90% des geplanten Umsatzes bis 2020 hat Komponentenchef Kroos schon in den Auftragsbüchern.
Grafik: AUTOMOBIL PRODUKTION

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihre Anlagen sind hochautomatisiert und könnten überall stehen, also auch in Deutschland?
Das ist richtig. Denn parallel, so wie das Fahrzeug sich stärker digitalisiert, sehen Sie ja überall auch eine stärkere Digitalisierung in der Fertigung und damit einhergehende Produktivitätsverbesserungen, so dass der Personalkostenanteil wahrscheinlich in der Zukunft schrittweise noch weiter sinkt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Durch die Automatisierung erzielen Sie auch einen sehr hohen Qualitätsgrad, oder?
In der Regel sind in unseren hochautomatisierten Anlagen die Prüfprozesse bereits integriert. So gewährleisten wir einen geringeren Nacharbeitsaufwand und vom Start weg eine bessere Qualität. Das ist bei diesen Teilen auch absolut erforderlich, weil sie ansonsten mit der Kostensituation nicht zurechtkommen. Zu dem arbeiten wir in Teilen unseres weltweiten Produktionsnetzwerks verstärkt mit Big-Data-Analysen. Durch solche Methoden können wir die Effizienz unserer Prozesse und die Qualität unserer Produkte nochmal verbessern.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wäre so eine Batterieproduktionsanlage, die Sie verkaufen, nicht auch für China oder Emerging Markets prädestiniert, weil dort das Know-how und die Qualität der Mitarbeiter nicht so toll sind?
Ich warne davor, regionale Unterschiede zu machen in der Frage, wie weit ist die eine oder andere Region in der Kompetenz und Qualität der zukünftigen Produkte. Wir gehen davon aus, dass unsere Anlagen überall zum Einsatz kommen können und müssen. Das ist im Übrigen bei heutigen Plattformlösungen, die wir für unsere Kunden gefunden und entwickelt haben, auch schon so. Wir haben zum Teil neu Produkte, so genannte First-to-Market-Produkte, in Asien zum ersten Mal produziert und nicht mehr in Deutschland.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Können Sie nur bestimmte Zellarten bedienen oder alle?
Wir legen uns da im Moment noch nicht fest. Die Zellart festzulegen ist Sache der Entwicklungsingenieure. Grundsätzlich kommen unsere Anlagen aber mit allen gängigen Zellarten zurecht, denn das wird im Engineering definiert.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Könnten Sie sich vorstellen, in einem Konsortium mitzuwirken, um das Thema Batteriefertigung hier in Deutschland umzusetzen?
Da gibt es im Moment keine strategischen Überlegungen. Umsetzen im Sinne von Einbringung unserer Anlagenkompetenz – ganz sicher ja.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wie hoch schätzen Sie für diesen Bereich die Wachstumschancen ein?
Das wird sich mit den Marktmöglichkeiten ergeben. Und natürlich auch vom Erfolg unserer bisherigen Akquisitionsprojekte abhängen. Es kommen ja schon einige Batterien aus Anlagen, die von Thyssenkrupp hergestellt wurden. So sind in 2016 die vier meistverkauften E-Autos in Deutschland mit Batterien gefahren, die auf von Thyssenkrupp gelieferten Anlagen hergestellt wurden. Insgesamt hat unser Unternehmen bereits mehr als 14 Batterieprojekte weltweit realisiert.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was ist Ihr Ziel noch bis Jahresende?
Wir bauen gerade sieben neue Werke, da Lenkung und Dämpfung sowie Federn und Stabilisatoren gerade einen Nachfrageschub erleben. Außerdem fahren wir noch Kapazitäten bei unseren Nockenwellensystemen hoch, um unsere Kunden mit sehr effizienten Zylinderkopfmodulen zu beliefern. Die tragen maßgeblich dazu bei, dass der Verbrauch von CO2 runter geht. Wir haben im Moment sehr viele neue Produkte, insbesondere im Lenkungs- und Dämpfungsbereich. Diese Werke jetzt sehr schnell auf die Kammstückzahl zu bringen, damit unsere Kunden termingerecht und in der vereinbarten Qualität beliefert werden können – das steht für mich derzeit im Vordergrund.

Kurzer Lebenslauf von Dr. Karsten Kroos, Thyssenkrupp.
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