Autonomes Fahren, Automatisiertes Fahren, Bosch

Ein Autos das von alleine fährt. Noch sind die Autofahrer sehr skeptisch, wie eine aktuelle Studie zeigt. Bild: Bosch

Publiziert wurden die Ergebnissse der breit angelegten Studie jetzt im Handelsblatt. Untersucht hat die Strategie- und Innovationsberatung Arthur D. Little in der “Global Automotive Mobility Study” die drei Megatrends Autonomes Fahren, Elektromobilität und Car Sharing aus Sicht der Endkunden untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine Branche im Umbruch. So hält sich die Begeisterung für autonomes Fahren in Grenzen. Derzeit wäre nur etwa ein Drittel der Befragten bereit, ein autonomes Fahrzeug zu nutzen. Auch für die E-Mobility sind die Aussichten nicht rosig. Als Barriere identifizieren die Berater – wenig überraschend – den kritischen Mix aus hohem Preis, begrenzten Reichweiten und ungenügenden Lademöglichkeiten. Und auch die Mär, der Besitz eines eigenen Autos wäre für jüngere Kundengruppen nicht mehr attraktiv, wird durch die Studienergebnisse widerlegt: So ist es für die Mehrheit der Befragten auch in Zukunft wichtig, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Befragt wurden 6500 Endkunden aus zehn Kernmärkten der Autobranche.

Massive Sicherheitsbedenken

Den derzeit größten Trend der Branche, das autonome Fahren, betrachten die meisten Endkunden mit gemischten Gefühlen ? nur etwa ein Drittel würde ein autonomes Fahrzeug nutzen: In Deutschland gaben 45 Prozent der Studienteilnehmer, an kein autonomes Fahrzeug nutzen zu wollen, 33 Prozent waren unsicher und 22 Prozent hielten dies durchaus für vorstellbar. “Es wird für die Hersteller eine große kommunikative Herausforderung, diese zwei Drittel unentschiedener oder ablehnender Kunden vom autonomen Fahren zu überzeugen”, so Wolf-Dieter Hoppe, Associate Director der Automotive Practice bei Arthur D. Little. Als Hauptgrund für die Skepsis identifizierten die Berater vor allem massive Bedenken der Befragten hinsichtlich der Sicherheit ihrer privaten Daten (70 Prozent). Und auch die sonst in diesem Punkt weniger empfindlichen US-Bürger teilen die Datenschutzbedenken der Europäer. “Die Sicherheitsfrage beim vernetzten und autonomen Fahren wird von den Kunden derzeit noch falsch eingeschätzt. Während die Gefahr des Ausspionierens persönlicher Daten relativ gering ist, unterschätzen sie die IT-technisch wesentlich höhere Komplexität eines autonomen Automobils, das nicht vergleichbar ist mit der eines Smartphones”, so Klaus Schmitz, Partner und Leiter des Automotive-Geschäfts in Zentraleuropa bei Arthur D. Little.

Deutsche OEM genießen hohes Vertrauen

Das Team beleuchtete auch die Frage, wem die Endkunden letztlich zutrauen, ein verlässliches autonomes Fahrzeug zur Serienreife zu bringen. Während die Autobauer jeweils nur in ihren Stammmärkten hohes Verbrauchervertrauen in Bezug auf autonomes Fahren genießen, erzielten Google und Apple überraschend die höchsten Werte ? außer in Deutschland, wo lediglich 14 bzw. 10 Prozent der Befragten ihnen zutrauen, ein autonomes Fahrzeug auf den Markt zu bringen. Nach wie vor vertrauen die Deutschen in diesem Punkt auf die Expertise der heimischen Premiumhersteller. So würden 38 Prozent autonome Fahrzeuge von VW und Audi favorisieren, 37 Prozent die Modelle von Mercedes und BMW.

E-Mobilität kommt nicht in Fahrt

Globale Übereinstimmung hingegen herrschte beim Thema Elektromobilität. Die wesentlichen Hindernisse auf dem Weg zum Durchbruch sind nach wie vor die hohen Preise (64 Prozent), die begrenzte Reichweite (53 Prozent) und zu wenige Lademöglichkeiten (41 Prozent). Wie Klaus Schmitz weiß, zeigen die Ergebnisse insbesondere in Bezug auf den politisch gewünschten Ausbau der Elektromobilität, dass es eng wird: “Selbst wenn die Politik in Deutschland jetzt noch massiv gegensteuert, ist das Ziel von einer Million Elektrofahrzeuge in Deutschland bis zum Jahr 2020 nicht mehr erreichbar.” Im Januar 2015 waren erst circa 19.000 Elektrofahrzeuge zugelassen. Und selbst wenn alle Hindernisse beseitigt wären, würden sich nur 9,7 Prozent der Kunden ein Elektroauto kaufen ? 6 Prozent, wenn der Preis attraktiv genug wäre.

Eigenes Auto bleibt Nonplusultra

Die Studie zeigt auch, dass sich das Verständnis wie auch die Anforderungen an Mobilität derzeit nachhaltig verändern ? vor allem in den globalen Megacities, wo sich die anstehenden Probleme nicht mehr mit den klassischen Konzepten lösen lassen. Car-Sharing-Services und Fahrdienste werden daher vor allem in den städtischen Verdichtungsräumen eine wichtige Rolle spielen. Eine der Kernannahmen für diese Entwicklung lautete lange Zeit, dass die Rolle des Autos als Prestigeobjekt abnehmen und die Nutzung von Car-Sharing-Services damit zunehmen würde. Doch obschon der Car-Sharing-Markt nach den Prognosen der Experten in den nächsten Jahren weltweit um 40 Prozent pro Jahr wachsen dürfte, bleibt der Volumeneinfluss dieses Wachstums auf den Gesamtmarkt niedrig. Zwar dürfte der europäische Markt bis 2020 auf 4,5 Milliarden Euro steigen, was einem Plus von 169.000 Fahrzeugen entspricht. Der Großteil dieses Marktvolumens (56 Prozent) wird sich jedoch auf Deutschland, Frankreich und Großbritannien konzentrieren.

Trotz dieses Wachstums ist kein Ende des Fahrzeugbesitzes in Sicht, so Wolf-Dieter Hoppe: “Selbst wenn es aus Sicht der Kunden passendere Car-Sharing- und Mobility-Geschäftsmodelle gäbe, würde es nur für eine Minderheit in Frage kommen, komplett auf das eigene Fahrzeug zu verzichten. Car Sharing wird das private Fahrzeug nicht verdrängen ? es bleibt eher eine zusätzliche Mobilitätsoption.”Aus diesem Grund wird es für die Mehrheit auch in Zukunft weiter wichtig sein, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen ? vor allem in Deutschland. Dies belegen auch die Zahlen: So war es für 13 Prozent der befragten Deutschen im Vergleich zu heute weniger wichtig in zehn Jahren noch ein Auto zu besitzen, für 71 Prozent genauso wichtig und für 15 Prozent wichtiger.

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fv