Tesla Model S

Der US-Autobauer Tesla wird seinen Elektro-Sportwagen Tesla S im August in Europa einführen. Auch in Deutschland werden die ersten Modelle an Kunden ausgeliefert. - Bild: Tesla

Und warum Plug-in Hybride für die Amerikaner keine Konkurrenz sind und die Vorfreude, der “Dinosaurier-Autoindustrie” zu zeigen, wie Autobau der Zukunft geht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Rudat, wie läuft die Markteinführung Tesla S für Deutschland, wann sind die ersten Autos hier auf der Straße?

Rudat: Die Markteinführung läuft komplett nach Plan, wir führen den Tesla S im August in Europa ein und werden also auch in Deutschland im August mit der Auslieferung der ersten Fahrzeuge beginnen. Dabei handelt es sich um seit langem vorgestellte Fahrzeuge. Wer jetzt bestellt, bekommt den Tesla S im Dezember, eher Januar.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie viele Fahrzeuge kommen nach Deutschland in den Markt?

Rudat: Wir bauen weltweit für dieses Jahr 21.000 Autos. Die Produktion ist bereits verkauft. Auf die Ebene der einzelnen Märkte herunter kommunizieren wir die Zahlen im Vorfeld nicht. Was ich aber sagen kann ist, dass wir mit den Vorbestellungen für Deutschland sehr zufrieden sind. Wir sehen hier erfreulich großes Interesse

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welchen Stellenwert hat der deutsche Markt für Tesla?

Rudat: Deutschland ist für uns ein sehr, sehr wichtiger Markt. Das vor allem, weil Deutschland im Premiumsegment ? in dem wir uns mit dem Modell S bewegen – ein starkes Volumen hat. Dazu kommen die sehr hohen Ansprüche der Kunden an Qualität, Leistung und mit Blick auf die Elektromobilität auch an die Reichweite. Das hat unsere Marktforschung gezeigt und die Vorbestellungen geben uns da auch Recht. Es reicht nicht aus, irgendein Elektroauto zu bauen, sondern man muss ein Elektrofahrzeug bauen, das dieses komplette Package bietet. Also Design, Reichweite und Performance. Da sind wir mit dem Modell S gut aufgestellt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Würde der Erfolg von Tesla im Premiummarkt Deutschland eine Art “Ritterschlag” bedeuten?

Rudat: Was uns sehr froh macht, sind die vielen Vorbestellungen. Wir sind da stolz drauf und froh. Ob es der Ritterschlag ist oder wird ? das ist schwierig zu sagen, bevor man ein Auto ausgeliefert hat. Aber wir freuen uns auf die Zeit, die vor uns liegt ? die Expansion in Deutschland geht stark voran.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bislang ist Deutschland eher eine E-Mobilitäts-Diaspora. Wird sich das mit dem ändern, wenn BMW jetzt mit dem i kommt und Porsche bringt mit dem Panamera Plug-in Hybrid fast zeitgleich mit Ihnen einen potenziellen Konkurrenten…

Rudat: Hybride sehen wir nicht als Konkurrenz. Unser Chef Elon Musk sagt immer: ein Hybrid ist wie ein Frosch: der kann zwar an Land und auch im Wasser ? aber beides kann er nicht sehr gut. Hybrid bedeutet den Einsatz von zwei Technologien, die Mobilität nur komplexer machen. Das war für uns nie eine Option. Wir werden deshalb erfolgreich sein, weil wir das erste Elektroauto mit viel Reichweite und Leistungsdichte haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: In den vergangenen Monaten haben sich eine ganze Reihe Hersteller von rein elektrischen Antrieben verabschiedet. Haben Sie keine Zweifel an der Strategie, ausschließlich auf den E-Antrieb zu setzen?

Rudat: Im Gegenteil, gerade das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Es ist die Chance für uns als kleiner Hersteller davon zu profitieren, weil die anderen diesen Trend noch verschlafen. Aber es ist ja nicht so, dass es nichts gibt: Den BMW i3 gibt es zwar mit Range Extender, aber auch rein elektrisch. Renault ist sehr stark im Elektrobereich und auch Peugeot und Citroen haben heute schon E-Fahrzeuge im Angebote.

Bei den deutschen Herstellern kommt man erst so langsam. Wobei es auch bei Daimler rein elektrische Fahrzeuge gibt. Denken Sie an den E-Smart ? wo man auch teils Technologie von uns bekommen hat – oder die B-Klasse. Also es gibt einige Fahrzeuge, aber in der Tat im deutschen Markt sind sie noch nicht so stark eingeführt. Und da sehen wir genau unsere Chance: Dass wir dann mit einem guten Produkt hier eine starke Position besetzen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bringen Autos wie der BMW i der E-Mobilität einen Schub?

Rudat: Unabhängig vom Hersteller-Namen ? wir freuen uns über jedes Elektroauto, das kommt. Je mehr Autos kommen, umso stärker wird der Wettbewerb, umso stärker wird die Wahrnehmung der Produkte und umso schneller kommt die Entwicklung der Infrastruktur voran.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sehen Sie Tesla über die Rolle als Hersteller auch als Technologielieferant?

Rudat: Genau. Wir haben eine gewisse Technologie-Führerschaft. Wir haben vor gut zehn Jahren die Firma mit dem Fokus gegründet, Elektroautos zu bauen. Wenn man plakativ spricht: Wir haben nicht den Ballast wie andere Großkonzerne, dass man sich um eine Übergangstechnologie wie Hybride kümmern muss oder parallel den Verbrennungsmotor weiter entwickelt und in der Produktion all die Dinge vorhalten muss, die dazu notwendig sind.

Sie können als Volumenhersteller natürlich nicht von heute auf morgen auf eine neue Antriebsform umstellen und das Vorherige über Bord werfen ? schon gar nicht, wenn sie damit ihr Geschäft machen. Das brauchen wir nicht, wir haben den Vorteil, uns ohne jeden Ballast auf ein Thema zu fokussieren und das heißt Elektromobilität. Das ist unsere große Chance.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der Nachteil des kleinen Herstellers ist aber, dass Sie beispielsweise kein Händler- und Servicenetz in Deutschland haben. Wie wollen Sie das Problem lösen, wenn jetzt der Tesla S in den Markt kommt?

Rudat: Service ist wichtig ? definitiv. Das gehört zum Autokauf. Man braucht einen Händler oder eine Werkstatt wo man sich gut aufgehoben fühlen. Da haben wir heute schon kurzfristig eine Lösung. Wir haben in Deutschland fast 300 Roadster im Markt.

Der Tesla Roadster war unser erstes Produkt, um die Marke bekannt zu machen. Um zu zeigen, dass Elektromobilität auch Emotion, Fahrspaß bedeutet. Und das Fahrzeug haben wir im Süden, im Schwarzwald, nach Schleswig-Holstein, West nach Ost, überall verkauft. Da fahren heute glückliche Kunden. Und auch die können wir heute schon vom Service und von der Wartung sehr gut betreuen, denn wir haben ein mobiles Service-Konzept.

Das reicht bislang, denn man muss wissen, dass man für das Elektroauto viel weniger Service als heute braucht. Wir haben kein Getriebe, keinen Ölwechsel, keine Kupplung, keinen Auspuff – um nur einige Beispiele zu nennen. Und die Batterie an sich ist extrem wartungsfrei.

In Summe gibt es beim E-Auto viel, viel weniger Serviceaufwand als beim Verbrenner und entsprechend kann man sich auch schlanker im Service aufstellen. Dennoch: wir erwarten ein so großes Volumen, dass wir in Ballungsräumen Servicecenter aufbauen wollen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo soll das geschehen?

Rudat: Wir haben heute schon in München und Frankfurt Servicecenter. Kurzfristig nehmen wir jetzt Düsseldorf und Hamburg dazu. Und wir haben weiter Agglomerationen, die wir uns sehr, sehr genau anschauen. Dabei orientieren wir uns durchaus nach den Bestellungseingängen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welches ist für Sie in Europa der wichtigste Markt?

Rudat: In Ländern über Prioritäten zu sprechen ist immer schwierig. Ich wüsste gar nicht welchen Gradmesser ich nehmen sollte. Wichtig ist für uns, dass wir eine tolle Europa-Markteinführung zu schaffen. Wir haben tollen Rückenwind, weil die Produktion bereits ein Jahr läuft. Wir haben ja vor ungefähr einem Jahr angefangen das Modell S in Amerika auszuliefern. Dort sind wir im fünfstelligen Bereich.

Und es werden von Quartal zu Quartal mehr, von Woche zu Woche, von Tag für Tag. Mit diesem Kundenfeedback konnten wir sehr gut arbeiten, so dass wir in Europa mit einem Fahrzeug kommen, das völlig frei von Kinderkrankheiten ist, das schon tolle Software-Updates hat. Das Auto ist fahrender Beweis, wo wir im Vergleich zur Dinosaurier-Autoindustrie stehen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo sind Sie denn flinker als die “Dinosaurier”?

Rudat: Nehmen Sie den Innenraum, die Vernetzung. Unser Fahrzeug hat im Innenraum nur digitale Displays. Wir haben kaum mechanische Knöpfe. Wir warten in keinster Weise noch mechanisch. Das Licht wird über den Touchscreen bedient, das Panoramadach, das Radio. Alles funktioniert digital.

Die ersten Modell S, die wir ausgeliefert haben, die hatten beispielsweise keine Anfahrhilfe. Wir bekamen dann Kunden-Feedback mit dem Wunsch nach einer Anfahrhilfe im Stau. Tesla ist dann hergegangen, hat die Software entsprechend programmiert und über ein Software-Update hatten die Kunden dann über Nacht den neuen Knopf “Anfahrhilfe” im Display, den sie jetzt nutzen können. Und das ist genau die Chance von Tesla. Dass man durch diese digitale Vernetzung eigentlich ein Auto bauen kann, das immer besser wird und sich immer besser auf die Kunden auch einstellt.

Und die Möglichkeiten sind längst nicht ausgereizt. Jedes Modell S hat eine SIM-Karte verbaut; wir haben eine permanente Internet-Verbindung und navigieren über Google Maps. Das ist faszinierend für uns und vor allem für die Kunden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die meisten Experten sehen die Zukunft des E-Autos aufgrund der beschränkten Reichweite im urbanen Umfeld und bei Kleinwagen. Auch da gehen Sie einen anderen Weg…

Rudat: Das ist der entscheidende Unterschied. Im Moment wird das Elektroauto strategisch als Kleinwagen ausgelegt. Wir glauben es ist die falsche Strategie. Um erfolgreich mit dem Elektroauto erfolgreich zu sein, muss es ein Auto sein, das keinen Kompromiss darstellt. Es muss ein Auto sein, bei dem der Konsument sagt: wow, hier gibt es eine Alternative. Ich muss mir nicht ein Auto für die Stadt und mir noch ein zweites Auto für die Langstrecke kaufen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Reichweite von 400 bis 500 Kilometer, die Sie für den Tesla S angeben, sind stark, reichen aber auch nicht für die Langstrecke…

Rudat: Widerspruch! Tesla baut eben nicht nur ein Auto und sagt: Ok, lieber Kunde, das ist es. Wir bauen auch eigene Ladestationen, Schnellladestationen ? die sogenannten Supercharger. Das ist unsere Antwort darauf, dass es mit der Entwicklung der Infrastruktur zu langsam vorwärts geht. Es sind zu viele Abstimmungen; es sind zu viele Partner, die da mitsprechen oder unterschiedliche Hersteller, die eigene Stecker entwickeln.

Und wir haben deshalb entschieden: wir bauen einen eigenen Supercharger ? eine Schnellladestation mit 120 Kilowatt ? mit dem man das Modell S aufladen kann. So dass man in 20 bis 30 Minuten 80 Prozent der Batteriekapazität wieder geladen hat.

Und jetzt möchte ich ganz einfach einen Fall skizzieren: stellen Sie sich vor es ist ein ganz normaler Tag. Sie laden über Nacht und haben beim Start einen voll geladenen Akku mit mit 500 Kilometer Reichweite. Sie fahren los und machen dann nach 400 Kilometern eine Mittagspause. Während der Pause laden Sie das Fahrzeug am Supercharger und nach 20, 30 Minuten ist das Auto wieder zu 80% voll. Dadurch kommen Sie an einem Tag problemlos auf eine Reichweite von 700, 800, vielleicht sogar 900 Kilometern. Das ist dann schon echte Langstreckentauglichkeit…

AUTOMOBIL PRODUKTION: …vorausgesetzt man finde einen Supercharger….

Rudat: Korrekt. Die bauen wir auf ? übrigens werden diese von Solarpanels gespeist. Die Supercharger stehen in den USA bereits und sie können zwischen New York und Bosten emissionsfrei Langstrecke fahren. Den Strom geben wir übrigens gratis an die Aufharer ab – überall.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann bauen Sie solche Stationen in Deutschland auf?

Rudat: Dieses Jahr.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Also mit den ersten Fahrzeugen, die ausgeliefert werden, werden auch schon die ersten Stationen stehen?

Rudat: Ja. Die ersten Supercharger werden in Norwegen installiert. Da ist man sehr weit mit dem Projekt. Und Deutschland ist für dieses Jahr definitiv auf dem Plan. Ziel soll es sein, dass man wirklich vom Norden bis in den Süden kommt und so eine komplette Mobilität auch abdecken kann.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo werden die Supercharger zu finden sein?

Rudat: Es geht um Langstreckenfahrten, daher bauen wir ausschließlich an Autobahnen. Ziel ist eine Vernetzung der Ballungsräume, etwa zwischen Frankfurt und NRW. Oder NRW und Hamburg. Sehr spannend ist auch die Achse Stuttgart – München.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Werden die Stationen dann an Autobahnraststätten stehen?

Rudat: Ja, wir sprechen mit den Raststättenbetreibern bzw. auch den Besitzern des Grundes vor Ort. Das sind unterschiedliche Ansprechpartner an der Stelle. Aber beide muss man im Boot haben. Und die ersten Gespräche sind schon gelaufen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das Laden unterwegs ist ein Thema, wie schaut es mit dem Laden zu Hause aus. Was bietet Tesla da?

Rudat: Für das Laden zu Hause greifen wir auf international zertifizierte Steckdosen-Standards zurück. Man muss bei uns gar nicht etwas ganz kompliziertes installieren um seinen Modell S laden zu können. Wir gehen z.B. auf die CE-Stecker für 16 Ampere, 32 Ampere bzw. auf den Typ2-Stecker, der sich wie es scheint auf dem europäischen Markt durchsetzen wird. Und haben damit eigentlich auch ein sehr, sehr gutes Kundenfeedback hier in Europa.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Kürzlich hat die EU den Grenzwert von 95 Gramm je Kilometer bestätigt. Ist das jetzt eine Festlegung, wo bei einem E-Autobauer wie Tesla die Sektkorken knallen?

Rudat: Wir glauben dran, dass wir das Ziel Elektro-Mobilität vor allem mit dem richtigen Produkt erreichen werden. Und genau deshalb sind wir sehr, sehr stark orientiert an dem kompletten Paket Design, Reichweite und Performance. Wir glauben, dass das der Treiber sein wird und weniger die politischen Rahmenbedingungen.

Aber wir begrüßen natürlich jede Gesetzgebung, die das Ziel einer emissonsfreien Mobilität unterstützt. Gleichzeitig für uns ? unsere Vision ? ist leicht abzulesen: wir glauben nicht an Erdgas, wir glauben nicht an Hybrid, wir machen keinen Range Extender. Oder um es anders zu sagen: jeder Liter Sprit, den man für Mobilität verbraucht, ist aus unserer Sicht vergeudet.

Das Interview führte Frank Volk