Honda Acura RDX

Die großen japanischen Autobauer rüsten weiter auf. Ob die Erholung ausreicht, um verlorene Marktanteile wiedergutzumachen, wird sich zeigen. Die Konkurrenz aus den USA, Deutschland und Südkorea ist weiter stark. - Bild: Honda

Aber jetzt sieht es für die drei großen Autobauer des Landes wieder besser aus.

Wenn Toyota, Nissan und Honda ihre Ergebnisse für das am 31. März beendete Fiskaljahr vorlegen, dürfte sich darin das volle Ausmaß der Erdbebenkatastrophe in Japan und der Überflutung in Thailand wiederfinden. Analysten rechnen aber damit, dass die Ausblicke auf das laufende Jahr ein anderes Bild zeigen werden: Nämlich das einer Branche im Aufschwung, die durch das Abrutschen des Yen seit Februar, ein Wiederaufleben der Produktion und neue Modelle beflügelt wird. Als erstes berichtet am kommenden Freitag Honda.

Ob die Erholung ausreicht, um verlorene Marktanteile wiedergutzumachen, wird sich zeigen. Die Konkurrenz aus den USA, Deutschland und Südkorea ist weiter stark. Die Anleger jedenfalls sind zuversichtlich, sie haben die Aktien von Honda, Nissan und Toyota bereits wieder nach oben getrieben. “2012 wird ein starkes Produktionsjahr für die Japaner”, sagt Chris Richter, Automobilanalyst bei CLSA Asia-Pacific in Tokio.

Toyota steuert auf einen deutlichen Gewinn zu

Toyota dürfte nach Schätzungen von Analysten für das vierte Quartal einen Gewinn von 113 Milliarden Yen (etwa 1,05 Milliarden Euro) vermelden. Das wäre mehr als das Vierfache des Vorjahres. Für das gerade begonnene Geschäftsjahr erwarten die von FactSet befragten Analysten, dass Toyota einen Nettogewinn von 827 Milliarden Yen anpeilt.

Der Gewinn von Nissan dürfte sich in den drei Monaten, die am 31. März abgelaufen sind, auf 68,5 Milliarden Yen (etwa 639 Millionen Euro) verdoppelt haben. Auch bei Honda soll sich der Ertrag in diesem Zeitraum auf 93,2 Milliarden Yen verdoppelt haben.

Für Optimismus sorgt vor allem ein Blick auf den Devisenmarkt. Die japanische Landeswährung Yen ist von ihrem Allzeithoch im vergangenen Oktober gesunken. Das sorgt bei den auf Exporte angewiesenen Autoherstellern für Erleichterung. Und die Regierung hat signalisiert, den Kurs stabilisieren zu wollen. Das ist eine gute Nachricht für die Industrie, die trotzdem weiter ihre Produktion nach außerhalb der Landesgrenzen verlagert.

Seit Jahresbeginn hat die Toyota-Aktie 28 Prozent zugelegt, Honda und Nissan sind um 22 Prozent gesprungen. Alle drei Papiere haben den Topix-Index der japanischen Börse damit hinter sich gelassen. “Nach den schlimmen Folgen der Naturkatastrophen im Vorjahr erwarten wir, dass die Autobauer im Fiskaljahr 2012 solide Zahlen vorlegen”, schrieb Goldman-Analyst Kota Yuzawa kürzlich.

Weitere Wachstumsimpulse kommen von der stärker werdenden US-Wirtschaft und einem Subventionsprogramm der japanischen Regierung.

US-Markt birgt weitere Wachstumschancen

In den USA haben Toyota und Nissan zuletzt mächtig zugelegt. Nissan verkaufte im März die Rekordanzahl von 126.132 Fahrzeugen, 14,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Toyotas Verkäufe zogen um 17,7 Prozent an, Honda setzte dagegen 4,3 Prozent weniger als im starken Vorjahr ab.

In China haben Nissan und Toyota bei Pkw-Verkäufen einen Marktanteil von jeweils sieben Prozent, zeigen Zahlen von Nomura. Bei Honda sind es fünf Prozent. Und auch in Japan könnten die Verkäufe wieder anziehen. Neue Subventionen dürften die Nachfrage hier in Schwung bringen. Die japanische Regierung hat insgesamt 300 Milliarden Yen bereitgestellt, mit denen Käufer von sparsamen Autos belohnt werden sollen. Das Programm trat am 20. Dezember in Kraft und läuft bis Januar 2013.

Sorgenfrei sind die japanischen Hersteller trotz der wachsenden Zuversicht aber noch lange nicht. Wie für alle Autohersteller bleibt auch für sie Europa ein Schwachpunkt. Zudem haben Toyota, Nissan und Honda eine schwere Schuldenlast im Gepäck. Und noch ist der Yen weit entfernt von dem Niveau, auf dem Nissan-Chef Carlos Ghosn ihn gerne hätte. Das wirkt sich auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.

Absatzrekorde und Profitabilität liegen noch weit auseinander

Auch die Gewinnmargen liegen immer noch weit unter den traumhaften Werten der frühen 2000er Jahre. Das trifft besonders auf Toyota zu. Der Konzern will 2012 den weltweiten Verkaufsrekord von 9,58 Millionen Fahrzeugen aufstellen. Aber die Profitabilität liegt nach Ansicht von Analysten nur bei der Hälfte von dem Niveau vor einem Jahrzehnt.

Beobachter erwarten, dass der Schwung dieses Jahres die Profitabilität verbessert. Bei Toyota soll die operative Gewinnspanne bei 5,1 Prozent liegen, bei Nissan bei 7,0 und bei Honda bei 6,8 Prozent, prognostizieren von Dow Jones befragte Analysten.

CLSA-Analyst Richter bleibt allerdings skeptisch: “Das schmutzige kleine Geheimnis der japanischen Autoindustrie ist, dass sie wahrscheinlich nie wieder die Rekordgewinne der Vergangenheit erreichen, wenn der Yen nicht nachgibt”.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke