Die Entwicklung der Li-Ionen-Batterien kommt weit schneller voran als gedacht. BMW überdenkt deshalb angeblich sein Brennstoffzellen-Projekt. Bild: BMW

Die Entwicklung der Li-Ionen-Batterien kommt weit schneller voran als gedacht. BMW überdenkt deshalb angeblich sein Brennstoffzellen-Projekt. Bild: BMW

Das britische Magazin Autocar zitiert BMW-Vertriebschef Ian Roberston dahingehend, dass BMW weiter an einem PHEV-Prototypen arbeite, in dem Gespräch äußert Roberston allerdings Zweifel, ob es das Auto je zur Serienreife schafft. Als einen der Gründe nennt er hierfür die Entwicklung bei den Li-Ionen-Batterien.

Es ist markant: Wurde Elektromobilität bis vor wenigen Monaten bei den meisten Autobauern behandelt wie eine böse Schwiegermutter, dreht seit Sommer die Stimmung. Praktisch alle Premium-Hersteller haben inzwischen mehr oder weniger offen rein elektrische Fahrzeuge angekündigt. Das hat zwar viel mit dem Tesla-Erfolg zu tun und damit, wie der E-Autopionier die Szene aufmischt, noch mehr aber mit den Fortschritten bei den Li-Ionen-Batterien. Dort kommen die Entwickler offenbar deutlich schneller voran als ursprünglich erwartet. Hatte es im vergangenen Jahr bei den Entwicklungsabteilungen von Bosch und Continental noch geheißen, dass man bis Anfang 2020 brauchen werde, um die Leistungsfähigkeit der Batteriepackages zu verdoppeln, ist man diesem Ziel inzwischen wohl sehr nahe.

Erst vor wenigen Tagen hatte Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn in einem TV-Interview gesagt, dass man bei der Batterietechnologie vor einem Durchbruch stünde und angekündigt, dass man bei der nächsten Generation des rein elektrischen Nissan Leaf die Reichweite auf über 400 Kilometer verdoppeln werde.

Offenbar handelt es sich dabei um kein “Nissan-Wunder”, sondern um eine Entwicklung auf breiter Basis. Marcus Fendt, Managing Director bei “The Mobility House” (TMH), ein führender Dienstleister im Bereich für das Energiemanagement von Elektroautos, bestätigt gegenüber der AUTOMOBIL PRODUKTION: “Li-Ionen-Speicher mit verdoppelter Energiedichte werden Ende nächsten Jahres an den Markt kommen.” Bedeutet: die bisherigen Reichweiten bei Kompaktautos außerhalb der Tesla-Liga klettern von 150 bis 200 Kilometern, die heute möglich sind, auf nahezu das Doppelte. Damit kommen die E-Autos in einen Bereich, in dem das Argument der fehlenden Reichweite, das den Markterfolg hemmt, an Bedeutung verliert.

Wichtiger Aspekt: die deutlich höhere Energiedichte erreiche man laut Fendt nicht über eine neue Technologie, sondern alleine durch ein Optimierung der Produktionsprozesse, die Verwendung besseren Materials und eine geschicktere Bündelung der Batteriezellen zu Batteriepackages.

Geht die Entwicklung im Batterieberich tatsächlich so rasch voran, wie es sich nun abzeichnet, könnte das für die Brennstoffzellen-Technologie tatsächlich den schnellen Tod bedeuten. Zwar hat die rein elektrische Mobilität dann immer noch das Problem der Ladezeiten, gegen PHEV-Fahrzeuge spricht aber der milliardenteure Entwicklungsaufwand und das komplette Fehlen einer Infrastruktur.

Vor diesem Hintergrund scheint BMW nun tatsächlich die Entwicklung eines Brennstoffzellen-Autos nochmal in eine Überdenkungs-Schleife zu schicken.

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Frank Volk