Peter Schwarzenbauer, BMW

Vorstand Peter Schwarzenbauer ist unter anderem zuständig für BMWs Ideen-Brutkasten i Ventures. Bild: BMW

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Schwarzenbauer, warum engagiert sich ein Autohersteller als Inkubator? Gehen BMW die Ideen aus?
Mit unserer Initiative zur Zusammenarbeit mit Start-Up-Firmen bringen wir das Beste aus zwei Welten zusammen: Die strategische und globale Planungsstärke des Großkonzerns und die Kultur der permanenten Innovation, der Kreativität und Risikobereitschaft, die Start-Ups auszeichnet.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie finden Sie denn Ihre künftigen Partner?
Die Vernetzung mit kleinen, smarten Innovatoren ist schon seit längerem Teil unserer Unternehmensstrategie. Die Formen, in denen wir in Innovationsnetzwerken agieren, haben wir allerdings in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. Heute basiert unsere Netzwerkstrategie auf mehreren Säulen. Eine davon: Wir betreiben Tech-Offices im Silicon Valley, in Shanghai und in Tokio. Hauptaufgabe dieser Ideenschmieden ist, die für BMW relevanten neuesten Technologien und Trends frühzeitig zu erkennen und so schnell wie möglich ins Fahrzeug zu bringen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Verraten Sie uns die aktuellen Schwerpunkte dieser Forschung?
Derzeit forschen die Teams an fünf Themenschwerpunkten: Trendscouting und Technologiepartnerschaften, nachhaltige Mobilität, vernetztes Fahrzeug, Fahrerassistenzsysteme und User Experience.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche anderen Quellen zapfen Sie an?
Ein weiterer Bereich unserer Netzwerkstrategie hat seinen Kern an unserem Hauptstandort – in München. Hier kooperieren wir mit der Technischen Universität. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht „UnternehmerTUM“, das Zentrum für Innovation und Gründung der TU. Dieses fördert innovative Unternehmensgründungen aus dem intellektuellen Umfeld der Universität heraus. Wir unterstützen UnternehmerTUM jetzt beim Ausbau eines Entrepreneurship-Zentrums auf dem Forschungscampus in München-Garching.
Eine wichtige Funktion hat dabei das kalifornische Startup „TechShop“. TechShop stellt Innovatoren Räume und Facilities zur Verfügung, in denen diese ihre Ideen verwirklichen können. Diesen Ansatz bringen wir jetzt mit UnternehmerTUM nach Deutschland. In Garching entsteht die erste von TechShop verantwortete Werkstatt in Deutschland.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber Sie haben doch auch noch den Bereich BMW i Ventures. Wie passt denn diese Division in das Konzept?
Hinter dem New Yorker Ideen-Inkubator „BMW i Ventures“ verbirgt sich ein Venture-Capital-Unternehmen, durch das wir in vielversprechende Unternehmen aus dem Mobilitätsbereich investieren. Gerade im Bereich der urbanen Mobilität existieren momentan zahlreiche hoch spannende Ansätze, Menschen eine schnellere und komfortablere Mobilität zu ermöglichen. Nach diesen Ansätzen suchen wir. Die Kooperationen, die wir dabei eingehen, kombinieren die Ressourcen der BMW Group mit dem Tempo und der Flexibilität erfolgreicher Start-Ups.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Klingt beeindruckend, aber das sind alles nur Themen rund um die Mobilität. Also bewegen Sie sich im Kerngeschäft.
Darüber hinaus gibt es hier im Haus mit „Impact Ventures“ eine weitere Initiative, die sich auf Hardware konzentriert und den Menschen und seine Umwelt im urbanen Raum in den Mittelpunkt stellt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Warum unterstützen Sie als Unternehmen überhaupt Start-Ups oder Ideen?
Wir denken die Projekte nicht isoliert voneinander, sondern vernetzen ganz verschiedene Investitionen und Ideen unseres Hauses mit denen von Start-Ups. Diesem integrierten Denken gehört, davon bin ich überzeugt, die Zukunft – nicht nur der Automobilindustrie

AUTOMOBIL PRODUKTION: Nennen Sie uns bitte ein Beispiel.
„Park-at-my-House“ – Ausgangspunkt ist der Befund, dass viele Parkplätze von Privatpersonen, aber gerade auch von Firmen, beispielsweise am Wochenende nicht genutzt werden. Auf der anderen Seite verbringen Autofahrer viel Zeit mit der Parkplatzsuche. Hier bringt Park-at-my-House als virtueller Marktplatz Angebot und Nachfrage zusammen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie eines Ihrer getätigten Investments schon einmal bereut?
Es geht uns nicht um Quick Wins. Unser Ziel ist, strategische und langfristige Partnerschaften einzugehen. Mehr als 700 Unternehmen haben wir inzwischen dahingehend analysiert. Erste direkte Beteiligungen sind realisiert. Aber wir sind nur an Minderheitsbeteiligungen zwischen fünf und 20 Prozent interessiert.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Gibt es für ein mögliches Investment eine Budget-Obergrenze?
Wir entscheiden von Fall zu Fall.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Helfen Sie nur mit Kapitalspritzen oder engagieren Sie sich auch mit eigener Unternehmenskompetenz wie Logistik?
Es geht uns bei i Ventures um langfristige strategische Partnerschaften, die innerhalb unserer vernetzten Servicelandschaft Sinn machen. Innerhalb der Initiative UnternehmerTUM, die ich bereits skizziert habe, engagieren wir uns darüber hinaus auch mit unserem technischen und unternehmerischen Know-How, wie beim Aufbau des ersten Tech Shop in Deutschland.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wenn die Idee ein rentables Geschäftsmodell verspricht, warum kaufen Sie dann nicht gleich den ganzen Laden?
Wie gesagt: Es geht uns nicht um Quick Wins, sondern um langfristige strategische Partnerschaften, wo jeder der Partner sich mit seiner Expertise einbringt.

Das Interview führte Christiane Habrich-Böcker

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