Rieters Automotive-Chef Wolfgang Drees

"Die Märkte in Asien sind ein wichtiges Kapitel in unserer Unternehmensstrategie", sagt Rieters Automotive-Chef Wolfgang Drees. - Bild: Rieter

Rieter-Automotive-CEO Wolfgang Drees über die Perspektiven des Schweizer Lieferanten im Jahr 2011 – im Rahmen der Trend-Umfrage von AUTOMOBIL PRODUKTION.

 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Drees, Post-Automotive- und Post-Finanzkrise 2008/2009, wahrscheinlich die schwerste Zeit seit 1929 und dem Zweiten Weltkrieg, mit Blick in Ihre Auftragsbücher, wie positiv ging 2010 für Rieter Automotive zu Ende?
2010 war für uns ein wichtiges Jahr, in dem wir nach der Krise die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft haben. Die konsequente Umsetzung unserer Kosteneinsparungsprogramme, einschliesslich der Schliessung von acht Werken weltweit, war hierbei entscheidend. Natürlich konnten wir auch von der Erholung der Märkte weltweit profitieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Verkaufszahlen 2010 zeigen einen hohen Anstieg in den asiatischen Märkten. Wie sieht die Strategie in den aufstrebenden Märkten bei Rieter Automotive aus?
Die Märkte in Asien sind ein wichtiges Kapitel in unserer Unternehmensstrategie. Wir haben den Fokus auf die Wachstumsregionen in China und Indien gelegt, um uns nicht zu „verzetteln“, sondern unsere Anstrengungen zu bündeln. Beim Ausbau unserer globalen Präsenz haben wir von vier neuen Werken im Zeitraum von 2009 bis 2010 drei in Asien errichtet. Hier bauen wir unsere starke Position bei europäischen, japanischen und amerikanischen OEMs in China weiter aus. Daneben wollen wir die Geschäftsbeziehungen zu regionalen OEMs in Indien und China stärken. Ein wichtiger Meilenstein für die Erschliessung der Kunden vor Ort war die Fertigstellung unseres Entwicklungszentrums in Shanghai in 2009. Hier können wir unseren Kunden nun auch lokal unsere Akustik- und Wärmemanagement-Kompetenz anbieten – besonders für unsere lokalen Kunden ein wichtiges Argument.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was heisst das für den Produktionsstandort Europa? Ist der boomende Markt in Asien nicht eine direkte Konkurrenz zu Europa?
Für die Rieter-Produkte, wie beispielsweise Boden-Systeme oder Stirnwand-Verkleidungen, ergibt sich keine Konkurrenzsituation zwischen Europa und Asien, da aufgrund der hohen Logistikkosten für diese Teile ein Import, z. B. von China nach Europa unattraktiv ist. Viel mehr profitiert auch das Geschäft in Europa und Amerika von unseren Produktionsstätten in Asien, wenn es um die Vergabe von globalen Projekten geht.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehen Sie Rieter Automotive im dynamischen und global ausgerichteten Marktumfeld?
Wir sehen den klaren Trend unserer Kunden, auf globale Plattformen zu setzen und diese auch immer konsequenter umzusetzen. Sie verlangen die Verfügbarkeit von ein und derselben Technologie in allen Weltregionen. Mit dem Ausbau unserer globalen Präsenz sind wir hierfür gut aufgestellt und haben Vorteile gegenüber lokalen Anbietern. Mit unseren Standorten in West- und Ost-Europa, Werken in Nord- und Südamerika, in Südafrika, sowie dem erweiterten Produktionsnetzwerk in Asien, insgesamt nun 7 Produktionswerke, können wir unsere Kunden weltweit bedienen. Intern können wir mit einem globalen Kundenmanagement-System schnell und effizient auf die Anforderungen der Kunden reagieren.

Rieter Automotive

Thermische Motorraum-Untersuchungen mit einer Infrarotkamera bei Rieter Automotive Systems in Winterthur. - Bild: Rieter

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Trends im Automobilbau werden das Produktportfolio von Rieter Automotive verändern?
Für Rieter Automotive stehen drei Technologietrends im Fokus: 1. neue Antriebskonzepte, 2. CO2-Reduktion und 3. Verminderung des Aussenlärms.

Mit unseren Kernkompetenzen in Akustik- und Wärmemanagement können wir diese Technologietrends optimal adressieren. Unsere Produktpalette und unsere Innovationen bieten Problemlösungen für unsere Kunden in allen drei Gebieten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was heißt das hinsichtlich der neuen Antriebskonzepte?
Im Bereich neuer Antriebskonzepte zeichnet sich der Trend in Richtung kleinerer Motoren ab. Damit steigen auch die Anforderungen an die Akustik. Kleinere und effizientere Verbrennungsmotoren, im Fachjargon „Downsizing“, werden bei kleinerer Masse und Verfahren, wie z.B. der Benzin-Direkteinspritzung tendenziell lauter. Hier wird zusätzliche akustische Behandlung notwendig, die mit Rieters „lightweight“-Produkten umgesetzt werden kann.

Bei alternativen Antrieben geht es insbesondere um Hybrid- Fahrzeuge. Rieter Automotive kooperiert bei diesen innovativen Fahrzeugtypen intensiv mit den OEMs, um die erhöhten Akustik- und Wärmemanagement-Anforderungen für den Kunden optimal umzusetzen. Auch hier stellt Rieter Automotive seine Innovationskraft unter Beweis. So können wir beispielsweise, mit unseren im Hause entwickelten Simulationsmethoden, unsere Kompetenzen optimal einbringen.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Und hinsichtlich CO2-Reduktion?
Generell sind unsere Produkte massgeblich auf die Reduktion des CO2-Ausstosses ausgelegt, da unsere Stärke „lightweight“-Produkte sind: Durch leichtgewichtige Produkte sparen die OEMs an Gewicht, dies wiederum schlägt in der Reduktion des CO2-Ausstosses zu Buche. Die OEMs können damit leichter ihre CO2-Einsparziele erreichen und zahlen schliesslich weniger Bussgelder für ihre Fahrzeugflotten. Alle unsere Innovationenwie Rieter Ultra Silent, Hybrid Acoustics, die Hitzeschild-Innovation Triform und unsere neue Generation Teppichsysteme sind auf Leichtgewicht getrimmt – ohne dabei die Akustik- und Wärmemanagement-Leistung zu vernachlässigen. Weil die Reduktion des CO2-Ausstosses nicht nur durch Gewichtsreduzierung erfolgt, punkten wir auch mit unseren aerodynamischen Unterbodenverkleidungen und der verbrauchsreduzierenden Motorkapselungen, wie mit dem Rie-Bay-Konzept.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was meinen Sie mit Regulierung des Aussenlärms?
In den letzten 30 Jahren wurden die Fahrzeuge zwar leiser, die Anzahl der Fahrzeuge hat jedoch zugenommen, und deshalb wird auch eine Verschärfung der gesetzlichen Grenzwerte für Aussenlärm in der EU erwartet. In diesem Gebiet können wir uns insbesondere mit unserer Kompetenz im Motorraum positionieren. Innovative Konzepte zur fahrzeug- oder motormontierten Kapselung des Verbrennungsmotors adressieren hierbei sowohl die Reduktion von Lärm als auch die von CO2.

Beim Ausbau der globalen Präsenz haben die Schweizer von vier neuen Werken im Zeitraum von 2009 bis 2010 drei in Asien errichtet: hier das Rieter-Werk in Sevelen. - Bild: Rieter

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was erwarten Sie für 2011 – welchen Einfluss wird die Entwicklung der Weltmärkte auf das Geschäft von Rieter Automotive haben?
Zurzeit erwarten wir eine weitere Erholung der traditionellen Märkte, in Europa und Nord-Amerika – allerdings erwarten wir auf Basis der heute zur Verfügung stehenden Informationen, dass das Niveau vor der Krise erst etwa 2013 wieder erreicht werden kann.

Der insgesamt positive Trend wird sich in unseren Verkaufsplanungen widerspiegeln. In Europa werden wir in etwa mit dem Markt wachsen. In den USA gehen wir davon aus, unseren Marktanteil sogar ausbauen zu können, basierend auf unserem breiten Kundenspektrum mit amerikanischen, japanischen und europäischen OEMs. In Südamerika planen wir, uns mit dem bestehenden Produktionsnetzwerk mit dem Markt entwickeln. Unsere definierten Wachstumsfelder sind die Märkte in Indien und China. Mit dem Hochfahren der Produktion in unseren neuen Werken in Shenyang, Taicang (beide in China) und Chennai (Indien) werden wir alles daran setzen und sind wir hervorragend aufgestellt, um stärker als der Markt zu wachsen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche sind die konkreten Herausforderungen für das Geschäft von Rieter Automotive in 2011?
Das positive Klima auf den Weltmärkten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass im 2011 der Preisdruck seitens unserer Kunden erheblich zunehmen wird. Um dies für Rieter Automotive EBIT-neutral umzusetzen, müssen wir den Fokus weiterhin auf unsere internen Verbesserungsprogramme legen und unseren Kunden attraktive Value-Engineering-Optionen anbieten, die sowohl für den Kunden als auch für Rieter Automotive einen Mehrwert bringen. Hier können wir unsere umfassende Kompetenz bezüglich des Einsatzes von eigens entwickelten Simulationsverfahren einbringen und unsere Innovationen anbieten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehen Sie den Einfluss des Wachstums bei hohem Preisdruck auf den Unternehmenserfolg von Rieter Automotive?
Während der Krise haben wir unseren Break Even Point in allen Regionen signifikant reduziert. Davon profitieren die Unternehmensergebnisse nun bei anziehenden Märkten. Ganz klar im Fokus steht dabei das Erreichen unserer definierten Profitabilitätsziele.

Die Fragen der AUTOMOBIL PRODUKTION stellte Andreas Gottwald