Jörg Grotendorst

Jörg Grotendorst: Wir müssen die Infrastruktur eines klassischen Automobilzulieferers aufbauen. - Bild: APR

Im Juni übernahm Jörg Grotendorst die Geschäftsleitung der Business Unit “Inside e-Car”, die Komponenten und Systeme für den elektrischen Antriebsstrang anbietet.

Siemens kommt als Zulieferer in das Automotive-Umfeld zurück und beschäftigt sich mit der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb von integrierten Komponenten für den Powertrain. Wie sich der Weltkonzern dies vorstellt, erläutert Jörg Grotendorst, CEO der Business Unit “Inside e-Car” der Siemens-Division Drive Technologies.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Siemens plant seine industrielle Führung bei der elektrischen Antriebstechnik auf den Automotive-Sektor auszudehnen. Was ist Ihre Rolle dabei?

Jörg Grotendorst: Siemens baut heute jährlich mehrere Millionen Industriemotoren – in Zigtausend Varianten. Für den Einsatz im Auto benötigt man eher weniger Varianten, dafür größere Stückzahlen. Für Siemens hatte das Automobilgeschäft den Anreiz, Kernprodukte fürs Auto – wie beispielsweise eine elektrische Antriebsmaschine zwischen 20 und 150 Kilowatt – durch hohe Stückzahlen preiswert anbieten zu können.

Damit kommt Siemens als Zulieferer in das Automotive-Umfeld zurück und widmet das Geschäftsfeld “Inside-E-Car” der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb von integrierten Komponenten für den Powertrain.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Komponenten entwickeln Sie oder haben Sie schon im Angebot?

Jörg Grotendorst: Wir entwickeln Motoren unterschiedlichster Bauarten: permanent erregte Motoren mit Magneten, sowie Asynchronmaschinen ohne Magnete – die sind in der Industrieanwendung sehr weit. Ich bin überzeugt, dass wir hier unseren Wissensvorsprung aus der Industrie ins Auto übertragen können. Ich habe auch schon drei, vier Punkte entdeckt, um anzusetzen….

AUTOMOBIL PRODUKTION: An welchen Punkten zum Beispiel?

Jörg Grotendorst: Wir schaffen es, die Asynchronmaschinen in eine Region der Effizienz zu bringen, die ungefähr vergleichbar ist den Permanentmotoren. Natürlich können wir die Physik nicht ändern. Bedeutet: wenn die Asynchronmaschine schneller dreht ist der Leistungsabfall stärker als bei einer permanent erregten. Aber ich sehe eine realistische Chance, dass wir effiziente Asynchronmaschinen – sprich Maschinen ohne seltene Erden-Materialien – ins Auto bringen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bis wann kriegen Sie das hin?

Jörg Grotendorst: Unsere erste Kleinserie für eine Exagon-Sportwagenapplikation werden wir bereits im kommenden Jahr beginnen. Unser nächstes Ziel ist dann 2015 die Produktion für konventionelle Pkw-Hybrid- und Batteriefahrzeuge zu beginnen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das geht ja flott…

Jörg Grotendorst: Ja, weil wir eben so einen großen Fundus haben, der quasi schon in unserer Hand liegt. Die größte Herausforderung ist nun, das ganze Prozesswesen zu installieren. Das ist beim Automobil noch stringenter und konsequenter geregelt als in der klassischen Fertigungs-Industrie: Qualitätsmanagement, Einkauf, Qualitätssicherung in der Produktion.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was müssen Sie dafür alles installieren?

Jörg Grotendorst: Wir müssen die Infrastruktur eines klassischen Automobilzulieferers aufbauen. Das Auto hat grundsätzlich hohe Anforderungen an die Komponenten: im Antriebsstrang von minus 40 Grad bis plus 85 Grad. Wir bei Siemens müssen im Einkauf ansetzen und definieren, ob wir damit ins Auto gehen oder in eine Industrieapplikation. Es gibt dann später bei uns exakt dasselbe Teil mit zwei unterschiedlichen Eigenschaften: Einmal ist es Automotive-zertifiziert und einmal ist es Non-Automotive. Das bauen wir gerade parallel auf.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das heißt Sie produzieren die Komponenten gar nicht selbst?

Jörg Grotendorst: Wir werden die Komponenten selbst produzieren – selbstverständlich. Aber wir kaufen auch Teile zu – Transistoren, Dioden, Kondensatoren…

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie bieten auch ein Batterie-Management-System an…

Jörg Grotendorst: Aus Siemens-Sicht ist es natürlich sinnvoll im Gesamtkontext zu prüfen welche Lösungen wir zukünftig benötigen, um mit dezentraler Energieversorgung umzugehen. Wir sind aber noch nicht so weit, dass wir entschieden haben, ob wir damit auch für Pkw Anwendungen in eine Serienproduktion gehen werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie liefern heute also welche Komponenten?

Jörg Grotendorst: Wir liefern derzeit noch Entwicklungsmuster für elektrische Maschinen, Antriebe und Ladesysteme.

AUTOMOBIL PRODUKTION: An welche Themen haben Sie sich noch nicht heran getraut?

Jörg Grotendorst: An das Thema Batterien. Das werden wir uns längerfristig anschauen. Eben aus dem Gesamtkontext heraus, dass Energiespeicherung grundsätzlich über das Thema Automobil hinaus gehen wird – ins Thema Solarenergie-Erzeugung, Windenergie-Erzeugung oder Energiespeicherung für Haushalte. Und wir werden uns auch mit dem Thema Wasserstoff beschäftigen: Wasserstoff-Infrastruktur und z. B. Wasserstofferzeugung aus Strom.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was ist geplant?

Jörg Grotendorst: Siemens ist der Initiative Clean Energy Partnership (CEP) beigetreten und wird Wasserstofftankstellen mit einer Proton-Exchange-Membrane-Technologie zur Elektrolyse ausstatten. Das System liefert „grünen Wasserstoff“, der mindestens hälftig aus regenerativen Quellen stammt, für die Betankung von Brennstoffzellenfahrzeugen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo wäre Ihrer Meinung nach ein Zukauf oder Einstieg sinnvoll?

Jörg Grotendorst: Im Augenblick fehlt uns nichts im Portfolio. Ich bin dabei erst innerhalb der Siemens AG die Schätze zu heben, die hier schlummern. Es liegt eine beachtliche Menge vor uns auf dem Tisch, wo ich sagen muss: wenn wir es schaffen, diese Technologie serienreif ins Auto zu bringen, dann haben wir damit einen signifikanten Wettbewerbsvorteil.

Ein Beispiel: Wir arbeiten gerade in der Forschung an einem Powermodul, einem elektronischen Hochleistungsschalter, das ohne klassische Dickdraht-Bonden-Technologie auskommt. So ein Modul ist prinzipiell in jedem Elektro- und Hybrid-Fahrzeug. Das Thema haben wir mit einer eigenen Technologie völlig anders gelöst im Vergleich zur heute etablierten Technologie.. Im Labor prüfen wir derzeit erste Muster, die funktionieren sehr vielversprechend.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Schätze haben Sie noch entdeckt?

Jörg Grotendorst: Jede Menge. Ich schaue mir im Unternehmen derzeit alle Technologien an, die wir ins Auto bringen könnten und die Anwendung hier Vorteile hat, so dass wir daraus einen Wettbewerbsvorteil erzielen. Und das mache ich bei den Elektroniken, den Motoren, den Kühlsystemen für Motoren, Getrieben und so weiter. Das ist mein Thema: in diesem großen Konzern Themen aufzugreifen, die Siemens kann und noch nicht fürs Auto entdeckt hat.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie gehen Sie vor?

Jörg Grotendorst: Wir gehen intern und mit einzelnen Schlüsselkunden in Vorversuche Denen stellen wir Muster zur Verfügung und testen dann gemeinsam. Und natürlich ist es dann mein Geschäftsziel, mit diesen Leitkunden auch das Seriengeschäft aufzubauen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wer zählt denn zu Ihren Schlüsselkunden?

Jörg Grotendorst: Wir arbeiten zum Beispiel mit Volvo eng bei dem Thema zusammen, aber auch mit vielen anderen OEMs.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihr Entwurf einer rein elektrischen Antriebsplattform sieht aus wie ein Brett mit vier Rädern. Arbeiten Sie an so einer Art E-Baukasten?

Jörg Grotendorst: Die Konstruktion eines Fahrzeuges ist die Domäne der Automobilhersteller. Im Prinzip besteht der Antriebsstrang aus Verbrennungsmotor, Kraftübertrag an die Räder und Abgasanlage. Wenn man das auf einen Elektroantrieb überträgt, dann kann man die Elektromotoren – da sie eben deutlich kleiner bauen – nicht nur als Achsantrieb, sondern auch radnah anbringen. Die Batterie sollte möglichst tief und nahe am physikalischen Schwerpunkt im Auto liegen. Also ganz platt am Boden des Fahrzeugs, denn das bringt natürlich fahrdynamische Vorteile. Die ideale Batterie ist winzig klein, punktförmig und sitzt im Schwerpunkt des Autos.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das würden sich ja viele wünschen – winzig kleine Batterien…

Jörg Grotendorst: Ja. Mit dem Thema Batterien im Auto beschäftigen wir uns derzeit aber nicht. Außer dass wir uns für unsere internen Prototypen Batterien kaufen, um Batterieeigenschaften charakterisieren zu können, auch mit definieren können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stellt die Batterie in Ihrem Portfolio nicht ein Riesenloch dar?

Jörg Grotendorst: Nicht für die Entwicklung der Komponenten im Antriebsstrangs.. Siemens beschäftigt sich mit dem Thema Energiespeicherung und auch etwas tiefer mit dem Thema Batterie, sowie mit dem Thema Wasserstoff.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber wäre es nicht sogar zwingend, dass Sie sich dem Thema Batterie zuwenden?

Jörg Grotendorst: Nein. Überhaupt nicht. Batteriehersteller und Batteriekooperationen sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Man kann derzeit viel mehr Batterien bauen als die Welt gerade braucht. Von daher bin ich sicher, dass sich die Anzahl der Batteriehersteller noch deutlich konsolidieren wird über die nächsten Jahre – ähnlich wie es dies im Laufe der letzten 20 Jahre auch bei Blei-/Säure-Akkus gegeben hat. Das gleiche wird bei der Lithium-Ionen-Batterie auch passieren. Und da müssen wir nicht unbedingt dabei sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie starten Ende des Jahres intern mit einer Testflotte mit 200 Fahrzeugen…

Jörg Grotendorst: Die Prototypen laufen und wir sind im Plan. Wir haben eine Reihe von Testfahrzeugen im Betrieb, auch für unsere Mitarbeiter. Vor unserem Gebäude stehen Siemens Ladesäulen. So können unsere Mitarbeiter zum Beispiel für Dienstfahrten zwischen unseren Standorten Elektromobilität erleben und gleichzeitig die Musterstände entsprechend im Alltagsbetrieb erproben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und die Autos kommen aus Schweden und werden hier in Erlangen umgerüstet?

Jörg Grotendorst: Nein. Die werden bei Volvo in Schweden aufgebaut. Das sind fertige Elektroautos, die unter regulären Serienbedingungen bei Volvo produziert werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie läuft die Arbeitsverteilung in Ihrer strategischen Partnerschaft mit Volvo?

Jörg Grotendorst: Wir teilen uns die Arbeit nicht mit Volvo. Das wäre falsch verstanden. Volvo ist der Fahrzeughersteller und wir sind der -Hersteller für die Schlüssel Komponenten im elektrischen Antriebsstrang. Das heißt Volvo baut die Autos – wir bauen die Motoren und die Umrichter für die Autos.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie beliefern Volvo also nur?

Jörg Grotendorst: Genau. Bei der Auslegung des Gesamtsystems und des Autos ist aber die Zusammenarbeit mit Volvo deutlich enger als in einer normalen Kunden-/Lieferanten-Beziehung. Wir diskutieren mit Volvo über die bestmögliche Auslegung für einen Antriebsstrang im Hinblick auf Einsatz, Fahrprofil und Technologieanwendung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber führen Sie nicht mit jedem Kunden so eine Vorab-Diskussion?

Jörg Grotendorst: Nein, nicht immer. Das wäre aus Sicht eines Lieferanten vielleicht wünschenswert, aber häufig schreiben die OEM ein Lastenheft und fordern die Lieferanten auf, ein Angebot abzugeben, eine Diskussion setzt dann erst anschliessend an.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wird Volvo-Mutter Geely Ihre Siemens-Komponenten in China verwenden?

Jörg Grotendorst: Dazu kann ich Ihnen nichts sagen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie entwickeln in China auch selbst Komponenten, die Sie in China anbieten wollen?

Jörg Grotendorst: Wir haben in Shanghai ein Team von rund 50 Mitarbeitern, die alle relevanten Felder abbilden – R&D, Einkauf, Qualität, Produktion. Es macht keinen Sinn in Europa Teile zu produzieren und die nach China zu bringen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Verkaufen Sie in China schon an chinesische Fahrzeughersteller?

Jörg Grotendorst: Derzeit sind wir noch mit keinem Kunden in Serienproduktion.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist das Interesse da?

Jörg Grotendorst: Ja, definitiv. Stückzahlenmäßig ist der chinesische Markt einfach ein interessantes Thema. Die chinesische Regierung hat das Thema CO2 erkannt. Bei dem Thema der Verbrennungstechnologien für klassische Motoren im Auto hinkt man weit hinterher. Somit macht China direkt den Sprung zur Elektrifizierung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Kommen wir zum Thema Preisentwicklung von E-Komponenten – gehen die Preise eher rauf oder runter?

Jörg Grotendorst: Die Preise gehen nach unten, aber nicht so schnell wie es der Markt bräuchte. In der Elektromobilität sind wir mit einer Herausforderung konfrontiert, wie es sie so noch nie gab: Die Systeme kommen nicht zuerst in hochpreisige Fahrzeuge, sondern müssen vom Systemansatz her eher in kleinen, preissensiblen Fahrzeugen verkauft werden. Deshalb haben wir immer wieder das Henne-Ei-Problem: Kunden wären bereit solche Autos zu kaufen, aber diese sind preislich nicht attraktiv genug. Damit kaufen die Kunden nicht und die Preis-Volumen-Spirale kommt nicht in Gang.

Wir werden hoffentlich über die CO2-Emissionsvorgaben aus Brüssel mit 95 Gramm die Technologie in ein Produktionsvolumen bringen, das uns erlaubt, auch die Preise runter zu bringen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Im Thema E-Mobilität konkurrieren Sie mit deutschen Wettbewerbern wie Continental, Bosch und ZF. Zieht ein deutscher Schauplatz herauf?

Jörg Grotendorst: E-Mobilität ist keines Falls ein deutsches Thema. Schauen Sie mal, wie lange zum Beispiel Toyota, Honda und Ford schon Fahrzeuge hybridisieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber das sind ja Autohersteller…

Jörg Grotendorst: … die mit ihren entsprechenden Lieferanten arbeiten: Denso, TDK, Hitachi… und noch viele mehr. Diese Unternehmen arbeiten schon lange an der Hybridtechnologie.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Dann anders herum: Was kann Siemens, was ein Continental, Bosch oder ZF nicht kann?

Jörg Grotendorst: Motoren bereits in großen Stückzahlen bauen – Motoren und Umrichter. Unsere jahrzehntelange Erfahrung bei Elektromotoren und beim elektrischen Antriebsstrang werfen wir in die Waagschale.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ab welchem Volumen sprechen Sie von großen Stückzahlen?

Jörg Grotendorst: Wenn Sie sich die Zulassungszahlen von Fahrzeugen mit Hybrid oder mit einer Hybridisierung anschauen, dann reden wir über einige Tausend, vielleicht Zehntausende. Bei Siemens bauen wir Millionen von Motoren – von Kilowatt bis etliche Megawatt. Die Frage wäre eher: sind wir als Siemens zu spät? Ich sage nein, weil das Volumen im Hybridmarkt noch nicht da ist. Es gibt zwar sehr viele Fahrzeuge, aber die kommen derzeit noch nicht in den Volumenregionen vor, die vielleicht in der Euphoriephase einmal geplant waren. So verdient im Moment auch niemand Geld damit. Alle zahlen Lehrgeld – die Zulieferer und auch die Fahrzeughersteller. Was für uns von Vorteil ist. Aus meiner Sicht ist es eine glückliche Fügung, dass der Markt noch nicht so weit oben ist, sondern wir dabei sind, wie er nach oben geht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Müssten Sie nicht auch ein bisschen Verbrennungs-Motoren-Know-how einbringen?

Jörg Grotendorst: Wir sagen grundsätzlich: der klassische Zulieferer kommt von der Verbrennungsseite und geht in die Elektrifizierung. Und Siemens kommt von der Elektrifizierung – wissend, wie elektrische Antriebe und Maschinenregelung funktioniert und gehen damit in den Fahrzeugantrieb. Wir werden keine Rolle spielen beim Thema Verbrennungsoptimierung, Abgas oder Kraftstoffoptimierung. Aber überall dort, wo Sie rein elektrisch fahren, sind wir zuhause. Wir sind Realisten genug, um zu erkennen, dass es Themen in der Kombination von Verbrennungsmotor und E-Antrieb gibt, die ein klassischer Zulieferer besser kann als wir.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie beliefern bis dato noch keinen Autohersteller?

Jörg Grotendorst: Korrekt. Wir haben noch keine Serienproduktion für die Komponenten im Fahrzeug – wir sind im Aufbau.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihre persönliche Management-Herausforderung ist die Größe von Siemens zu nutzen und sie nicht als Behinderung zu erfahren…?

Jörg Grotendorst: Ja, genau. Am ersten Tag erhielt ich eine Liste aller relevanten Personen im Konzern, deren Portfolio für mich irgendwie interessant sein könnte. Die war nicht kurz. Ich habe alle Kollegen besucht und Diskussionen geführt: Was können wir zukünftig gemeinsam machen – wo unterscheiden wir uns? Und wo gibt es Themen – ob das Bahn- oder Flugzeugantriebe oder die Materialforschung ist – wo wir zukünftig etwas gemeinsam machen können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie keine eigene Entwicklung?

Jörg Grotendorst: Natürlich habe ich auch eine eigene Entwicklung hier in Erlangen, in unserem Headquarter, mit Soft- und Hardware-Entwicklern und Antriebsprüfständen. Das reine Inside-E-Car-Team sind etwa 300 Mann. In Bad Neustadt betreibt Siemens eine der Hochburgen für Motorenentwicklung und -produktion. Dort sitzen Leute, die entwickeln Motoren – nicht nur für E-Car, auch für Flugzeuge, Busse und U-Boote.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Dann ist Ihr Haupt-Job in den nächsten Jahren…

Jörg Grotendorst: … Siemens mit dem Geschäftsfeld e-Car als automobilen Spitzenzulieferer zu etablieren.

Das Interview führte Bettina Mayer