Andreas Wolf, Continental

Andreas Wolf, Continental: "In der Lichterzeugung, Ansteuerung und Vernetzung liegt der große Wurf." (Bild: Continental).

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Wolf, wie kommt es, dass sich Continental beim Thema Lichtsteuerungen engagiert?
Vor etwa sieben Jahren, als Continental nach Teilen von Motorola auch Siemens VDO gekauft hat, ist das Licht etwas mehr in den Fokus der Branche gerückt, beispielsweise mit Tagfahrlicht. Und wir haben uns gefragt: Warum machen wir nicht mehr aus unserer Expertise? Denn eigentlich befassen wir uns schon lange mit Licht. Ein Bodycontroller ist typischerweise für das An- und Ausschalten des Lichtes verantwortlich. Auch bei Innenraumlicht und der LED-Beleuchtung in der Instrumentierung waren wir schon damals bereits seit Jahren Vorreiter. Ein Beispiel sind hier die LED-basierten Head-up-Displays.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Weshalb ist Licht ein so interessanter Bereich für Continental?
Ich sehe drei Gründe. Da ist zunächst einmal der Komfort. Jeder würde am liebsten ständig mit Fernlicht fahren. Das geht allerdings nicht, wenn ich es nur ein- und ausschalten kann. Dann ist da der Sicherheitsaspekt. Je besser die Ausleuchtung, desto sicherer kann ich das Fahrzeug bewegen. Der dritte Punkt – und deshalb stressen wir das Thema LED auch ein bisschen – ist weniger Energieaufwand. Was ich noch interessant finde, ist, dass das Licht nicht mehr entkoppelt betrieben wird. Es wird mit anderen Funktionen vernetzt.

Zur Person
Andreas Wolf studierte Betriebswirtschaftslehre und begann seine berufliche Laufbahn 1989 bei der Siemens AG, wo er unter anderem ab 1996 die Logistik des Elektronikwerks der Automobiltechnik in Regensburg leitete. Später wurde er CFO der Geschäftsbereiche Diesel Systems (ab 2000) und Interior & Infotainment (2004) bei Siemens VDO. Seit 2007 ist Wolf Leiter des Geschäftsbereichs Body & Security bei der Division Interior von Continental.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo sehen Sie dabei die technischen Schwerpunkte?
Wir wollen vorhandene Informationen mit dem Licht koppeln. Das Stichwort dazu ist „eHorizon.“ Wenn das System weiß, dass eine Kurve kommt, kann der Scheinwerfer sie schon ausleuchten, bevor der Fahrer am Lenkrad dreht. Oder wir senken das Lichtbündel an Kuppen ab und heben es in Senken an. Das geht, wenn ich die entsprechenden Geodaten im Auto habe. Blendfreies Fernlicht ist ein weiterer Schwerpunkt, mit dem wir beim Komfort den Zielzustand erreicht haben: ohne zu blenden immer mit Fernlicht fahren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ab wo und bis zu welcher Stelle innerhalb eines Lichtsystems will Continental tätig sein? Werden Sie eines Tages dann auch komplette Scheinwerfer produzieren?
Die Fähigkeiten von Continental liegen insbesondere auf der Elektronikseite. Vernetzung und Systemintegration gehören zu unserer DNA. Ich gehe davon aus, dass wir in der näheren Zukunft nicht in den Scheinwerfer selbst einsteigen werden. In der Lichterzeugung, Ansteuerung und Vernetzung liegt für uns der große Wurf. Wir wollen Funktionen bereitstellen.

LED-Lichtsteuerung, Continental

Aus der Perspektive von Continental öffnen sich zunehmend auch China und die USA als Märkte dem Thema LED-Lichtsteuerung. Bild: Continental

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichwort Single Sourcing – würden die OEMs denn auch Scheinwerfer aus Ihrem Haus beziehen?
Die sehen durchaus, dass sich Kundenwünsche mit einem Spezialisten für Scheinwerfer gut erfüllen lassen. Der Vorteil von Continental wird in der Fähigkeit zur Vernetzung gesehen. Das folgt auch einem Branchentrend, große Systeme aufzulösen und die einzelnen Teile von Spezialisten liefern zu lassen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Befassen Sie sich außer mit LED auch mit anderen Lichttechniken?
Im Bereich der Hauptscheinwerfer fokussieren wir uns auf LED. In der Instrumentierung arbeiten wir daran, auch OLEDs ins Fahrzeug zu integrieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Mit welchen anderen Unternehmen der Lichttechnik arbeiten Sie diesbezüglich zusammen?
Es sind eigentlich alle bedeutenden Hersteller: In Europa beispielsweise Automotive Lighting, Hella, Valeo, ZKW. Wir haben auch gute Kontakte zu den namhaften Leuchtmittelherstellern.

AUTOMOBIL PRODUKTION: In welche Richtung gehen Sie? Mehr in den Bereich High-End-Licht für die Oberklasse oder in den Bereich günstiger LED-Scheinwerfer für die Masse?
Wir haben jetzt eine Reihe von Aufträgen, die nicht mehr nur für die Oberklasse sind. LED-Lichtsteuerung ist übrigens nicht nur ein Thema für Europa, sondern eigentlich ein globales. Wir sehen es ganz stark auch in Asien und den USA und haben die entsprechenden Aufträge schon im Haus. LED-Scheinwerfer werden ihren Weg machen.

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Das Interview führte Fritz Lorek