Frank Müller, Global Vice President, TRW Occupant Safety Systems

TRW konnte 2010 über das gesamte Produktportfolio hinweg erhebliches Neugeschäft generieren, erklärt Frank Müller, Global Vice President, TRW Occupant Safety Systems. - Bild: TRW

Frank Müller, Global Vice President bei TRW Occupant Safety Systems, stand Rede und Antwort bei unserer Trends-2011-Umfrage der AUTOMOBIL PRODUKTION.

 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Müller, Post-Automotive- und Post-Finanzkrise 2008/2009, wahrscheinlich die schwerste Zeit seit 1929 und dem Zweiten Weltkrieg, mit Blick in Ihre Auftragsbücher, wie positiv ging 2010 zu Ende, wie wird 2011 für TRW?
2010 war für TRW Automotive ein sehr erfolgreiches Jahr. In den ersten drei Quartalen wurden Rekordergebnisse bei der Akquisition von Neugeschäft, der Profitabilität, dem Cash Flow und der Reduzierung der Nettoverschuldung erzielt. Es ist davon auszugehen, dass wir das Jahr 2010 stark beenden werden und mit einer gesunden Finanzstruktur in das nächste Jahr starten. Da wir in 2010 über das gesamte TRW-Produktportfolio hinweg erhebliches Neugeschäft generieren konnten, ist TRW für zukünftiges Wachstum sehr gut aufgestellt. Auch in den Schwellenländern, insbesondere in Brasilien, China und Indien wachsen wir mehr als der Markt und gewinnen Marktanteile.

Um auch zukünftig den Erfolg von TRW zu sichern, bleiben wir unseren bisherigen strategischen Zielen treu – das heißt wir setzen weiter auf Qualität, die Reduktion von Kosten, unsere Innovationskraft und die Vorteile unserer globalen Präsenz in den wichtigsten Automobilmärkten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Prof. Sinn vom Ifo rechnet für Deutschland – nach der vorhergesagten Apokalypse noch vor knapp zwei Jahren – nun mit „biblischen sieben fetten Jahren“. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu? Wenn nicht, warum nicht für Sie?
Ob es tatsächlich sieben fette Jahre sein werden, bleibt natürlich abzuwarten. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass langfristige Marktvorhersagen mit großer Vorsicht zu bewerten sind. Dennoch schauen wir bei TRW in jedem Fall optimistisch in die Zukunft und sehen für uns große Chancen vom wirtschaftlichen Aufschwung in unserer Branche zu profitieren – dabei schauen wir als global aufgestelltes Unternehmen nicht nur nach Deutschland, auch wenn TRW hier an 19 Standorten mehr als 11.000 Mitarbeiter beschäftigt und somit innerhalb des Konzerns die stärkste Präsenz in ganz Europa hat.

Selbstverständlich erwarten unsere Kunden nicht nur globale Präsenz, sondern suchen verstärkt nach Tier-1-Zulieferern wie TRW, die sie in allen Märkten mit einem möglichst breiten Produktportfolio unterstützen können. Unser Vorteil hierbei ist, dass TRW sich auf die gesamte Bandbreite der aktiven und passiven Sicherheitssysteme spezialisiert hat und von der Entwicklung bis zur Serienlieferung alle Leistungen in den wesentlichen Regionen anbietet. Der Trend zu höherer Fahrzeugsicherheit verbunden mit gesetzlichen Richtlinien eröffnet Wachstumspotentiale für die Zulieferer und gleichzeitig Differenzierungspotentiale für die Fahrzeughersteller.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Damoklesschwerter wie Rohstoffknappheit, Stichwort seltene Metalle, Währungs-Schwankungen/-Konflikte (Dollarschwäche/Eurostärke), der drohende Double Dip in den USA (verunsicherter Absatzmarkt) – welches sind Ihrer Ansicht nach die wahren Herausforderungen 2011 und darüber hinaus?
Die größte Herausforderung für 2011 wird sein, das Wachstum zu managen und trotz steigender Produktionsvolumen die Kostenkontrolle nicht aus den Augen zu verlieren. Denn entscheidend ist, dass wir aus der Krise gelernt haben, unsere Strukturkosten dauerhaft niedrig zu halten und somit auch langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Gleichzeitig müssen wir das Wachstum in den Schwellenländern unterstützen, in diesen Regionen investieren und Technologien mit Mehrwert anbieten.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichworte Leichtbau/Downsizing, Integration mobiler (internetbasierter) Technologien/Dienste, E-Mobilität/Hybridisierung bei Fahrzeugen/Materialien: Welche Trends im Automobilbau werden Ihr Produktportfolio mittelfristig wie verändern? Und was will Ihr Kunde?
Als Spezialist für Fahrzeugsicherheit hat TRW sein Portfolio vor allem auf die folgenden globalen Trends ausgerichtet: Wachstum im Kleinwagensegment, verbesserte Kraftstoffnutzung und besseren Schutz der Fahrzeuginsassen. Letzteres erreichen wir vor allem dadurch, dass wir unseren Kunden und deren Kunden erschwinglichere Lösungen für jedes Fahrzeugsegment und jeden Markt zugänglich machen.

Bei TRW fassen wir diesen Anspruch in drei Denkansätzen zusammen: „Fortschrittliches Denken“ steht für innovative Sicherheitssysteme, „Umweltfreundliches Denken“ repräsentiert den Schutz von Mensch und Umwelt und „Vorausschauendes Denken“ hat die Entwicklung von erschwinglichen Lösungen mit Mehrwert für den Kunden zum Ziel.

 

Mit mehr als 2.000 Ingenieuren verfügt TRW in Deutschland über die weltweit größte Entwicklungskapazität innerhalb des Konzerns: Airbag-Produktion in Alfdorf. - Bild: TRW

AUTOMOBIL PRODUKTION: Fokus Deutschland: Ingenieur- resp. Fachkräftemangel, Alterung der Gesellschaft und Rente mit 67, drohende Lohnkostensteigerungen, fehlgeleitete Kundenerwartungen an künftige Elektromobilität, wie schlimm ist es wirklich?
Deutschland ist für TRW ein entscheidender Markt und damit als Produktions- und Entwicklungsstandort von hoher Bedeutung. Mit mehr als 2.000 Ingenieuren verfügen wir in Deutschland über die weltweit größte Entwicklungskapazität innerhalb unseres Unternehmens. Zwar müssen in Deutschland einige Herausforderungen gemeistert werden, aber die Automobilindustrie ist gesund und blickt einer soliden Zukunft entgegen. Solange wir weiterhin dafür Sorge tragen, dass die Kunden mit ihren Wünschen und Anforderungen im Mittelpunkt stehen, können wir sicher sein, auch in Zukunft die richtigen Produkte zu entwickeln und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Wir können stolz darauf sein, wie erfolgreich die Industrie die Krise bewältigt hat, ohne dabei jedoch zu selbstgefällig den vor uns liegenden Herausforderungen zu begegnen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: VW-Chef Prof. Dr. Martin Winterkorn will bekanntlich Toyota und GM als weltgrößte Autobauer ablösen. Welche Ziele haben Sie sich für 2011 ff. gesetzt?
2011 stehen für uns das Wachstum und die Unterstützung unserer Kunden in deren Wachstum in den Schwellenländern im Mittelpunkt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wie wollen Sie diese erreichen?
TRW hat sich selbst langfristige strategische Ziele gesetzt, die das Unternehmen erfolgreich durch die schwerste Wirtschaftskrise der Geschichte und zu Rekordergebnissen in 2010 geführt haben. Daher werden wir auch in 2011 diesen Fokus beibehalten. Wir werden weiterhin auf innovative Technologien zu erschwinglichen Preisen bei bestmöglicher Qualität setzen. Außerdem ist es unser Ziel, unsere weltweite Präsenz auszubauen. Beispielsweise wird TRW seine Investitionen in China und Brasilien verstärken und damit bereits beauftragte Serienstarts zu unterstützen. Seine strategischen Ziele entwickelt TRW mit detaillierten Roadmaps stetig weiter. Hier können wir beispielsweise sehen, wie wir gerade in den Bereichen Kostenreduktion und Qualitätsverbesserung bis heute jährlich Steigerungen erzielen konnten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wirkt sich der dauernd steigende Kostendruck vonseiten der Kunden und der Wettbewerber auf Ihr Unternehmen aus – umsatztechnisch im Hinblick auf Ihr Automotive-Geschäft? Mit welchen Auswirkungen auf bestehende Standorte und die künftige Standortauswahl? Wo planen Sie bis 2015 neue Investitionen, neue Werke? Was heißt das für den Produktionsstandort Deutschland?
In Brasilien und China hat TRW ein enormes Wachstum erfahren – das sogar über dem Markttrend liegt – und wird daher in diesen Regionen weiter erheblich investieren. Deutschland wird weiterhin eine Schlüsselposition als Produktionsstandort sowie für Forschung und Entwicklung bei TRW einnehmen – wir betreiben hier 19 Standorte, einschließlich neun Technologiezentren. Wir haben zudem wichtiges Neugeschäft mit deutschen Fahrzeugherstellern gewonnen, und solange die deutsche Wirtschaft stabil bleibt, werden wir hier auch weiterhin investieren.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichwort Markt-/Einkaufsmacht: Die Verteilungskämpfe innerhalb der Gesellschaften wie zwischen den Staaten/Wirtschaftsmächten werden härter – viel scheint derweil auf ‚Krawall gebürstet‘ zu sein. Auch im Automobilbau kann von den vielbeschworenen Partnerschaften keine Rede sein, eher ist der Tenor: Der Kunde ruft, der Lieferant hat zu gehorchen. Wie entwickelt sich Ihr Verhältnis zu den OEM-Kunden/ zu den Zulieferern? Wird der Ton in der Branche noch rauer? Was bedeutet das für die Zukunft?
Wir pflegen zu unseren Kunden positive Beziehungen, die in der Mehrzahl bereits über Jahrzehnte hinweg bestehen. Als globaler Tier-1-Zulieferer verstehen wir uns als Technologiepartner, der mit den Herstellern zusammenarbeitet und so die Lieferungen für globale Plattformen sicherstellt. Es ist in der Tat ein hartes Geschäft mit großem Konkurrenzdruck, aber wir bieten genau die Technologie, den Support und die Qualität, die unsere Kunden erwarten. Und damit sind wir erfolgreich.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Machen Sie sich, macht sich die deutsche Autobranche von China auf Dauer zu abhängig?
Wir sind uns sicher, dass die deutsche Wirtschaft eine strahlende Zukunft hat. China kann als wichtiger Akteur mit zunehmender internationaler Bedeutung und langfristigem Wachstumspotential natürlich nicht ignoriert werden. Unternehmen müssen daher sicherstellen, dass sie global aufgestellt und weltweit wettbewerbsfähig bleiben – genau so hat sich TRW positioniert.

Die Fragen der AUTOMOBIL PRODUKTION stellte Andreas Gottwald