Ausschnitt aus einer Präsentation von Tesla mit Computersimulation der geplanten Gigafabrik. Bild: Tesla

Ausschnitt aus einer Präsentation von Tesla mit Computersimulation der geplanten Gigafabrik. Bild: Tesla

In Frage kommen die US-Bundesstaaten Arizona, Nevada, New Mexico und Texas. Branchenexperten und Konkurrenten reiben sich derweil weiter die Augen über die Ausmaße des 5 Milliarden US-Dollar teuren Vorhabens. Das Werk würde in der gesamten Welt seines Gleichen suchen. Bis zu 6.500 Beschäftigte sollen eine Arbeit finden. Mehrere Tausend Jobs entstünden rund um das von CEO Elon Musk als “Gigawerk” bezeichnete Projekt. Der schillernde Unternehmer vergleicht sein ehrgeiziges Vorhaben mit dem “Rouge-Komplex” des legendären Henry Ford aus dem frühen 20. Jahrhundert. Dort liefen in einer einzigartigen Pionierleistung die ersten T-Modelle Fords vom Band.

Musk will in seinem Werk ab dem Jahr 2017 mit der Produktion von Batterien beginnen. Dieser Zeitplan setzt Tesla gehörig unter Druck. Noch in diesem Jahr sollte in den Planungen ein Durchbruch gelingen. Die Gigafabrik muss die Beschaffung von Millionen Batteriezellen sicherstellen. Zugleich sind auf allen Ebenen Kosten durch Größeneffekte und Logistikeinsparungen einzudampfen. “Wir müssen schnell voranschreiten”, fügt Vizepräsident Diarmuid O’Connell hinzu.

Die Pläne Musks begeistern Politiker in den Bundesstaaten, die sich Hoffnung auf den Standort des neuen Werks machen. Unter Branchenvertretern und Managern der Konkurrenz herrscht dagegen verbreitete Skepsis vor. “Ich kann es nicht ganz verstehen”, wunderte sich Volkswagen-Chef Marin Winterkorn vergangenen Monat. “Wir haben ausreichend Zulieferer und kämen nicht auf die Idee, eine eigene Batteriefabrik hochzuziehen.”

Der Absatz von E-Autos ist noch ziemlich dürftig, sie machen weniger als 1 Prozent des US-Gesamtmarkts aus. Das Weiße Haus nahm für neue Werke, in denen E-Auto-Batterien gefertigt werden, mehr als 1 Milliarde Dollar in die Hände. Doch viele der Fabriken sind gerade einmal zu 15 bis 20 Prozent ausgelastet. “Meine erste Reaktion war: Elon Musk ist Supermann und kann alles schaffen”, schildert der Finanzchef des chinesischen Batteriebauers Highpower, Henry Sun, seinen ersten Eindruck. “Bald darauf wurde ich aber ziemlich besorgt.”

Diese Bedenken teilen die vier von Musk für das Werk ins Auge gefassten Bundesstaaten keineswegs. In Texas führt Gouverneur Rick Perry die Verhandlungen persönlich. Er plädiert offensiv dafür, extra zugunsten von Tesla die texanischen Landesgesetze zu modifizieren. Tesla soll die Möglichkeit erhalten, in Texas unternehmenseigene Verkaufsräume zu betreiben. In Arizona locken die Abgeordneten mit ähnlichen Zugeständnissen. New Mexiko beraumt möglicherweise eine Sondersitzung des Parlaments an, um Extra-Anreize für die Fabrik zu schaffen. Der Bundesstaat Nevada hat Tesla-Manager schon zu möglichen Standorten des neuen Werks chauffiert.

Engpässe bei Batterien bremsten im Jahr 2013 das Umsatzwachstum Teslas. Der Zulieferer Panasonic will mit der Lieferung von 2 Milliarden Zellen aushelfen. Das könnte aber nicht ausreichen, wenn Tesla einen Gang hochschaltet und in hohen Volumina das Modell Gen III fertigt. Im Jahr 2013 setzte Tesla lediglich 22.400 Autos ab. Doch damit ist die US-Firma bereits größter Käufer von Lithium-Ionen-Batteriezellen in der Welt. Was wäre wenn erst einmal die anvisierten 500.000 Fahrzeuge jedes Jahr an den Mann oder die Frau gebracht würden? Die Nachfrage würde diejenige für alle in der Welt produzierten Laptops, Tablet-PCs und Smartphones kräftig übersteigen.

Musk führt momentan direkt Verhandlungen mit dem Panasonic-Vertreter Yoshihiko Yamada, damit die Japaner in die neue Gigafabrik investieren und in die Batteriezellenproduktion einsteigen. Doch Panasonic-Chef Kazuhiro Tsuga klang vergangenen Monat eher verhalten. “Zweifellos birgt das neue Werk viel größere Risiken in sich als unsere laufenden Investitionen. Den Stand bei der Entscheidung über unsere Kapitalausgaben kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht verraten.” Auch von Daimler sind kritische Töne zu vernehmen. Das Werk biete einige Vorteile, habe aber auch gravierende Nachteile, gibt sich Harald Kröger skeptisch. Der Manager leitet bei Daimler das E-Auto-Programm.

Die Wall Street hält dagegen große Stücke auf Tesla. Die Kalifornier sammelten vergangenen Monat mit einer Wandelanleihe die formidable Summe von 2 Milliarden Dollar ein. Vor nicht allzulanger Zeit wäre es die größte Herausforderung für solch ein Projekt gewesen, an das notwendige Kapital heranzukommen. Teslas Marktkapitalisierung von nahezu 31 Milliarden Dollar erhöht in dieser Hinsicht die Spielräume enorm.

Die Risiken für das Projekt beginnen bereits mit dem engen Zeitplan. “Es gibt wenige Fabriken, die 920.000 Quadratmeter groß sind, und auf einen Schlag hochgezogen wurden”, meint Rand Abdallah von Walbridge Aldinger. Das Unternehmen ist eine der weltweit führenden Firmen für den Fabrikbau. Abdallah hält Musks Pläne trotzdem für machbar. “Wir haben Lösungen parat, wenn sie bereit sind, die Kosten zu tragen.”

Für seinen riesigen Batterieausstoß benötigt Musk in großem Umfang Primärmetalle und andere Batteriematerialien wie Kobalt. Die Nachfrage der Gigafabrik nach Kobalt würde zu einem dramatischen Anstieg der Preise oder mehreren neu eröffneten Minen führen, ist sich Erin Chutters sicher. Sie ist Chefin von Global Cobalt, die bald zusätzliches Kobalt in Russland abbauen will. “Die einzige offene Frage, die ich habe, lautet: Werden sie wirklich so viele Autos verkaufen können?” Sie ist skeptisch, dass tatsächlich so viele Fahrer auf E-Wagen umsteigen.

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Mike Ramsey/Dow Jones Newswires/Andreas Karius