Das Stellantis Logo auf einem Schild.

Stellantis entstand aus der Fusion von Groupe PSA und Fiat Chrysler Automobiles (FCA). Bild: Stellantis

Die E-Strategie von Stellantis nimmt immer mehr Gestalt an: Zunächst hatte der Volumenhersteller seine Pläne Im Rahmen des EV Day 2021 vorgestellt und diese sukzessiv ergänzt. „Unsere Elektrifizierungs-Reise ist möglicherweise der wichtigste Grundstein, den wir legen müssen, um – nur sechs Monate nach der Entstehung des Unternehmens – mit der Enthüllung der Zukunft von Stellantis zu beginnen", sagte Konzernchef Carlos Tavares damals anlässlich der Präsentation.

Der OEM sieht sich in dieser Zukunft als Weltmarktführer bei emissionsfreien Pkw sowie elektrischen Nutzfahrzeugen – und investiert dafür mehr als 30 Milliarden Euro in die Elektrifizierung und Softwareentwicklung. Eingeschlossen seien hierbei Kapitalbeteiligungen an Joint Ventures. „Die heute hier vorgestellte Strategie lenkt die richtige Investitionssumme auf die richtige Technologie, um den Markt zur richtigen Zeit zu erreichen und sicherzustellen, dass Stellantis die Freiheit der Mobilität auf die effizienteste, erschwinglichste und nachhaltigste Art und Weise ermöglicht“, so Tavares.

Transformation der Stellantis-Werke hat begonnen

Eingeläutet hatte diesen Umbruch die Implementierung der elektrifizierten EMP2-Plattform im Werk Rüsselsheim. Durch die Investition eines „signifikanten Millionenbeitrags“ können am Opel-Stammsitz fortan herkömmliche Verbrenner und E-Autos auf derselben Linie produziert werden. Eine Übergangslösung, denn die Marke plant, bereits ab 2028 nur noch batterieelektrische Fahrzeuge zu verkaufen. Analog könnte in diesem Jahr auch die Umstellung von Citroen und Peugeot erfolgen. Den Anfang macht DS Automobiles im Jahr 2024, zwei Jahre später soll Lancia nachziehen und 2027 schließlich Alfa Romeo vollständig elektrifiziert werden. Bezüglich Fiat gab der Konzern bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse lediglich eine Zeitspanne von 2025 bis 2030 vor.

Für ein Novum sorgte zudem die Investition in das britische Werk Ellesmere Port. Bis Ende nächsten Jahres wird die Produktionsstätte in der Nähe von Liverpool zum ersten Stellantis-Werk, das ausschließlich batterieelektrische Modelle fertigt – für das Inland und den Exportmarkt. Zuvor bangten die Mitarbeiter aus unterschiedlichen Gründen um ihre Jobs. Nun investiert der Konzern umgerechnet knapp 117 Millionen Euro und produziert dort vollelektrische Pkw sowie leichte Nutzfahrzeuge der Marken Vauxhall, Opel, Peugeot und Citroën.

Stellantis plant fünf Gigafactories für Batterien

Im Bereich Batterieproduktion legt der Konzern ebenfalls nach: Bis 2025 sollen Kapazitäten von über 130 Gigawattstunden (GWh) und bis 2030 mehr als 260 GWh erreicht werden. Diese Nachfrage decken künftig fünf Gigafactories in Europa und Nordamerika ab. Zusätzliche Lieferverträge und Partnerschaften werden zur Ergänzung geschlossen.

Die ersten beiden Batteriefabriken wurden von der Groupe PSA und dem Energieversorger Total bereits vor der Fusion zu Stellantis beschlossen und hierfür das Joint Ventures Automotive Cells Company (ACC) gegründet. Sie entstehen im deutschen Kaiserslautern sowie im französischen Douvrin. Die Entwicklung und Herstellung von Hochleistungsbatterien soll im Jahr 2023 beginnen und bis 2030 eine Kapazität von 120 GWh erreicht werdem. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Bordeaux sowie der Pilotstandort im französischen Nersac haben dem Hersteller zufolge bereits die Entwicklungsarbeit aufgenommen.

Die dritte Gigafactory wurde nach anfänglichen Gerüchten nun ebenfalls bestätigt. Sie soll im italienischen Antriebswerk Termoli entstehen. Der genaue Standort für die vierte Batteriefabrik in Nordamerika steht noch nicht fest, allerdings wurde jüngst eine Absichtserklärung mit LG Energy Solution unterschrieben, welche die Gründung eines Joint Ventures sowie die Produktion von Batteriezellen und -modulen vorsieht. Demnach soll der Standort eine jährliche Produktionskapazität von 40 GWh aufweisen und im ersten Quartal 2024 mit der Fertigung beginnen. Der Spatenstich ist für das zweite Quartal 2022 geplant. Die dort produzierten Batterien werden an Konzernstandorte in den USA, Kanada und Mexiko geliefert.

Eine Partnerschaft besteht seit kurzem zudem mit dem chinesischen Hersteller Svolt, der seine Lithium-Ionen-Batterien ab 2025 an den Autobauer liefern wird. Das Unternehmen nutzt dafür seine bestehenden Fabriken in China sowie zukünftigen Produktionskapazitäten in Europa, um Batteriezellen, Hochvoltspeicher und Batteriemanagementsystem zur Verfügung zu stellen. Außerdem wurden vom OEM Absichtserklärungen mit zwei Partnern in Nordamerika und Europa unterzeichnet, um eine nachhaltige Versorgung mit Lithium und dessen Integration in die Lieferkette zu gewährleisten. Bis 2024 seien demnach der Einsatz von zwei Batteriechemien geplant: eine Option mit hoher Energiedichte und eine kobaltfreie Nickel-Alternative. Bis zum Jahr 2026 soll dann die erste wettbewerbsfähige Festkörperbatterie-Technologie eingeführt werden.

Stellantis setzt auf vier Elektro-Plattformen

Trotz dieser einheitlichen Marschrichtung ist die Elektrifizierung bei Stellantis kein Einheitsplan. Für seine 14 Marken stellt das Unternehmen vier Elektro-Plattformen (STLA) bereit, die sich in Größe und Reichweite unterschieden, aber unter gemeinsamer Nutzung von Komponenten konzipiert wurden. Sie können jeweils bis zu zwei Millionen Einheiten pro Jahr unterstützen. Hardware-Upgrades und Over-the-Air-Software-Updates sollen die Lebensdauer der Plattformen bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein verlängern. Software und Steuerungen werden hierfür betriebsintern entwickelt.

Der dazugehörige Antrieb umfasst eine Familie von drei elektrischen Antriebsmodulen (EDM), die Motor, Getriebe und Inverter kombinieren. Sie lassen sich nach Unternehmensangaben leicht skalieren und können für Front-, Heck- und Allradantrieb sowie für 4xe konfiguriert werden.

Ausbau der Ladeinfrastruktur wird unterstützt

Beim Laden setzt der Autohersteller auf eine breite Palette an Lösungen für Privat-, Geschäfts- und Flottenkunden. Hierzu zählen die Bereitstellung von intelligenten Ladeangeboten aus grünen Energiequellen für den Alltag, die Nutzung bestehender Partnerschaften zum Ausbau von Lademöglichkeiten und die Beschleunigung der Smart-Grid-Nutzung.

So beabsichtigt das Unternehmen, den Ausbau von Schnellladenetzwerken in ganz Europa zu unterstützen. Möglich mache dies zum einen eine Absichtserklärung mit Free2Move eSolutions und Engie EPS, deren Geschäftsmodell zunächst auf Südeuropa angewendet und dann auf den nordamerikanischen Markt übertragen werden soll.

Zum anderen kündigte der OEM jüngst gemeinsam mit dem Ladenetzspezialisten TheF Charging an, bis 2025 rund 15.000 Standorte mit zwei Millionen öffentlichen Schnelladeplätzen auszustatten. Stellantis-Kunden würden dabei von besseren Konditionen profitieren, berichtete das Branchenportal VisionMobility. Ausgangspunkt für die Ladeoffensive sei Italien, wo der Ausbau noch in diesem Jahr beginnt, bevor auf ganz Europa expandiert wird.

 

Tavares will Rentabilität erhöhen

Ein wichtiger Kernaspekt der Konzernstrategie bleibt die Erschwinglichkeit – genauer, die Marge. Bereits im April prognostizierte etwa Jefferies-Experte Philippe Houchois eine Strategiepräsentation zu batterieelektrischen Antrieben und eine damit einhergehende Renditeerwartung. Laut Houchois könnte Stellantis die Rendite von VW erreichen oder sogar übertreffen, weil das Unternehmen spürbar weniger Geld für Investitionen ausgebe. Zum Vergleich: Den umgerechnet 117 Millionen Euro für den Umbau des Werks Ellesmere Port stehen 1,2 Milliarden Euro beim VW-Vorreiterwerk Zwickau entgegen. Die Elektrifizierung und Hybridisierung der Flotte lässt Volkswagen sich allein in den nächsten fünf Jahre 42 Milliarden Euro kosten.

„Wir haben die Größe, die Fähigkeiten, den Willen und die Nachhaltigkeit, um zweistellige angepasste operative Margen zu erzielen, die Branche mit Benchmark-Effizienz anzuführen und elektrifizierte Fahrzeuge zu liefern, die Leidenschaft entfachen", betonte Tavares. In diesem Sinne gibt Stellantis als Maßgabe aus, 30 Prozent effizienter als die Branche zu sein, was die Investitions- und F&E-Ausgaben im Verhältnis zum Umsatz betrifft. Partnerschaften und Joint Ventures sollen dabei das interne Knowhow ergänzen, um fortschrittliche Technologie zu erschwinglichen Preisen zu liefern.

So will Stellantis die Kosten senken

Doch gespart wird auch an anderer Stelle, denn die höhere Rentabilität soll nicht nur durch Konzernsynergien erreicht werden. Zum einen werden die Batteriekosten durch Optimierung des Gesamtpacks, Vereinfachung des Formats der Module, Vergrößerung der Batteriezellen und Verbesserung der Batteriechemie gesenkt. Dadurch sollen die Batterie-Packs bis 2024 um über 40 Prozent und bis 2030 um weitere 20 Prozent erschwinglicher werden.

Zum anderen plant der Autohersteller die weitere Optimierung seiner Vertriebs- und Produktionskosten sowie die Erschließung neuer Umsatzmöglichkeiten – insbesondere aus vernetzten Dienstleistungen und Software-Geschäftsmodellen. In diesem Sinne hatte der Hersteller jüngst eine Partnerschaft mit Foxconn beim digitalen Cockpit verkündet. Abzuwarten bleibt, ob der Zukunftsplan den „Konzern mit zwei Gesichtern“ endlich eint. Bisher trat lediglich der PSA-Teil als renditestark in Erscheinung. Der FCA-Teil hinkte hinterher.

Kostenlose Registrierung

Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.
*

Ich habe die AGB, die Hinweise zum Widerrufsrecht und zum Datenschutz gelesen und akzeptiere diese.

*) Pflichtfeld

Sie sind bereits registriert?