Wolfgang Epple

Epple blickt auf mehr als 28 Jahre Erfahrung in den Bereichen Produktentwicklung, Fertigung sowie Qualitätssicherung zurück. – Bild: JLR

AUTOMOBIL PRODUKTION:Sie eröffnen inmitten eines Universitätscampus in Warwick das sogenannte National Automotive Innovation Center (NAIC). Warum?
Wenn man sich weiterentwickeln will, benötigt man viele Talente und besonders auch junge Talente. Um Innovationen zu beschleunigen, investiert Jaguar Land Rover £100 Millionen in die Warwick Manufacturing Group. Jaguar Land Rover leitet eine Anzahl von Forschungsprojekten inklusive Projekte des Konsortiums, das führende Automobilunternehmen, Zulieferer und Akademiker aus England zusammenbringt. Es wird unterstützt von den Technical Strategy Board der Britischen Regierung.

AUTOMOBIL PRODUKTION:Wann geht das Institut an den Start?
Grundsteinlegung ist September/Oktober und die Eröffnung soll im Frühjahr 2017 sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION:Was investieren Sie denn dafür?
£100 Millionen bzw. 130 Millionen Euro.

AUTOMOBIL PRODUKTION:Dort gibt es Platz für 1000 Leute. Wie viel R&D-Mitarbeiter haben Sie derzeit insgesamt in der Tata Gruppe?
In der gesamten Entwicklung sind 7.000 Menschen beschäftigt. In der reinen Forschung sind es 220.

AUTOMOBIL PRODUKTION:Wo sind die beheimatet?
Die sitzen zu 80 Prozent im Warwick. 15 sitzen in Whitley, wo die Motorenprüfstände sind.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie forschen rund um modulare Hybride und Plug-In-Hybride und E-Vehicles. Was werden wir davon sehen?
Der Output ist gestaffelt. Das erste Dieselhybridfahrzeug wird zum Jahresende eingeführt. Neben der Leichtbautechnologie und dem Downsizing von Motoren zur Reduzierung von CO2 werden wir uns dann auch mit Plug-in Hybriden beschäftigen.

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Der Aufbau des neuen NAIC in Warwick markiert die nächste Phase in einer langfristig angelegten Forschungsstrategie für Jaguar Land Rover. – Bild: JLR

AUTOMOBIL PRODUKTION:Wissen Sie schon, wie Ihre Kundschaft dazu steht?
Die erste Resonanz auf die Range Rover und Range Rover Sport Dieselhybride ist sehr positiv, da es keinerlei Einschränkungen bei den typischen Land Rover Fähigkeiten gibt, die der Kunde bei unseren Fahrzeugen fordert. Die Nachfrage ist jedoch nach Gesetzgebung in den jeweiligen Märkten unterschiedlich.

AUTOMOBIL PRODUKTION:45 Prozent müssen Sie runter?
Ja bis 2020 und in Europe und wir sind auf gutem Weg. Das Ziel für 2015 ist ein durchschnittlicher CO2 Wert von 180 g/km, was eine Reduzierung um 25 Prozent seit 2007 bedeutet (der durchschnittliche Wert der Autoindustrie liegt bei 19 Prozent). Schon in 2013 haben wir durchschnittlich 181g/km CO2 erreicht. Die 45 Prozent gelten für 2020, was 130g CO2/km für Jaguar Land Rover bedeutet und auch hierfür sind wir gut im Plan. Zukünftig wird es eine Mix an Motoren geben EV, PHEV, HEV und Motoren mit Innenverbrennung. Elektrische Antriebe sind nicht die einzige Antwort, um den CO2 Ausstoß zu reduzieren und Jaguar Land Rover erforscht eine Reihe von Technologien.

AUTOMOBIL PRODUKTION:Gehen Sie als deutscher Entwickler mehr auf große deutsche Zulieferer zu?
Es gibt bei uns ein paar Menschen, die Erfahrung in der deutschen Automobilindustrie haben. Da ist es üblich, dass man Innovationen gemeinsam entwickelt. In England ist die Größe der Zulieferer und deren technische Tiefe unterschiedlich. Es gibt bestimmte Bereiche, wo es exzellent ist, es gibt andere Bereiche, da eher nicht. Wenn Sie die großen Tier1 nehmen, die Boschs, Contis oder ZFs, davon gibt es zwei Hände voll auf der Welt, und ich schätze davon sitzen 70 Prozent in Deutschland, von denen die Kerntechnologien entwickelt werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION:Was hält denn ein Jaguar-Land Rover-Entwickler vom Nano?
Ich habe persönlich den Nano studiert, habe mit Leuten gesprochen, die den Nano gemacht haben. Das ist eine phänomenale technische Leistung, die Tata da vollbracht hat. Bei diesem Fahrzeug können wir lernen, das man mit Minimalem auskommen kann. Ich bin intuitiv davon überzeugt, dass Menschen auch dahin zurückkommen. Den Weg geht ja scheinbar auch PSA. Das Modell heißt Cactus, Citroen, ein Modell wo sie wirklich reduziert haben. Zum Beispiel: keine elektrischen Fensterheber, oder, wie ich hörte, hinten keine Fenster zum Öffnen. Dacia macht ähnliche Dinge. Und der Nano ist ein Paradebeispiel, wie weit man herunterfahren kann.

AUTOMOBIL PRODUKTION:Wie läuft denn der Dialog mit ihrem Shareholder?
Wir pflegen einen regelmäßigen Technologieaustausch mit den Kollegen in Indien. Es ist deren Entscheidung, was sie von den Umfängen, die wir haben, nehmen und implementieren können. Das ist eine Beziehung wie innerhalb einer Familie. Da gibt es ein kommerzielles Agreement. Wir haben einen gemeinsamen Chairman, der die Interessen aller Firmen vertritt.

Das Interview führte Bettina Mayer