Rolf Frech

Rolf Frech: "Der erste Bentley-Hybrid wird 2017 kommen und im SUV eingesetzt sein." Bild: Bentley

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Frech, der neue Bentley-SUV wird ein Wendepunkt für Bentley sein, oder?
Der neue SUV bedeutet eine logische und konsequente Weiterentwicklung von Bentley. Der Luxusmarkt ist nicht statisch. Die Bedürfnisse der Kunden ändern sich. SUVs sind in allen Fahrzeugklassen sehr begehrt. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit unserem SUV die Kunden im Luxussegment begeistern werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und ist der SUV Hauptbestandteil ihrer Wachstumsstrategie?
Wir arbeiten ständig daran, unser Angebot zu differenzieren und attraktiv für neue Kundengruppen oder auch für bestehende Kunden zu machen. Vor zwei Jahren haben wir den Continental GT V8 vorgestellt. Seit kurzem bieten wir den Continental GT V8S an, eine geschärfte Variante für V8-Kunden, die mehr wollen. Die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Kunden lieben diese neuen Angebote. Jetzt werden wir auch den Flying Spur mit einer V8-Motorisierung anbieten. Und natürlich wird der SUV auch Wachstum für uns bringen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das hört sich sehr nach einer Kampfansage für Range Rover an?
Mit dem Bentley-SUV schaffen wir ein neues Segment. Er wird der erste wirkliche Luxus-SUV sein. Ein echter Bentley eben. Dieses Fahrzeug wird da positioniert, wo die Spitzenmodelle im heutigen SUV-Segment aufhören.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Fahren Sie dann auch BMW und Daimler in die Absatz-Parade?
Das wird sich zeigen. Allerdings wird unser SUV in einem höheren Preissegment liegen. Es wird spannend sein, wie weit sich durch unser Angebot die Bentley-Kundschaft verändern wird. Ich erwarte, dass völlig neue Kunden zu uns stoßen werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stimmt es, dass Sie mit einem Absatz von etwa 3000 Einheiten rechnen?
Das Interesse an einem Bentley-SUV ist groß, insbesondere in den USA, Europa, Russland und im Nahen Osten. Wir haben bereits 2000 Vororders. 3000 ist die Planzahl mit der wir in das Projekt gegangen sind. Ich wäre nicht überrascht, wenn wir mehr als 3000 im Jahr schaffen würden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo genau stehen Sie gerade mit der Entwicklung von dem SUV?
Wir sind in der Prototypen-Phase.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der Design-Freeze war also schon?
Genau.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Man sieht derzeit rund um Ihr Headquarter in Crewe ziemlich viele Audi Q7 mit Testequipment herumfahren…
Wir nutzen diese Fahrzeuge als Aggregate-Träger.

Handarbeit an einer Bentley-Karosserie. Bild: Bentley

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was testen Sie da gerade?
Wir stimmen aktuell wichtige Funktionen ab z.B. die Fahrwerksabstimmung oder die Antriebsabstimmung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihr Bentley-SUV steht ja auf der neuen Plattform für Audi Q7, Porsche Cayenne und VW Tuareg. Vergrößern Sie diese?
Eine Plattform beschreibt nur die Architektur des Fahrzeugs. Und in dieser sind Elemente vorgegeben ? die Achsen, die Anordnung der Längsträger, der Querträger, des Motor- und Getriebestrangs. Aber dadurch, dass es wirklich eine Architektur ist, kann man nicht sagen: Die wird jetzt vergrößert oder verkleinert. Aber wir können die Plattform über definierte Umfänge genau an die Bedürfnisse von Bentley anpassen. Der SUV wird ein unverwechselbarer Bentley sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Vorteile bietet Ihnen die neue Plattform? Headup-Display und Lane Departure Warning, etc?
Genau diese Möglichkeiten erhält Bentley durch die Einbindung in die Konzern-Plattform-Strategie. Beginnend mit dem SUV, sicher irgendwann auch in den anderen Baureihen. Das ist eben der große Vorteil der Modul-Strategie.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bedeutet der neue Baukasten auch eine neue technische Ära für Bentley?
Auf jedem Fall. Für uns war es eine großartige Entscheidung, dass dieses Fahrzeug bei uns in Crewe gebaut wird.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist die Entscheidung noch offen, ob Sie einen Diesel oder einen Hybrid anbieten?
Der erste Bentley-Hybrid wird 2017 kommen und im SUV eingesetzt sein. Zu einem Diesel gibt es keine Entscheidung. Wir denken stets über neue Aggregate nach, die zu Bentley passen könnten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann entscheiden Sie über wie viel Motorisierungen?
Im Prinzip entscheiden wir bei der Konzeptfestlegung nicht über die Motoren, sondern über den mögliche Bauraum, den wir vorhalten müssen. Muss ein Achtzylinder rein? Muss ein Zwölfzylinder rein? Muss ein Hybrid rein? Muss ein Diesel rein? Was gibt es sonst noch für Alternativen?

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wäre ein Diesel nicht eine gute Idee?
Wir prüfen einen Diesel derzeit sehr ernsthaft. Ich muss Sie noch um Geduld bitten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und der Hybrid wird ein System sein, das der Konzern schon verwendet?
Das wird ein gemeinsames System sein. Im Vorfeld definieren wir die jeweiligen Anforderungen der Marken. Aus dieser Vielfalt entsteht dann idealerweise ein modulares Konzept. Ist die Arbeit getan, entscheidet man: Wer übernimmt die Entwicklungs-Führung? Dann werden die Arbeitsumfänge der einzelnen Marken definiert.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Features will heute ein Bentley-Kunde?
Luxus und Performance sind die zentralen Attribute, die unsere Kunden von einem Bentley erwarten. Dazu zählen natürlich auch Qualität und Individualität.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Gehört ein Head-up-Display auch dazu?
Das wird auf jeden Fall entwickelt und verfügbar sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie planen den Absatz von 3 000 SUV-Einheiten. Würden Sie produktionsmäßig auch mehr schaffen?
Wir verfügen in Crewe über eine flexible Produktion, die uns Möglichkeiten gibt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Könnten Sie sich noch eine weitere Modellreihe – neben den dann vier – vorstellen?
Wir haben uns keine Denkverbote auferlegt. Bentley wird immer für neue Entwicklungen offen sein. Das entspricht dem dynamischen Charakter unserer Marke.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bei Porsche ist die oberste Volumengrenze ein großer Streitpunkt. Gibt es bei Ihnen auch jemanden, der sagt: Bei 15 000 Einheiten müssen wir stoppen, weil sonst die Marke verwässert wird?
Es geht hier nicht um Volumenobergrenzen. Die Zahl der Wohlhabenden ist in den vergangenen Jahren weltweit stark gestiegen und sie wird weiter steigen, wenn man den Prognosen glauben schenken darf. Ich würde mir deshalb eher Sorgen machen, wenn wir nicht oder nur schwach wachsen würden. Klar ist aber auch: Ein Bentley wird immer exklusiv sein.

Das Interview führte Bettina Mayer