Großes Stühlerücken in Rüsselsheim
Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke räumt den Vorstand auf. Vergangene Woche musste der seit Längerem angezählte Vertriebschef Alain Visser den Autobauer verlassen.

Alain Visser wechselt zu Chevrolet. Nach Informationen aus Konzernkreisen soll die Chemie zwischen ihm und Opel-Chef Stracke nicht gestimmt haben. - Bild: GM
Wie bereits berichtet. wird der gebürtige Belgier zur GM-Tochtermarke Chevrolet, wo er das globale Marketing mit Schwerpunkt auf Märkte außerhalb Nord- und Südamerikas verantworten soll. Der 49-jährige war seit 2004 Mitglied des Opel-Vorstands.
Tabula rasa beim deutschen Traditionsautobauer. Mit der Neuaufstellung des Führungsgremiums reagiert der schwer angeschlagene Konzern aus Rüsselsheim auf eine der schwersten Krisen der Unternehmensgeschichte.
Im Sommer 2011 stellte Stracke noch eine schwarze Null in Aussicht, nun sind die Zahlen tiefrot. Und wenn GM am kommenden Donnerstag die Jahresbilanz vorstellen wird, rechnen Insider mit einem hohen dreistelligen Millionenverlust für Opel.
Durch die enttäuschende Geschäftsentwicklung nimmt der Druck aus Detroit weiter zu. Als Vertriebschef wird Visser für die schleppenden Verkäufe im europäischen Automarkt eine Mitschuld angelastet.
Entscheidender war für Vissers Abgang womöglich die persönliche Komponente. Nach Informationen aus Konzernkreisen soll die Chemie zwischen Visser und Stracke nicht gestimmt haben.
Tritt Owsianski in die Fußstapfen des glücklosen Belgiers?
Als interner Nachfolger wird Thomas Owsianski gehandelt, Leiter des internationalen Marketings bei Opel. Owsianski hat sowohl bei Opel als auch in der Branche einen guten Ruf und gilt als “gnadenloser Blechbeweger”. Er kennt den für Opel wichtigen Wachstumsmarkt Russland, wo er für GM den Vertrieb leitete.
Doch Karl-Friedrich Stracke hat auch externe Kandidaten auf seiner Liste. Denen werden scheinbar bessere Chancen eingeräumt.
Hochrangige Manager geben sich in Rüsselsheim die Klinke in die Hand
Mit Visser verlässt einer der langgedienten Opel-Vorstände die Führungsriege. Gleichzeitig verabschiedet sich Produktionschef Reinald Hoben in den Ruhestand. Auf Hoben folgt Peter Thom, derzeit Fertigungsleiter von GM China. Ende Januar war Johan Willems zum Kommunikationsvorstand berufen worden. Nur Personalchef Holger Kimmes sitzt länger als gut zwei Jahre im Opel-Vorstand.
Auch im Aufsichtsrat wird kräftig umgebaut. Mit dem US-Autogewerkschafter Bob King zog letzte Woche innerhalb kurzer Zeit der fünfte neue Vertreter aus den USA in das Kontrollgremium der deutschen Tochter von General Motors ein.
GM hatte erst jüngst seine Entwicklungschefin Mary Barra als neue Kontrolleurin zur defizitären Europa-Tochter entsandt. Ende November hatte GM-Vizechef Stephen Girsky den Vorsitz im Opel-Aufsichtsrat übernommen. Mit ihm waren auch die GM-Manager Tim Lee und Dan Ammann ins Kontrollgremium eingezogen.
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Handelsblatt/Dow Jones Newswires/dpa





