Automotive Lean Production Kongress

Im Rahmen des Automotive Lean Production Kongress' (Archivbild) erhalten die ausgezeichneten Unternehmen ihre Würdigung. Bild: Volkswagen / Matthias Leitzke

„Von den Besten lernen“ bleibt auch in diesem Jahr das Motto des 15. „Automotive Lean Production Award 2020/2021“. Seit 2006 verleihen die Unternehmensberatung Agamus Consult und Automobil Produktion gemeinsam die renommierten Preise an Werke, die sich in erwähnenswerter Weise der Modernisierung und Digitalisierung gewidmet haben. Ausgezeichnet werden die Best Performer der gleichnamigen internationalen Studie. Ziel ist es, mit der Initiative einen Benchmark für Lean und Digitalisierung für die internationale Automobilindustrie zu etablieren, der Orientierung und Maßstab gibt.

Knapp 1.250 Werke aus 17 Nationen haben in den vergangenen 15 Jahren an der Studie teilgenommen. Rund 250 Evaluierungsbesuche wurden bei den Topperformern unternommen. 72 von ihnen wurden von der Jury letztlich ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr begann die Coronapandemie die ganze Welt und damit auch die Autobranche vor enorme Herausforderungen zu stellen. Werke mussten zum Teil für Wochen und Monate schließen, auch die Award-Verleihung war 2020 nicht möglich.

Doch es hat sich gezeigt, dass Covid-19 auch ein Booster für die Digitalisierung sein kann. Der Vorjahressieger aus der Kategorie „OEM“, Iveco, machte das eindrucksvoll deutlich und etablierte während geschlossener Werkhallen im Frühjahr 2020 neue Schulungs- und Trainingskonzepte, die noch heute Bestand haben. Nicht zuletzt deshalb konnte der Nutzfahrzeughersteller erneut einen Preis, dieses Jahr in der Kategorie „Excellent Culture of Improvement“, ergattern.

Die Jury zeichnete zudem das VW-Werk in Pamplona in der Kategorie „OEM“, Skodas Werk in Mladá Boleslav in der Rubrik „Exzellenter Hochlauf einer neuen Lackiererei“, die US-Tochter des Zulieferers Witzenmann mit dem Award für „Lean Transformation“ und schließlich den Schweizer Technologiekonzern Feintool für seine „BU-Transformation Lernende Organisation“ aus.

Award „OEM“: VW-Werk Pamplona

„Sie gehen immer wieder neue kreative Wege“ – so lässt sich die Kultur im Werk VW Navarra S.A. beschreiben. Das Managementteam hat die Jury durch seine breite Aufstellung bei Innovationsthemen überzeugt – und bekommt dafür den Award in der Kategorie „OEM“ verliehen. Das Werk wird anhand von aussagekräftigen Kennzahlen gesteuert und der Output der Fabrik wird gegen 100 Prozent gemessen.

Jede Abweichung wird nachgehalten und als Startpunkt für weitere Verbesserungen genutzt. Das Evaluierungsteam hebt vor allem den Ansatz „Suma 2.0“ hervor, der die Pickfehler auf nahezu null reduziert. Hier spielt neben der Pickgenauigkeit auch die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle, da die ursprünglichen Dolly Sheets durch elektronische Reader an den Dollys ersetzt wurden, die anhand der im ERP-System hinterlegten Perlenkette aktualisiert werden und so papierlos arbeiten. Produktion und Logistik sind mit diesem Konzept weitestgehend synchronisiert.

Der Einsatz von intelligenten AGVs und additiven Fertigungsverfahren ist im Werk Standard und nichts Außergewöhnliches mehr. Das Werk VW Navarra S.A. überzeugt mit der Idee, die Chancen aus Industrie 4.0 zu nutzen, ohne die Lean-Prinzipien über Bord zu werfen. Dieses zeigte sich insbesondere auch in der Nutzung von 3D-Druckern für die Fertigung von Montagehilfsmitteln. Nicht zuletzt lobt die Jury den Spirit der Managementteams, der sich auf die Mannschaft überträgt. Ohne ihn wären die Erfolge der Vergangenheit nicht möglich gewesen. Die Experten erwarten noch einige Best Practices aus Pamplona.

Mitarbeiter: circa 4.700
Umsatz: 3,8 Milliarden Euro

Award „Lackiererei“: Skoda-Werk Mladá Boleslav

„On time, in budget and in quality“ – manches Großprojekt würde sich gerne mit diesen Attributen schmücken. Die neue Lackiererei im Skoda-Stammwerk in Mladá Boleslav darf dies mit Fug und Recht von sich behaupten: 18 Monate nach Grundsteinlegung konnte die erste Karosse die Lackiererei verlassen – weitere neun Monate später war die angestrebte Kapazität von 700 Karossen pro Tag erreicht. Für den Standort war es eine der größten Einzelinvestitionen der letzten Jahre.

Die Gebäudedimensionen sind gigantisch: Die Bruttogrundfläche beträgt knapp 22.000 Quadratmeter mit einem Bruttoraumvolumen von etwa 750.000 Kubikmetern. Die neue Lackiererei ist gespickt mit Innovationen: Der Einsatz von Dry Scrubbern etwa reduziert Abfall und den Verbrauch von Chemikalien, Energie und Wasser. Eine neue Trocknertechnologie mit Querförderkonzept spart Fläche, Aufheizzeit und Energieverbrauch – und das bei gleichmäßigerer Erwärmung und Abkühlung der Karossen. Zudem setzt Skoda auf eine hohe Robotisierung und modernste ergonomische Lösungen.

Die flächendeckende Nutzung digitaler Applikationen – zum Beispiel digitales Qualitätssystem, Visualisierung der Komplexität, digitale Produktionsdokumentation und Smart Maintenance – tragen ihren Teil zum reibungslosen Ablauf der Lackiererei bei. Und letztlich sorgt all das für eine Auszeichnung durch die Jury mit dem Special Award in der Kategorie „Exzellenter Hochlauf einer neuen Lackiererei“. Das Evaluierungsteam ist überzeugt: Das Werk Mladá Boleslav ist für die Zukunft gut gerüstet.

Mitarbeiter: circa 26.000
Umsatz: keine Angabe

Award „Lean Transformation“: Witzenmann USA

Die Transformation der Witzenmann USA LLC, einem Tochterunternehmen der internationalen Witzenmann-Gruppe, war ohne Zweifel erfolgreich. Im Werk in Troy (Michigan) ist durch die konsequente Umsetzung von Lean Production eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung entstanden. Das Werk war über Jahre gewachsen, um die erforderlichen Kapazitäten bereitzustellen – mit negativen Begleiterscheinungen.

Witzenmann USA hat daraufhin gemeinsam mit der zentralen Lean-Abteilung aus dem Stammhaus ein Konzept zur Lean-Ausrichtung entwickelt. Durch ein Engpassmanagement konnte von Reagieren auf Agieren umgeschaltet und der Fokus auf eine konsequente Reduktion von Verschwendung gelenkt werden. Neben der Verbesserung der Instandhaltung und der Erhöhung der technischen Anlagenverfügbarkeit, der optimierten Produktionslogistik, Produktionsplanung und -steuerung und ausgetakteten Zellen standen vor allem der Aufbau eines qualifizierten Mitarbeiterstamms sowie Lean Leadership und Shopfloor-Management im Vordergrund.

Das KPI-Dashboard kann sich sehen lassen: Neben einer hohen Termintreue, signifikant gesteigerter Produktivität und reduzierten Ausschusskosten wurde die Fluktuation stark gesenkt, die nicht budgetierten Überstunden mehr als halbiert und die Wochenarbeitszeit von sieben auf 5,5 Tage reduziert. War das Projekt ein einmaliges Strohfeuer oder konnte eine nachhaltige Lean Transformation erreicht werden? Die Jury ist überzeugt: Letzteres ist der Fall. Dafür gibt es den Preis in der Kategorie „Lean Transformation“.

Mitarbeiter: circa 300
Umsatz: circa 100 Millionen Euro

Award „Culture of Improvement“: Iveco-Werk Suzzara

Das Iveco-Werk Suzzara hatte im vergangenen Jahr eine außergewöhnliche Aufgabe zu meistern: Aufgrund der Coronapandemie musste es für zwei Monate schließen. Doch diese Zeit blieb nicht ungenutzt. So entstanden in dieser Phase neue Schulungs- und Trainingskonzepte. Besonders gefallen haben der Jury die themenbezogenen Schulungsund Meetingräume, in denen auch alternative Wege gegangen wurden. So wurden im Business Theatre etwa sicherheitsrelevante Situationen von Mitarbeitern selbst nachgespielt.

Das aufgebaute Recruitment-&-Trainings- Programm hilft außerdem bei der Einarbeitung von 350 neuen Mitarbeiter, die dabei unterstützen sollen, die höchsten Tagesproduktionszahlen der Werksgeschichte umzusetzen. Mit fünf Baureihen auf einer Linie und über 16.000 Artikelnummern sieht man sich dabei einer hohen Produktkomplexität ausgesetzt. Die Verbesserungskultur wird von der Führungsebene vorgelebt und so in die Belegschaft getragen: Jeder Mitarbeiter kann seine Verbesserungsvorschläge an einem Infopoint eintragen.

Nach einer kurzen Prüfzeit finden sich die geeigneten Vorschläge im Kaizen- Web wieder und werden von einem Team nach definierter Vorgehensweise umgesetzt. Der Clou: Die im Rahmen des Kaizens erlernten Fähigkeiten der Mitarbeiter werden auf dem jeweiligen Profil gespeichert. So können für jedes Projekt die passenden Mitarbeiter mit den benötigten Fähigkeiten ausgewählt werden. Für dieses Engagement erhält das Iveco-Werk in Suzzara den Award in der Kategorie „Excellent Culture of Improvement“.

Mitarbeiter: circa 2.200
Umsatz: circa 1 Milliarde Euro

Kongress und Award-Gala

Skoda Museum
Das Skoda-Museum öffnet seine Tore für die ALP-Awards. Bild: Skoda

Die Gewinner des „Automotive Lean Production Award“ erhalten ihre Würdigungen am 03. und 04. November 2021, dieses Jahr im Museum des Gastgebers Skoda in Mladá Boleslav. Der Kongress 2021 ist der Frage gewidmet: „Wie sieht eine gelungene Symbiose zwischen Mensch und Technologie aus?“, und bietet exklusive Einblicke in die Fahrzeugproduktion der Volkswagen-Tochter. Die feierliche Überreichung der Awards erfolgt während des Galadinners am 03. November. Am zweiten Kongresstag stellen die Preisträger ihre ausgezeichneten Werke und Konzepte vor. „Wir begrüßen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Automotive-Lean-Production-Kongresses in Mladá Boleslav“, freut sich Skodas Produktionsvorstand Michael Oeljeklaus.

Alle Infos unter: www.automotive-lean-production.de

Award „Business Unit Transformation“: Feintool

Feintool ist ein international agierender Spezialist im Bereich Feinschneiden, Umformen und E-Blechstanzen zur Verarbeitung von Stahlblechen. Diese Technologien zeichnen sich durch Wirtschaftlichkeit, Qualität und Produktivität
aus. Feintool ist Entwicklungspartner der Automobilhersteller in den Bereichen Leichtbau und Nachhaltigkeit, Plattform- und automatisierte Antriebskonzepte, Elektroantriebe sowie Hybride. Das Unternehmen ist mit eigenen Produktionswerken und Technologiezentren in Europa, USA, China und Japan vertreten.

Die Business Unit Europa umfasst acht Produktionsstandorte in Deutschland, Tschechien und der Schweiz, die Bauteile aller drei Kerntechnologien herstellen. Aus getrennt agierenden Einheiten galt es nun, die einzelnen Werke zu einer effektiven und effizienten Einheit zu entwickeln, die einerseits die jeweiligen Stärken weiter ausbaut und andererseits übergreifende Synergien schafft. Die Leitlinie hierfür ist: die Kombination von gesamtheitlichen Denkprinzipien, Methoden und Verfahrensweisen zur effizienten Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette industrieller Güter.

Die Jury bewertete anhand standardisierter Kennzahlen, dass die Business Unit auf einem guten Weg zur lernenden Organisation ist. So ist etwa das Mindset der Führungsebenen synchronisiert, erforderliche übergreifende Strukturen und Prozesse sind implementiert und ein Best Practice Sharing zwischen den Einheiten ist etabliert. Dafür erhält Feintool den Special Award in der Kategorie „BU-Transformation Lernende Organisation“.

Mitarbeiter: circa 1.400
Umsatz: circa 270 Millionen Euro

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