Leichtbaupotenziale mit dem Premiumgedanken heben will Dräxlmaiers Entwicklungschef Martin Gall. Bild: Dräxlmaier

“Leichtbaupotenziale mit unserem Premiumgedanken heben”, will Dräxlmaiers Entwicklungschef Martin Gall. Bild: Dräxlmaier

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Dr. Gall, welche Herausforderungen stehen bei Dräxlmaier zum Thema Fahrzeug-Cockpit auf der Agenda?
Wir sehen die große Herausforderung beim Thema CO2 . Eine große Schlagrichtung hierbei ist der Leichtbau. Jeder ist in dieser Branche kostengetrieben und so sehen wir es als weitere Herausforderung, die richtigen Kostenpotenziale zu heben. Die Herausforderung ist also das Thema Leichtbau wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Beispiele dafür sind die X2- und die D3F-Mittelkonsolen. Was sind die Besonderheiten?
Leichtbaupotenziale mit unserem Premiumgedanken zu heben und dies unter in der Einstiegsvariante X2-Mittelkonsole umzusetzen. Bei ihr bildet die mechanische Konstruktion gleichzeitig auch die Außenhaut. Hier sind moderne Arten des Spritzgießens im Einsatz.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Dräxlmaier setzt auf Naturfasern, wie Sie es mit der D3F-Mittelkonsole zeigen. Wird der CO2-Footprint also ein immer stärkeres Thema?
Die Fragen nach dem CO2-Footprint nehmen stark zu. Bei Dräxlmaier haben wir einen Nachhaltigkeitsbereich aufgebaut. Gerade die deutschen OEMs und deren Kunden legen sehr viel Wert auf dieses Thema. Weitere OEMs nehmen die Methoden, die wir anwenden, als Vorbild, um so etwas auch in ihren eigenen Firmen zu etablieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Immer mehr wird vom Zulieferer verlangt, dass er mit seinem ganzen Know-how vor Ort ist. Ein großes Thema ist der Wachstumsmarkt Asien. Wie übertragbar sind Know-how und Fertigungsverfahren im Bereich Interieur auf andere Märkte?
Unsere Strategie ist es, unseren deutschen Premium-OEMs auch international zu folgen. So sind wir etwa sehr früh mit BMW nach USA gegangen. Anfang der 2000er dann auch nach China. Und so folgen wir unseren OEMs und nehmen natürlich unsere Technologien, die wir hier in Europa entwickelt haben, mit in diese Länder, um so den Premiumgedanken in der Internationalität zu prägen. Wenn ein OEM nach China oder Mexiko oder wo auch immer hingeht, werden wir dafür sorgen, dass wir ihn mit unseren Technologien und den Qualitätsansprüchen bedienen können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichwort Leder: Trends sind die unsichtbare Airbag-Naht, die Belederung bis hinein in die Mittelklasse und das Kaschieren mit verschiedenen Oberflächen auf einer Grundform. Was sind die nächsten Themen?
Das Thema Leder in einer cut & sew Technologie zu kaschieren ist und bleibt das Maß im automobilen Premiumsegment. Die Herausforderung liegt aber auch darin, vom Basismodell bis zum Top-Premiummodell alle Ausstattungvarianten zu bedienen. Das heißt mit einer Technologiefamilie. In der Vergangenheit war das „three in one“, was bedeutet: Folie, genähtes Dekor in Planware und Leder. Bei Dräxlmaier sehen wir ein wesentliches Thema darin, mit einem Trägersystem unterschiedliche Ausstattungsvarianten darzustellen. Bei SUVs etwa sehen wir eine sehr hohe “takerate” mit Leder.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie bewältigen Sie das Thema Varianz?
Es gibt fünf Ausstattungsstufen von Oberflächen. Die unterste ist Spritzblank. Sie haben ein Spritzgussteil wie es aus der Maschine fällt. Als zweite Stufe Spritzguss lackiert. Um dann einen hochwertigen Effekt in den Spritzguss zu bringen, sind Sie limitiert. Es kommen im Prinzip die Themen Slush, Sprühhaut, Foliensystem mit Hinterschäumung. Als nächstes kommt dann Planware, genähtes Dekor und schließlich Leder. Als Premium definieren wir eine weiche Oberfläche, sei es im unteren Feld mit einer Sprühhaut oder einem Slush und auf der anderen Seite dann eine genähte Lederoberfläche.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche länderspezifischen Anforderungen gilt es zu bedienen?
Es gibt zum einen segmentspezifische und auch landesspezifische Eigenheiten. Englische Hersteller etwa haben eine große Tradition mit Leder. Und in China beispielsweise sind belederte Armaturen ein ganz großes Thema. Insgesamt ist genähtes Dekor ein Trend. Ebenso die unsichtbare Airbag Naht um den Premiumanspruch weiter zu steigern. Wir haben eigene Airbagschusslabore, um kontinuierlich zu testen und den Lebensdauerzyklus eines Fahrzeugs abzubilden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein weiteres Trendthema ist Licht im Fahrzeuginterieur. Welche Wege geht Dräxlmaier hierbei?
Licht kennt man im Fahrzeug traditionell etwa als Einstiegsleuchte oder als Kartentaschenbeleuchtung, oftmals einfarbig. Dies ging dann über in zwei- oder dreifarbige Leuchten. Heute spielen wir das Thema RGB mit einigen Millionen möglichen Farben. Eine Herausforderung dabei ist es, die einzelnen RGB-Dioden aufeinander abzugleichen. Im Fahrzeug haben Sie ja unterschiedliche Temperaturzonen, etwa eine kalte Tür und eine warme IP, hierfür muss die Temperaturdrift des Leuchtkörpers ausgeglichen werden. Um eine maximale Farbengleichheit zu erhalten. Auch das Vermeiden von Farbsprüngen in verschiedenen Interieurbereichen ist eine Herausforderung. Über die Lebensdauer will man keine Farbdrift. Um dies abzustimmen, bedarf es eines großen Entwicklungs-Know-hows.

AUTOMOBIL PRODUKTION:Ambientelicht ist ein noch junges Geschäftsfeld. Was wird in diesem Bereich der nächste Schritt sein?
Wir beschäftigen uns mit Licht schon relativ lange, nahezu fünfzehn Jahre. Heutzutage geht es um professionelle Inszenierungen und darum, den Fahrer in allen Belangen zu unterstützen. Die Leuchtdioden-Technologie hat einen großen Sprung gemacht und ist heute vielmehr als nur eine weiße oder rote LED wie noch in den Anfängen. In der Architektur können wir sehen, was jetzt ins Auto kommt. Ich glaube, dass da noch sehr viel folgen wird. Wir haben noch sehr viele Themen im Köcher.

Das Interview führte Götz Fuchslocher