| von Pascal Nagel

Wer schon immer wissen wollte, wofür das „S“ der Mercedes-Benz S-Klasse steht, muss sich durch die Historie des Luxusmodells arbeiten und eine kleine Zeitreise unternehmen. Genauer gesagt bis ins Jahr 1949. Denn vor rund 70 Jahren prangte das erste Mal der Buchstabe auf dem Heck eines Modells aus Stuttgart. Damals stellte der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Haspel den 170 S vor und verriet: Es steht für „Super“ oder „Special“. Er schaffte damit nicht nur einen simplen Modellzusatz, sondern ein Markenversprechen, das Entwicklungsvorstand Markus Schäfer zur Präsentation der inzwischen elften Generation der Luxuslimousine wie folgt formulierte: „Die neue S-Klasse untermauert unseren Anspruch, das beste Automobil der Welt zu bauen.“ Und nicht nur das: Es soll auch in einer der fortschrittlichsten Fabriken der Welt gebaut werden, der Factory 56 in Sindelfingen.

730 Millionen Euro hat Daimler in das hochdigitale und vollflexible Werk investiert. An die Stelle des Fließbandes treten fahrerlose Transportsysteme. Theoretisch könnte in der Factory 56 jedes Modell gefertigt werden. Den Anfang macht nun aber besagte S-Klasse. Und deren Anfang wiederum liegt bereits mehr als 100 Jahre zurück. Das Topmodell der Simplex-Reihe mit 60 PS von 1903 kann heute getrost als der Urvater der S-Klasse bezeichnet werden – mit einem umgerechneten Kaufpreis von etwa 170.000 Euro kostete der in Untertürkheim gefertigte geschlossene Wagen entsprechend viel. Durch die zunehmende Motorisierung und das höhere Verkehrsaufkommen der folgenden Jahre und Jahrzehnte setzten sich geschlossene Limousinen gegenüber den offenen Tourenwagen durch. Komfort stand auf schlechtem Untergrund ganz oben auf dem Wunschzettel der Kundschaft.

Die Ahnenreihe der S-Klasse nahm daher fortan seinen Gang – über den Nürburg 460 von 1928, den bereits erwähnten 170 S aus den 40ern und den 220 aus den 50ern. Seit dem 220 S aus dem Jahr 1956 gehört der luxusverkörpernde Buchstabe fest zur Nomenklatur der Schwaben. Es sollte allerdings noch bis 1972 dauern, bis das S für sich allein sprach: Mit der vorgestellten Oberklassebaureihe 116 kam das erste Modell auf den Markt, das offiziell als S-Klasse geführt wurde. Die neue Bezeichnung ging einher mit einem ganzen Bündel von Innovationen. Zum integralen Sicherheitskonzept gehörten zum Beispiel ein kollisionsgeschützter Tank, ein Vierspeichen-Sicherheitslenkrad, großflächige Scheinwerfer und auffällige Blinkleuchten. Die erste S-Klasse wurde ein Erfolg: Rund 470.000 Exemplare wurden bis 1980 gebaut. Zahlen, die die aktuelle Baureihe 223 erst erreichen muss.

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