BMW, MINI, Harald Krüger, Born

"Von Anfang an offene und unkomplizierte Gespräche hier in den Niederlanden". Harald Krüger (von rechts), Joost Goovarts (VDL Nedcar), Wirtschaftsminister Henk Kamp

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Krüger, der Produktionsstart des neuen MINI Hatch im niederländischen Born mit VDL Nedcar als neuem Auftragsfertiger steht unmittelbar bevor. Wie läuft es?
Gut! Wir sind in der Phase der finalen Produktionsvorbereitung und werden – wie geplant – im Sommer die Serienproduktion starten. Der Aufbau läuft sehr gut, die Anlage steht, die ersten Vorserienfahrzeuge sind schon gebaut worden. Man hat vom ersten Tag an gemerkt: wir haben es in Born mit einer Mannschaft zu tun, die weiß wie man Autos baut und die entsprechende Kompetenz und Erfahrung mitbringt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sieht die Hochlaufphase von Born aus, wie viele Fahrzeuge werden in diesem Jahr noch geplant?
Auch für die Hochlaufphase erwarten wir einen planmäßigen Verlauf. Damit werden wir schon dieses Jahr Produktionszahlen in Born im fünfstelligen Bereich erreichen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der MINI wird ja auch noch bei ihrem bisherigen Kontraktfertiger Magna in Graz gebaut. Wie muss man sich die Arbeitsteilung zwischen Graz und Born vorstellen?
Magna baut ja nicht den neuen MINI Hatch, sondern weiterhin den Paceman und den Countryman, der mitten im Lebenszyklus ist und jetzt einen nächsten wichtigen Impuls bekommt. In Born dagegen starten wir mit dem neuen MINI Hatch, der auf der neuen Architektur basiert, die wir wiederum beim Countryman in Graz nicht einsetzen. Insofern gibt es zwischen der Fertigung der unterschiedlichen MINI-Modelle in Graz und in Born keine Überschneidungen. Sehr eng ist dagegen das Produktionsnetzwerk zwischen Born und Oxford, unserem „Home of MINI“.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was waren die Gründe dafür, dass BMW das Nedcar-Werk in Born als weiteren Standort für die MINI-Fertigung gewählt hat?
Als die Entscheidung für einen weiteren Produktionsstandort für den MINI reif war, kam der Kontakt zu Born sehr schnell zustande. Ich war dann selber das erste Mal im September 2012 in den Niederlanden und hatte auch Gespräche mit dem niederländischen Wirtschaftsminister über eine mögliche Kooperation. Dabei hat sich eines schnell gezeigt: Sowohl von der wirtschaftspolitischen wie auch der unternehmerischen Seite waren die Gespräche von Beginn an sehr offen und unkompliziert. Letztlich waren drei Themen für die Entscheidung pro Born ausschlaggebend: Es gibt – das sehen wir wie erwähnt jetzt im Anlauf des neuen MINI – dort eine erfahrene, sehr engagierte Mannschaft. Zweites Thema war das existierende Lieferantennetz und eine sehr gute Logistik. Und wir haben damit zusätzliche Kapazität in der geographischen Nähe von Oxford. Gerade das gibt uns die Möglichkeit, sehr flexibel zwischen Oxford und Born zu agieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: All dies – bis auf die Entfernung – konnte ihnen ihr bisheriger Partner auch bieten. Die Zusammenarbeit galt als gut, warum ist es nicht mit Magna weitergegangen?
Es wird mit Magna weitergehen. Wir haben ja erst kürzlich kommuniziert, dass es mit MSF (Magna System Fertigung) einen Folgeauftrag geben wird. Für MINI haben wir mittelfristig drei Standorte. Längerfristig werden wir die Produktion von MINI auf Oxford und Born fokussieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein dritter Standort in Mexiko für MINI kommt nicht dazu?
Nein, wir haben mit zwei Standorten eine gute Verfügbarkeit mit Blick auf Flexibilität und Kapazität. Würden wir ein MINI Werk beispielsweise nach Übersee verlagern, würden wir die Synergien im Bereich der Lieferantenstruktur wieder verlieren. Dass man ab und zu nach einem neuen Standort schaut, gehört zum Tagesgeschäft. Aber das MINI-Netzwerk ist klar fokussiert. Wir haben jetzt ein Werk, der sehr nahe an Oxford liegt und dadurch logistische Vorteile hat, auch weil wir die verwandten Netzwerke gemeinsam nutzen können. Davon profitieren wir auch erheblich bei der bei der Flexibilität unserer Produktion.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wird dann Born so etwas wie der atmende Teil der MINI-Gesamtproduktion?
Oxford bleibt „Home of MINI“, hier schlägt das Herz der Marke. Das spiegelt sich auch in der Produktion wieder: Oxford ist die Nummer 1, aber natürlich haben wir auch eine gesunde Wettbewerbssituation. Mit Born können wir extrem flexibel bei Volumen und Modellmix agieren. Nehmen Sie saisonale Nachfragen zum Beispiel im Frühjahr: wenn die Nachfrage nach MINI Cabrios steigt, fahren wir in Oxford die Cabrio-Produktion hoch und schieben zusätzliche Kontingente an Hatches nach Born. Wenn wir mehr Diesel für Europa brauchen oder mehr Benziner für die USA benötigen, wenn unsere Kunden mehr Cooper S verlangen oder die Nachfrage nach MINI Cooper höher ist, dann können wir das zwischen den Werken optimal ausbalancieren. Das ist die große Stärke unseres Produktionssystems.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Eine Stärke, die Sie über MINI hinaus auf die BMW-Modelle wie 1er oder 2er Active ausdehnen könnten, die ebenfalls auf der neuen Architektur gebaut werden …?
Theoretisch ist das möglich, in der Praxis derzeit aber kein Thema. Born hat einen klaren Auftrag und der lautet, einen sauberen Start des MINI Hatch hinzulegen, eine Produktion auf hohem Niveau zu etablieren und eine optimale Einbindung in unser Produktionsnetzwerk zu erreichen. Und so wie ich die Fortschritte bei VDL Nedcar erlebte, wie die Mannschaft sich dort engagiert, bin ich überzeugt, dass wir mit der Produktionsachse Oxford/Born optimale Voraussetzungen haben, die Erfolgsstory von MINI fortzuschreiben.

Das Interview führte Frank Volk

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