| von Frank Volk

AUTOMOBIL PRODUKTION: Hört sich an, als liefe bei der Modellentwicklung alles wie geplant…
Einfach gesagt: ja. Tatsächlich ist es mit viel Blut, Schweiß und Tränen verbunden, neue Modelle zu realisieren. Aber korrekt: es läuft auf der Modellseite.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Dennoch hat Aston Martin 2016 den Verlust auf 162 Millionen Pfund ausgeweitet, wie passt das ins Bild vom funktionierenden Turnaround-Plan?
Da rolle ich etwas mit den Augen. Das ist die große Zahl, die durch die Medien gegangen ist. Interessanter ist, was dahinter passiert. Fakt ist: 2016 haben wir ein EBIDTA-Ergebnis von 101 Millionen Pfund erzielt. So profitabel waren wir noch nie in der der Geschichte des Unternehmens. 1992 gab es ein Ergebnis auf einem vergleichbaren Level. Damals haben wir das mit 7.200 verkauften Autos erzielt, die 101 Millionen Pfund im vergangenen Jahr mit 3.700 Fahrzeugen. Was Produktionskosten und Erlös pro Auto anbelangt, sind wir effizienter als jemals zuvor. Auch beim operativen Gewinn haben wir ein mit 16 Millionen Pfund ein positives Ergebnis erzielt – das hat es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben.

Aston Martin Valkyrie
Zusammen mit Red Bull hat Aston Martin das Hypercar Valkyrie entwickelt. Mehr soll folgen. Bild: Aston Martin

AUTOMOBIL PRODUKTION: Woher rühren dann die Verluste?
Da gibt es zwei wesentliche Gründe: zum einen haben wir aus einem zehn Jahre zurück liegenden Vorgang 49 Millionen Pfund abgeschrieben, zum anderen haben wir aufgrund des schwachen Pfunds entsprechende Wertberichtigungen vorgenommen. Durch die Abschreibung und die Wertberichtigung haben wir in einer Einmalaktion eine große Last von unseren Schultern genommen, was uns noch mehr Luft für die kommenden Jahre schafft.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Inwieweit macht ihnen der Brexit einen Strich durch die Rechnung. Hätten Sie sich auch für Wales als Standort des DBX entschieden, wenn sie den Ausgang des Votums gewusst hätten?
Hm, ich möchte das mal so beantworten: die Alternative dazu wäre ein Standort in Osteuropa oder Alabama gewesen. Hätten wir uns für Alabama entschieden, würden sie mich jetzt fragen, ob wir anders entschieden hätten im Wissen, dass Donald Trump Präsident wird. Also das ist schon schwierig mit der politischen Landschaft. Wenn man auf das aktuelle Geschäft blickt, muss ich sagen: bislang ist der Brexit gut für unser Geschäft. Das britische Pfund ist schwach, dadurch werden unsere Exporte günstiger und wir exportieren 80 Prozent unserer Fahrzeuge. Ich bin glücklich über das Geschäft jetzt. Aber so kurzfristig kann man das nicht sehen. Ganz schlecht für Europa, Großbritannien und für uns wäre die Einführung von Zöllen. Ich hoffe darauf, dass es genügend Politiker gibt, die das erkennen. Die jetzige Unsicherheit in der Politik ist nicht hilfreich, schon gar nicht für ein in der Restrukturierung steckende Unternehmen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bei dieser Restrukturierung liegt der Fokus modellseitig bei Aston Martin, recht still ist es um die zweite Marke im Portfolio, Lagonda. Was tut sich da?
Die Marke gehört uns und unser Plan ist, Lagonda zum Ende der Restrukturierungsphase 2021/22 neu einzuführen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das heißt: Stabilisierung und Wachstum von Aston Martin mit der Kernmarke, wenn das läuft, kommt Lagonda hinzu?
Genau, quasi als Kirsche oben auf dem Kuchen. 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie läuft es in der Partnerschaft mit Daimler. Gibt es Änderungen in der Beziehung?
Oh, sehr gut. Wir beziehen von AMG die Motoren und die Elektronik-Architektur. Beides ist für uns sehr wichtig. Eine Ausweitung ist aber nicht geplant. Würden wir noch mehr Teile von Daimler beziehen, könnte das das markante Profil von Aston Martin aufweichen.

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