Eric Maiser, VDMA.

Dr. Eric Maiser, Leiter VDMA Industriekreis Batterieproduktion: "Batteriehersteller brauchen einen hohen Automatisierungsgrad." Bild: VDMA

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was genau macht der Industriekreis Batterieproduktion unter dem Dach des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau?
Wir haben über 100 Firmen aus fünfzehn VDMA-Fachzweigen zusammengebracht, die entweder schon im Batteriegeschäft Fuß gefasst haben oder aus verwandten Bereichen wie Elektronik und Photovoltaik wertvolle Erfahrungen für die Batterieproduktion einbringen können. Dieses Know-how bündeln und bewerten wir. Wir erarbeiten gemeinsame Positionen, die Firmen alleine nicht bewältigen können – Technologien, Markt, Kunden-events, Messen, Standards bis hin zur Sichtbarkeit für die gesamte Branche des Batterie-Maschinenbaus. Eine der ersten Aktivitäten war es, eine Kompetenzmatrix aufzubauen und einen Branchenfilm zu drehen. Außerdem haben wir mit Firmen auf Messen komplette Demo-Linien aufgebaut, anhand derer wir mit sehr großem öffentlichen und fachlichen Zuspruch die gesamte Prozesskette vorgeführt haben. Anwender, Forschung und Themen zur Batteriefunktion haben wir zusätzlich unter dem Dach des VDMA-Forums Elektromobilität vernetzt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie war es möglich, das Thema so schnell im VDMA zu etablieren?
Wir haben es in der Tat geschafft, in kürzester Zeit eine große Palette von Services für die Mitglieder aufzubauen. Das ist dem großen Engagement unseres Lenkungskreises, dem Hunger der Mitglieder nach Lösungen aber auch der engen Zusammenarbeit mit den Kollegen im VDMA zu verdanken. Wir waren hier impulsgebend für den Batterie-Maschinen- und Anlagenbau.

Zur Person
Dr. Eric Maiser (47) leitet seit 2011 den VDMA Industriekreis Batterieproduktion und ist seit 2002 Managing Director des VDMA Fachverbandes Productronic (Elektronikproduktion). Im VDMA hatte er mehrere weitere verantwortliche Positionen inne, insbesondere im Bereich Flachdisplays und Photovoltaik. Nach seiner Forschertätigkeit in Karlsruhe und Maryland, USA, arbeitete der promovierte Physiker in der Mikrotechnik im Bereich EU-Forschungsprogramme und Technologietransfer, bevor er 2000 zum VDMA wechselte.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Deutschland tritt in Sachen Batterieproduktion an gegen mächtige Konkurrenz in Asien. Wie stehen die Chancen für einen Markteinstieg?
Wenn es um großformatige Hochleistungsbatterien für die Elektromobilität und die Energiewende geht, dann wird es für uns interessant. Denn hier ist es nicht einfach, qualitativ hochwertige, langlebige Produkte in Großserie zu bauen. Die Homogenität von Material und Beschichtungen, Messtechnik und Automatisierungstechnik sind entscheidend – Technologien, die deutsche Anlagenbauer bereits für Verpackungsindustrie, Automobilbau oder Elektronik entwickelt haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der Premiumhersteller Audi wird demnächst Batterien für seine Plug-in-Hybridfahrzeuge aus Südkorea bekommen. So hat der Batteriehersteller LG Chem mit der VW-Tochter nach eigenen Angaben einen Liefervertrag abgeschlossen. Wie können deutsche Firmen auch mit Blick auf die deutlich niedrigeren Lohnkosten in Asien kontern?
Der Markt für Elektroautos steht ja noch ganz am Anfang, dementsprechend nutzen die OEMs noch nicht wie sonst üblich mehrere Bezugsquellen für Komponenten. Das wird sich aber ändern. Automobiltaugliche Batteriezellen müssen mit hoher Präzision und geringen Streuraten hergestellt werden, ein Modul ist nur so gut wie seine schwächste Zelle. Das schaffen die Batteriehersteller nur mit einem hohen Automatisierungsgrad, Lohnkosten werden für große Fabriken standortunabhängig eine untergeordnete Rolle spielen. Die lokale Produktion ist mittelfristig allein aus Volumen- und Sicherheitsaspekten geboten. Auch wenn wir die Zellfertigung in Deutschland für sehr wichtig halten, unsere Branche kann durch Projekte in Asien lernen und die Produktionstechnik hier weiterentwickeln.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wie unterstützen Sie den Einstieg in den Batterie-Maschinenbau?
Unsere Botschaft lautet: Die Realisierung der Großserienfertigung von Hochleistungsbatterien in heutiger Lithium-Ionen-Technologie ist wichtig. Wir baten die Batteriehersteller dazu um Ihre Anforderungen und Maschinen- und Anlagenbauer um Lösungsvorschläge. Dabei entstand eine VDMA-Roadmap namens „Batterie-Maschinenbau 2030“, die wir auf der Branchenmesse „Battery + Storage“ in der zweiten Oktoberwoche in Stuttgart vorstellen werden.

Hintergrund
Batterieproduktionen sind geplant oder existieren bereits im VW-Werk in Braunschweig, beim BMZ Batterien-Montage-Zentrum in Karlstein (Montagekonzept von Bosch-Rexroth), bei der EM-motive in Hildesheim (Joint-Venture Daimler/Bosch) und in Kamenz (Daimler-Töchter Deutsche ACCUmotive, li-tec) sowie bei Evonik Litarion. Die Batterieproduktion „made in Germany“ treiben auch folgende Firmen voran, die direkt oder indirekt im VDMA und seinem Netzwerk rund um die Batterie aktiv sind:
  • Kroenert, Hamburg entwickelt Verfahren und Anlagen zur Beschichtung von Batterie-Elektroden sowie Separatormembranen inklusive spezieller Düsentechnologie.

Reis, Obernburg baut aktuell eine komplette, schlüsselfertige Batterie-Montagelinie für einen Automobilkunden inklusive Automatisierung, Verkettung und Prozessdatenerfassung auf.

Siemens, Erlangen: Vom Geschäftsbereich Industrie stammen Automatisierungskomponenten wie Motoren, Frequenzumrichter und Steuerelektronik. Die Antriebstechnik sorgt in den Elektroden-Beschichtungsanlagen für eine sehr präzise und gleichmäßige Bewegung der Substratfolien. Volkswagen Varta Microbattery, Ellwangen engagiert sich seit 2009 im Thema Elektromobilität und hat eine Pilotlinie für automotive Zellformate mit einer Kapazität von rund 200 Zellen pro Woche aufgebaut.

Das Interview führte Nikolaus Fecht