz in den US in den kommenden Jahren nahezu verdreifachen und hat vor kurzem ein Werk in Tennessee eröffnet. 2011 schnellte der Verkauf schon um gut ein Viertel auf 324.400 Einheiten in den Höhe. Und auch die Koreaner mit Hyundai Motor und dem Schwesterunternehmen Kia legen schnell zu. Ihnen kommen die kostengünstige Produktion in Südkorea sowie ein Freihandelsabkommen mit den USA zugute. Dies sieht auch Chrysler-Chef Sergio Marchionne als Gefahr: “Die Koreaner werden die Preise senken, und wir sind nicht in der Lage zu reagieren.”

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Dow Jones Newswires/kru

 

 

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