Wolfgang Hatz

Wolfgang Hatz: "Klar könnten wir noch weiter in die Breite gehen und noch wesentlich mehr Stückzahlen machen. Aber ich weiß nicht, ob das am Ende unsere Aufgabe ist." - Bild: Porsche

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was macht Ihrer Meinung nach den Porsche Macan aus?
Der Macan ist ein Sportwagen im Kompakt-SUV-Segment. Der erste wirkliche Sportwagen in diesem Bereich.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Liegt er Ihnen besonders am Herzen?
Ich bin von der Stunde Null an bei diesem Projekt mit dabei. Und sicherlich steht man bei so einem Projekt unter besonderer Beobachtung. Als „alter Porscheaner“ ist meine „Heimat“ seit November 2010 wieder Zuffenhausen. Mir ist wichtig, dass man auch sieht, dass es noch ein echter Porsche ist.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie viel Audi steckt denn im Macan?
Wir haben mit dem Q5 sicherlich eine gute Basis gehabt. Aber klar ist auch, dass ein Q5 und ein Macan weiter auseinander liegen als ein Cayenne und ein Touareg beispielsweise. Ganz einfach deswegen: als der Q5 entstand, war ich ja nicht ganz unbeteiligt. Ich kenne das Fahrzeug ganz gut. Damals waren die Anforderungen, die Porsche an so ein Fahrzeug stellt, nicht im Entwicklungspaket des Q5 drin. Deswegen mussten wir an der einen oder anderen Stelle schon noch ein wenig Aufwand betreiben, um das Fahrzeug dahin zu bringen, dass wir sagen, ja, das ist ein guter Repräsentant für die Marke Porsche.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Auf welche Weiterentwicklungen haben Sie ganz speziell Wert gelegt?
Für uns ist immer das Thema Fahrdynamik wichtig. Porsche zeichnet eine sehr hohe Fahrdynamik aus. Diese gibt es in mehreren Kategorien: Das eine ist die Längsdynamik, das heißt, wir haben ja die neuen V6-Motoren in das Fahrzeug integriert. Dann haben wir auch ein Doppelkupplungsgetriebe entwickelt; eine Ableitung des DL501-Audi-Getriebes, mit komplett neuer Software und einem ganz neuen Allradsystem, dem Porsche-Hang-On-Allradsystem. Schließlich wurde das Fahrwerk deutlich überarbeitet und eine Luftfederung integriert. Das macht das Fahrzeug zu einem hochdynamischen Sportwagen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: An welchen gemeinsamen Projekten arbeiten Sie derzeit noch mit Audi?
Ich bin einer, der mit am stärksten im Konzern vernetzt ist, was für Porsche sicherlich ein großer Vorteil ist. Natürlich ist mir der Entwicklungsbereich im Konzern sehr vertraut. Da gibt es viele Projekte, die wir gemeinsam bearbeiten. Das ist für uns eine riesige Chance. Denn wir können Dinge auch von anderen übernehmen, wo es für den Kunden nicht relevant ist. Gleichzeitig können wir uns auf die Themen konzentrieren, die einen Porsche zum Porsche machen.

Wolfgang Hatz: "Wir haben mit dem Porsche Macan den Nerv der Zeit sehr gut getroffen“. - Bild: Porsche

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wäre eine Ableitung des Macan unter den Marken Bentley und Lamborghini nicht auch sinnvoll?
Das kann man nie ausschließen. Wir arbeiten sehr intensiv gerade auch mit diesen beiden Marken zusammen. Die profitieren natürlich auch enorm von unserer Expertise.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bedeutet das, Porsche hat die besten Entwickler im VW-Konzern?
Ich würde nicht sagen die besten, aber wir haben sicherlich eine besondere Stellung. Ganz einfach deshalb, weil die drei großen Entwicklungszentren des Konzerns in Ingolstadt, Wolfsburg und in Weissach liegen. Wir sind natürlich unter diesen dreien sicherlich der Kleinste, aber wir haben eine sehr gute Entwicklungsmannschaft. Das sieht man ja an unseren Produkten, die wir 2013 auf die Straße gebracht haben: den Cayman, dann den Panamera der zweiten Generation mit neuen Motoren; wir haben den Plug-in-Hybrid in Serie gebracht als erster im Premiumsegment, wir haben den komplett neuen 911 GT3 gemacht sowie den komplett neuen Turbo S und das Cabrio dazu. Dann haben wir den Macan noch dazu entwickelt und haben den neuen 918 Spyder gelauncht. Der 918 Spyder ist derzeit von der Technologie her sicherlich das anspruchsvollste Auto in der Industrie.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Hinter „Porsche Intelligent Performance“ steckt der Dreiklang Dynamik und Effizienz, Performance und Sicherheit, sowie Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit. Was bedeutet das für Sie als Entwicklungschef?
Ein 911 Turbo mit einem Verbrauch von 9,7 Litern ist ein Supersportwagen, den sie als Kunde mit so einer Performance bei so einem Verbrauch auch wirklich so fahren können. Das nenne ich Intelligent Performance.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Porsches Weg zum ersten Diesel war bekanntlich steinig. Können Sie sich inzwischen vorstellen, einen eigenen Diesel zu entwickeln?
Ich weiß genau, dass dies ein Feld ist, wo wir auf hervorragendes Know-how im Konzern zurückgreifen können, insbesondere bei den Kollegen von Audi. Die Neckarsulmer Dieselentwickler sind nicht weit von Weissach entfernt und wir haben ja gerade den Panamera Diesel mit 300 PS entwickelt, den es nur im Panamera gibt. Das war eine tolle Kooperation zwischen Neckarsulm und Weissach.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Vom ersten Vierzylinder bei Porsche ist auch immer wieder die Rede. Ist der Macan ein Kandidat dafür?
Einen Vierzylinder werden wir beim Macan sicherlich irgendwann machen. Aber nicht in den nächsten Jahren. Ich glaube, wir sind mit den Sechszylinder-Triebwerken ganz gut aufgestellt. Wofür wir sicherlich einen Vierzylinder machen werden, ist in China. Dort ist ein Vierzylinder schon wegen der Consumption Tax unumgänglich.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann bringen Sie den Macan mit Vierzylinder nach Europa?
Ein Vierzylinder-Macan ist aktuell nicht für Europa geplant.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Den Vierzylinder nehmen Sie doch sicherlich auch aus dem Konzernregal. Haben Sie sich schon für einen bestimmten Konzern-Motor entschieden?
Nein. Fest steht nur, wir werden sicherlich auch keinen eigenen Vierzylinder machen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Karosserievarianten bekommt der Macan noch?
Wir haben mit dem Auto den Nerv der Zeit sehr gut getroffen. Im Moment gibt es keine Planung, ein weiteres Karosserie-Derivat zu machen. Wir haben ja eher das Problem, die aktuelle Nachfrage zu befriedigen. Das wird unser Hauptaugenmerk sein, und nicht, welche Karosserie-Derivate wir noch machen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Dann ist das Ziel von 200 000 Einheiten für Porsche sozusagen die Stückzahlbremse?
Klar könnten wir noch weiter in die Breite gehen und noch wesentlich mehr Stückzahlen machen. Aber ich weiß nicht, ob das am Ende unsere Aufgabe ist.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was für ein Forschungsprojekt, an dem Sie gerade arbeiten, liegt Ihnen für Porsches Zukunft besonders am Herzen?
Das ist schwer zu sagen, denn wir machen ja so viele Dinge. 2014 steht das Thema LMP 1 ganz oben auf meiner Agenda. Vor Ostern ist endlich das erste Rennen.

Das Interview führte Bettina Mayer