Grégoire Olivier, PSA Asia

Grégoire Olivier, Vice President PSA Asia: "Wir möchten mit CAPSA prüfen, ob andere Länder in Asien am Import interessiert sind."

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Olivier, welcher Anteil des PSA-Jahresumsatzes von 54 Milliarden Euro entfällt auf das China-Geschäft?
Olivier: Unsere Marken sind in China sehr erfolgreich. Im vergangenen Jahr, 2013, haben wir fast 557.000 Einheiten in China verkauft.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihre Prognose für 2014?
Wir rechnen damit, dass wir dieses Jahr in China mehr als 700.000 Einheiten verkaufen werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie 2013 mehr Fahrzeuge von Citroën oder mehr von Peugeot verkauft?
Im letzten Jahr lag der Absatz von Citroën knapp vor Peugeot. In diesem Jahr werden die Marken eine Reihe neuer Modelle vorstellen. Seitens Peugeot haben wir gerade den 2008 vorgestellt und als nächstes Modell wird der neue 408 präsentiert. Citroën wird dagegen nur ein neues Auto gegen Ende des Jahres vorstellen, einen kleinen Crossover.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist es für die chinesischen Kunden schwierig, Citroën und Peugeot zu unterscheiden? Wie ist Ihr Brand Management in China?
Nun, unser Brand Management in China entspricht dem in Europa: das Design von Citroën ist eher familienorientiert. Wir bieten Autos der Marke Citroën, die komfortabel sind, die smarte Innovationen vorweisen und darüber hinaus erschwinglich sind. Autos der Marke Peugeot bieten mehr Emotion, mehr Präzision und mehr Fahrerlebnis.

Zur Person
Grégoire Olivier ist Absolvent der Ecole Polytechnique und machte sein Ingenieurs-Diplom an der Ecole des Mines in Paris. Zudem hält er einen MBA der University of Chicago. Nach verschiedenen Stationen ? unter anderem beim französischen Industriekonzern Pechiney sowie bei Alcatel ? übernahm er 2001 den Vorstandsvorsitz beim Elektronikspezialisten Sagem. 2006 wurde Olivier zum CEO von Faurecia berufen. 2007 übernahm er bei PSA Peugeot Citroën als Executive Vice President strategische Fahrzeugplanung und die Strategieabteilung und wurde Mitglied des Vorstands. Derzeit ist er Vice President PSA Asia.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehen Ihre Pläne für Citroën und Peugeot im kommenden Jahr aus?
Wir planen 2015 schneller zu wachsen als der Markt. Wir werden unseren Entwicklungsplan für die drei Marken fortsetzen und jedes Jahr pro Marke mindestens ein neues Modell vorstellen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Also planen Sie mehr als 770,000 Einheiten für 2015 in China?
2015 werden wir sicher mehr als 800.000 Einheiten verkaufen. Bereits 2014 werden wir voraussichtlich mehr als 700.000 Einheiten im Rahmen von Dongfeng Peugeot Citroën (DPCA) verkaufen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der PSA-Strategieplan ?Back in the Race? von Carlos Tavares geht davon aus, dass der Automarkt in China in den kommenden Jahren um etwa 10 Prozent pro Jahr wachsen wird. Ist das realistisch?
Unsere Prognosen stützen sich auf zwei Tatsachen. Erstens soll die Wirtschaft in China immer noch um etwa sieben Prozent pro Jahr wachsen. Zweitens gibt es in China nur etwa 80 Autos pro 1.000 Einwohner. Weltweit liegt der Durchschnitt liegt bei 150, in Europa sogar bei 600 Autos pro 1.000 Einwohner. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass der Automarkt in China stärker wachsen wird als das Bruttoinlandsprodukt, also zwischen acht und zehn Prozent.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was sind derzeit Ihre wichtigsten Themen in China?
In den vergangenen Jahren haben wir in Shanghai eine F&E-Einheit mit einem besonderen Akzent auf Marketing Skills aufgebaut, die unsere Produktentwicklung ganz auf chinesische Kunden zuschneidet und testet. Deshalb ist der erste wichtige Punkt, dass wir viele Autos entwickeln und jedes Jahr ein umfangreiches Autoprogramm vorstellen werden ? für unsere drei Marken Peugeot, Citroën und DS. Und wir möchten natürlich sicherstellen, dass diese Autos auch exakt den Bedürfnissen der Kunden in China entsprechen. Deshalb betrachten wir bei der Entwicklung dieser Autos als erstes die Erwartungen der chinesischen Kunden hinsichtlich der Silhouette, des Designs, der Telematik und der Motoren. Zweitens bauen wir ein Vertriebsnetz in China auf: 2015 wird dieses Netz doppelt so groß sein wie 2009 und für unsere drei Marken 2.600 Verkaufsstellen im ganzen Land erreichen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie planen auch den Bau weiterer Werke?
Derzeit hat DPCA drei Fabriken in Wuhan und wir prüfen derzeit, inwieweit Möglichkeiten bestehen, in Chengdu oder in Wuhan eine vierte Fabrik zu errichten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Produktionstechnologie verwenden Sie in Ihren JV-Fabriken? Sind das eher low-budget- Technologien speziell für den chinesischen Markt, oder arbeiten Sie auf europäischem Niveau?
In unseren chinesischen Werken verwenden wir europäische oder japanische Technologien. Der Automatisierungsgrad unserer dritten Fabrik in Wuhan, die wir 2013 eröffnet haben, liegt bei 70 Prozent. Das nähert sich schon sehr stark dem Wert, die in Europa üblich sind.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welchen Automatisierungsgrad haben Sie in Europa derzeit?
Der liegt bei 85 Prozent.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie lange wird es dauern, bis Sie diese 85 Prozent auch in China erreichen?
Ich nehme an, dass schon unsere vierte Fabrik auf dem gleichen Level liegt wie diejenigen in Europa

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bis zum Jahr 2018 will PSA eine Umsatzrendite von zwei Prozent erzielen, längerfristig möchten Sie die fünf Prozent erreichen, Deshalb planen Sie, die Modellpalette zu verkleinern. Hat dies Auswirkungen auf Ihr Geschäft in China?
Die Modelle, die wir entwickeln, werden nicht mehr allein auf einen Markt ausgerichtet sein sondern auf mindestens zwei Regionen. Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen: Bei CAPSA, unser zweites JV in China (neben Dongfeng Peugeot Citroën Automobile, DPCA), haben wir ein neues Auto entwickelt, das wir vor einem Monat vorgestellt haben, den DS 5LS, und ein weiteres Auto, den DS 6WR, ein Crossover, der als Concept Car auf der Automesse in Peking präsentiert worden ist. Diese Autos werden von den F&E-Teams in Shanghai und in Frankreich entwickelt. Sie werden zunächst nur in China verkauft. Diese Autos entsprechen den Bedürfnissen mehrerer unserer Märkte. Das macht ihren Erfolg aus.

AUTOMOBIL PRODUKTION: In der China Daily steht zu lesen, dass Sie den Export der DS-Modelle, die Sie in China produzieren, nach Europa planen. Ist das richtig?
Das steht im Moment nicht zur Debatte. Die Fahrzeuge, die in China entwickelt werden, können zunächst einmal für andere Kunden in Asien interessant sein. Wir möchten zusammen mit CAPSA prüfen, ob es andere Länder im asiatischen Raum gibt, die an einem Import dieser Autos interessiert sind. Ich denke hier zum Beispiel an Malaysia, Indonesien und Thailand; möglicherweise auch Russland. Wir prüfen den Export dieser Autos innerhalb dieser Region, nicht aber weltweit.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das bedeutet, dass Sie in Europa und in China unterschiedliche DS-Modelle haben?
Genau. Wir haben vor drei Jahren mit Changan vereinbart, DS in China als eigenständige Marke aufzubauen: mit Fabriken, die DS-Fahrzeuge produzieren und einem eigenen Vertriebsnetz nur mit dem DS-Logo. Deshalb mussten wir schnell eine kleine Modellpalette entwickeln: das ist der DS 5, der momentan in Europa verkauft wird und deshalb ein weltweites Auto ist. Die drei anderen Modelle wurden eigens für China entwickelt und wir planen nicht, diese in Europa zu verkaufen. Wir planen lediglich, einige dieser Autos innerhalb Asiens zu exportieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist die Marke DS in China denn komplett von Citroën getrennt?
Wir haben in China zwei Kategorien von Autohändlern: Die einen verkaufen Citroën, die anderen verkaufen DS. In China ist DS als eigenständige Marke eingeführt. In Europa sind wir anders verfahren. Dort haben sich der Automarkt und die Premiummarken anders entwickelt. Deshalb verkaufen wir unsere DS-Fahrzeuge in Europa bislang auch über die Citroën-Händler – allerdings in getrennten Räumlichkeiten. Seit kurzem sind auch die Verantwortlichkeiten getrennt. Yves Bonnefont ist Brand Manager von DS, und Linda Jackson ist für Citroën als Brand Managerin verantwortlich. Damit werden die Marken DS und Citroën klarer voneinander getrennt. Diejenigen Händler, die bereits beide Marken verkaufen, werden dies weiterhin tun.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wollen Sie im Rahmen Ihres JV mit Dongfeng auch DS-Modelle produzieren?
Mit Dongfeng und unter dem Namen DPCA (Dongfeng Peugeot Citroën Automobile) produzieren wir ausschließlich Autos der Marken Peugeot und Citroën. Die DS-Modelle werden nur mit Changan unter dem Namen CAPSA (Changan PSA) produziert.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Eine weitere Annäherung ist für die nächsten Jahre nicht geplant?
Nein, absolut nicht, wir wollen diese Trennung aufrechterhalten. Wir haben mit Dongfeng vereinbart, dass wir in Wuhan auch Autos der Marke Dongfeng produzieren, die im Rahmen von DPCA hergestellt werden und Plattformen, Motoren und Getriebe von PSA verwenden. Diese Fahrzeuge werden dann auch über Dongfeng-Händler verkauft.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Rolle spielt Faurecia in diesen Plänen?
Faurecia produziert Sitze, Auspuffrohre und Fahrzeuginterieurs. Deshalb ist Faurecia ein strategischer Zulieferer von PSA, von DPCA und auch von CAPSA. Dies wird auch so bleiben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Partnerschaft mit Dongfeng beinhaltet ein gemeinsames F&E-Zentrum. Was heißt das konkret?
Das neue gemeinsame F&E- Zentrum wird in Zusammenarbeit mit Dongfeng entwickelt. Die Ingenieure werden darin an Projekten für drei Marken arbeiten: Peugeot, Citroën und die Hausmarke von Dongfeng (Fengshen).

AUTOMOBIL PRODUKTION: Angeblich hegt Dongfeng ja große Expansionspläne in Richtung Europa. Ist dieses gemeinsame F&E Zentrum für Dongfeng ein erster Schritt, um europäische Standards mit Blick auf einen Vertrieb in Europa zu erreichen?
Dies ist eine Frage, die Sie Dongfeng stellen müssten. Ich kann nur sagen: der attraktivste Automarkt liegt derzeit in China. Dies ist der weltweit am schnellsten wachsende Markt. Die Verträge zwischen den beiden Partnern ermöglichen es dem JV DPCA, Fahrzeuge der Marke Dongfeng auf den Plattformen des JV zu bauen. Bei der Beijing Auto Show hat Dongfeng erste Entwürfe für zwei Autos gezeigt, die wir gerade entwickeln. Wir sind ganz klar auf den chinesischen Markt fokussiert.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und könnte Ihr drittes Projekt nicht ein Low-Cost-Fahrzeug für China sein?
Nein, das steht nicht zur Debatte. Wir sind der Meinung, dass profitable JVs bei Premiumfahrzeugen liegen. Deshalb haben wir DS als eine Marke lanciert, die speziell auf den Premiummarkt ausgerichtet ist. Das untere Marktsegment ist für uns nicht interessant.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wollen Sie für Peugeot ebenfalls eine Premiummarke entwickeln?
Die Marke Peugeot bleibt klar im Mainstream-Segment, aber wir versuchen natürlich, Kunden eines höheren oder hohen Levels zu gewinnen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber wenn Ihr Wachstum im Premiumbereich liegt, wäre es dann nicht logisch, eine weitere Premiummarke einzuführen?
Lassen Sie uns zuerst mit einer Premiummarke erfolgreich sein und dann können wir uns noch einmal unterhalten.

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Das Interview führte Bettina Mayer