• i3 Concept Coupe - BMW-Stromer bekommt Zuwachs. - Bild: BMW Group

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Beim AUTOMOBIL FORUM am 14./15. Mai in Stuttgart geht der charismatische Österreicher in der Abschluss-Keynote darauf ein, wie die Elektro-Mobilität die Automobilindustrie verändern wird.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Raffeiner, wie fühlt man sich, wenn man mit bei einem Zukunftsthema wie der E-Mobilität auf das falsche Pferd gesetzt hat? Zumindest wenn man den Medien Glauben schenkt, ist das Thema ja ziemlich tot…

Raffeiner: Sehr lebendig. Vielleicht setzen ja nicht wir auf das falsche Pferd, sondern einige Medien. In diesem Stadium von Sieg oder Niederlage zu reden, ist sehr verfrüht. Wir sind sehr guter Dinge, dass es für die E-Mobilität gut ausgeht. Neue E-Fahrzeuge kommen auf den Markt, die Absatzzahlen im Ausland steigen und die Preise für Batterien sinken.

Wenn man es sachlich und mit etwas Abstand betrachtet, dann ist die Elektrifizierung der individuellen Mobilität der einzige Weg für die OEMs und auch für uns als Gesellschaft, die ab 2020 geltenden CO2-Ziele zu erreichen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Es sind ja aber nicht nur die Medien, die die E-Mobilität kritisch betrachten. Zuletzt haben sich auch große OEMs von der rein elektrischen Mobilität verabschiedet. Beunruhigt Sie das?

Interview Thomas Raffeiner TMH

Thomas Raffeiner: "Der Wandel zur Elektro-Mobilität verläuft in Stufen und wird es weiter tun." - Bild: Robert Haas

Raffeiner: Nein, überhaupt nicht. Da steckt zu viel Schwarz-Weiß-Denken dahinter. Wir werden nicht den Schalter umlegen und ab morgen fahren dann nur noch rein elektrische Autos auf den Straßen herum. Gerade Toyota ist ein sehr gutes Beispiel: Der Wandel zur Elektro-Mobilität verläuft in Stufen und wird es weiter tun.

Toyota schlägt mit dem Weg über Hybride und Plug-In-Hybride die perfekte Brücke zur elektrischen Mobilität. Hier sieht man sehr schön: Stück für Stück wird der Anteil an Fahrzeugen mit fossilem Antrieb kleiner werden und der elektrische Anteil größer, bis wir dann eines Tages die elektrische Mobilität haben werden. Ich glaube an Technologieveränderungen, ich glaube nicht an eine Revolution.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie schnell wird die Entwicklung gehen. Glauben Sie noch daran, dass es in Deutschland 2020 unter den Neuzulassungen eine Million Elektro-Fahrzeuge geben wird?

Raffeiner: Wenn man Deutschland, Europa und die globale Situation betrachtet, dann stellt man fest, dass die Entwicklung in dem einen Land schneller, in dem anderen langsamer läuft. In Summe gibt es aber einen ganz klaren Trend hin zur E-Mobilität. Nehmen Sie Norwegen oder Holland, wo heute schon fünf bis zehn Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge alternativ angetrieben sind.

Davon ist Deutschland natürlich noch weit entfernt. Daraus aber zu schließen, dass die Zielzahl nicht zu erreichen ist, ist verfrüht. Die Entwicklungsgeschwindigkeit hängt letztlich von attraktiven Produkten für den Endkunden ab. Und da kommen – etwa von BMW – Autos und Dienstleistungen für die E-Mobilität in den Markt, über die man auch auf interessante Stückzahlen kommen wird. Da kann dann die jetzt noch sehr ferne Million sehr schnell näher kommen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Fehlt es in Deutschland an der Unterstützung für die E-Mobilität?

Raffeiner: Grundsätzlich muss sich die Elektro-Mobilität durchsetzen, weil sie ein besseres Produkt beziehungsweise für jeden Autokäufer der bessere Deal ist. Trotzdem gibt es sehr viele und gute Impulse, die Länder oder auch Kommunen selber setzen können…

Interview Thomas Raffeiner TMH

Thomas Raffeiner: "In Norwegen oder Holland sind heute schon fünf bis zehn Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge alternativ angetrieben." - Bild: Robert Haas

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein Beispiel, bitte!

Raffeiner: Nehmen Sie Norwegen: Dort ist es eben nicht nur der hohe Spritpreis, der die Menschen zum Elektroauto bringt. Mindestens genauso wichtig ist, dass Fahrer solcher Autos in der Stadt die Busspur benutzen dürfen, dass sie in der ersten Reihe parken können. Ganz wichtig ist dies an Flughäfen. Die E-Autofahrer müssen zwar auch ihr Ticket wie alle anderen zahlen, haben aber die kürzesten Wege zu den Terminals.

E-Mobilität punktet bei den Nutzern auch durch Zeitersparnis. Für Pendler ist das wichtig. Über solche nicht-monetären Faktoren kann man viel bewegen, ohne den Steuerzahler zu belasten. Der Griff in die Subventionskasse ist aus meiner Sicht nicht entscheidend. Gerade in die Diskussion in Deutschland muss daher mehr Kreativität, um den Menschen den Zugang zur E-Mobilität zu eröffnen. Hier wird viel zu viel über Zulassungs- und Absatzzahlen gesprochen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sind Sie bezüglich solcher kreativer Förderansätze mit der Politik im Gespräch?

Raffeiner: Ja, wir sprechen durchaus mit der Politik. Unser Fokus liegt aber ganz klar auf den ökonomischen Gesichtspunkten. Wenn die OEMs attraktive Produkte bringen – und die bringen sie jetzt -, dann hat die Politik auch eine Vorbildfunktion und sollte ebenfalls E-Autos nutzen und wirkliche statt künstliche Nachfrage erzeugen.

In England hat die Regierung ein Programm aufgelegt, mit der die Anschaffung von Wallboxes für Privathaushalte gefördert wird. Ist das so eine Maßnahme, die auch in Deutschland helfen würde?

Raffeiner: Ganz klar. Das macht Sinn und reduziert die gefühlten und tatsächlichen Barrieren (z.B. das Sicherheitsbedürfnis) bei der Anschaffung eines E-Autos. Wir begrüßen auch sehr das Programm das die EU zum Ausbau des Infrastrukturnetzes gestartet hat. Das wird dem Thema insgesamt einen Schub geben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Helfen denn öffentliche Ladesäulen wirklich weiter. Drei Stunden an einer Ladesäule im öffentlichen Raum zu laden, ist nicht wirklich ein Argument für E-Autos?

Raffeiner: In der Tat. Daher ist der Range Extender absolut berechtigt. Einen Elektroingenieur wie mich macht es natürlich nicht glücklich, wenn letztlich zwei Antriebssysteme in einem Fahrzeug vorgehalten werden müssen. Auch für die Hersteller ist das nur ein Kompromiss.

Dennoch: Für die Einführungs- und Übergangsphase ist der Range Extender wichtig, um Vertrauen zu schaffen. Ich sehe es ja an mir und dem Team. Wir sind jetzt seit vier Jahren mit E-Autos unterwegs. Anfangs haben wir immer mit mindestens einem Auge auf die Batterieanzeige geschaut. Heute interessiert das Thema Reichweite nicht mehr. So wird es auch im Alltag sein. Und nach der Brotzeit ist das “Ding” dann ganz einfach wieder geladen.

Interview Thomas Raffeiner TMH

Thomas Raffeiner: "In der Automobilindustrie ist man sich sehr bewusst, dass die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Batterien eines der Schlüsselthemen für die Elektromobilität ist." - Bild: Robert Haas

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der noch bessere Weg wäre, wenn es gelänge, die Reichweite zu erhöhen. Bosch-Autochef Bernd Bohr hat kürzlich gesagt, dass sich die Leistungsfähigkeit der Batterie um den Faktor 2 verbessern muss, damit die E-Mobilität aus der Nische kommt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Raffeiner: Das ist absolut korrekt. Schauen Sie mal, wie groß ihr erstes Handy vor zehn Jahren war und was es gekostet hat und wie groß es heute ist und jetzt kostet. In der Automobilindustrie ist man sich sehr bewusst, dass die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Batterien eines der Schlüsselthemen für die Elektromobilität ist. Dementsprechend fließt derzeit viel Geld und Wissen in diesen Bereich.

Eine Verdoppelung der Batterieleistung halte ich angesichts der schnellen Entwicklung für machbar. Wenn ich sehe, wie intensiv sich die Unternehmen mit diesem Thema beschäftigen, wenn ich sehe, was sich aktuell in China und Amerika tut, dann sprechen wir von einer Verfünffachung oder Verzehnfachung der Batterieleistung im Vergleich zum heutigen Stand. Das sind „good news“

AUTOMOBIL PRODUKTION: Good News sind auch, dass BMW mit dem i3 ein attraktives Produkt bringt. Erwarten Sie dadurch einen richtigen einen Schub für die E-Mobilität?

Raffeiner: Wir freuen uns sehr, wenn BMW an den Markt geht und das nicht nur, weil wir Partner in dem Projekt sind. Wenn die Autos auf der Straße sind, wenn die Leute die Autos fahren, dann wird E-Mobilität im Alltag noch sichtbarer werden und die Nachfrage insgesamt einen großen Schub erleben.

BMW platziert die i-Linie sehr konsequent als Urban Vehicle. Ist das nicht eine ganz große Schwachstelle im Denkansatz?

Raffeiner: Warum?

AUTOMOBIL PRODUKTION: Weil es mir als Fahrer letztlich ja nichts bringt, ob ich im Benziner oder im E-Auto im Stau stehe.

Raffeiner: Aus der heutigen Warte ist das richtig, aber: Sie werden in Zukunft ab bestimmten Emissionswerten ohne E-Auto oder Taxi nicht mehr in den Stadtkern kommen. Städte wie London oder Oslo machen das bereits vor. Andere werden folgen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wenn dann aber alle mit E-Autos fahren, ist das Problem mit der Luftverschmutzung zwar gelöst, nicht aber das mit den Staus?

Raffeiner: Das Problem hätte ich gerne, denn dann haben wir es geschafft! Unser Szenario geht davon aus, dass wir 2030 neben vielen Plug-In-Hybriden auch fünf Prozent rein elektrische Fahrzeuge bei den Neuzulassungen haben. Dann sage ich: Wow. Weil wir damit ein Volumen erreicht haben werden, bei dem die ganzen Skaleneffekte greifen und Produktion sowie Fahrzeuge viel günstiger sein werden. Das wiederum kurbelt die Nachfrage weiter an.

AUTOMOBIL PRODUKTION: 2030 ist aber noch ziemlich weit weg?

Raffeiner: Zwei Zahlen sind schon heute real und fest in den Köpfen aller Hersteller: 2020 und 95 Gramm. Da kratzt sich der ein oder andere bereits am Kopf und fragt sich: wie schaffe ich das? 2020 werden alle Hersteller die Hybridisierung und Elektrifizierung vollzogen haben. Denn sie wissen: ohne dies sind die ehrgeizigen Ziele der EU nicht zu erreichen. Und außerdem: Es ist nie zu früh für eine gute Idee.

Das Interview führte Frank Volk