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"Der Name bleibt erhalten und wird als Valeo-Peiker-Telematics geführt, wegen der guten Reputation von Peiker", sagte Herr Ziems im Interview.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Ziems, die Übernahme von Peiker ist inzwischen abgeschlossen. Wie sehen jetzt die nächsten Integrationsschritte aus?
Wir haben ein Steering-Committee ins Leben gerufen, in dem Personen aus dem Management von Valeo und Peiker vertreten sind. Das setzt sich jede Woche zusammen, um den Integrationsprozess zu definieren und dann auch entsprechend umzusetzen und den Fortgang zu überprüfen. Das sind Dinge, die sich simpel anhören, aber nicht simpel sind, schließlich geht es darum, die jeweiligen Systeme abzustimmen und zusammenzu- führen. Ziel ist die volle Integration von Peiker, so dass das Unternehmen auch wirklich ein Bestandteil unseres Unternehmens und unserer Organisation ist und am Ende des Tages Teil unserer Struktur wird. Das geht aber eben nicht, indem man nun einfach die Valeo-Struktur überstülpt. Da müssen die Kulturen und Strukturen zusammenwachsen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie betonen die volle Integration von Peiker. Bleibt der Name der Marke erhalten?
Ja, der Name bleibt erhalten und wird als Valeo-Peiker Telematics weitergeführt. Das ist schon etwas ungewöhnlich. Üblicherweise ist es bei Valeo so, dass wir die zugekauften Unternehmen voll integrieren und deren Name in Valeo aufgeht. Das wollen wir aber hier anders handhaben, weil Peiker eine sehr gute Reputation am Markt hat. Deswegen künftig auch Valeo-Peiker Telematics einerseits. Andererseits wird dies eine Produktlinie sein, die wiederum innerhalb unserer Organisation zu einer Produktgruppe gehört, die ihren Sitz in Frankreich hat, also strukturell eine volle Integration erfolgt.

AUTOMOBIL PRODUKTION 5/2016
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AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wird sich das auf die Standorte von Peiker und Valeo auswirken? Sie sind ja bisher auch schon im Bereich Connectivity aktiv...
Ja, Valeo ist im Bereich Connectivity aktiv, aber: Bei den Telematik-Produkten, wie sie von Peiker entwickelt und produziert werden, gibt es so gut wie keine Überschneidung. In der Produktentwicklung als solches, da sind wir sehr froh, ist bei Peiker sehr viel Expertise vorhanden. Das war ja auch einer der wesentlichen Gründe für diese Akquisition. Auf der Produktionsseite ist es im Prinzip egal, wo und auf welchen Maschinen die Produkte hergestellt werden. Da die Kapazitäten und die Strukturen bei Peiker vorhanden sind, ist hier im Moment kein wirklicher Bedarf vorhanden, Dinge miteinander zu verschneiden. Das für uns Entscheidende ist, dass Valeo durch die Übernahme im Bereich Telematics einen ganz anderen Zugang zu diesen Märkten bekommt, vor allem zu den großen OEMs. Das wird ein echter Benefit sein für diese Produktlinie und deren Produkte. Das ist das eine und das andere ist, dass wir eine Menge an Vorentwicklungsaktivitäten haben, wo wir die Peiker-Organisation mit einbinden können. Und umgekehrt bekommt Peiker durch Valeo einen stabilen Background, den es braucht, um neue Produkte in die Serie zu bekommen. Das hat Andreas Peiker selbst als einen der wesentlichen Punkte für den Verkauf genannt: dass man als mittelständisches Unternehmen einen Großen wie uns braucht, der noch mehr investieren kann, als es Peiker selbst konnte.

Zur Person
Alexander Ziems
ist das, was man gerne als ein „Urgestein“ eines Unternehmens bezeichnet. Im September 1997 trat er seinen Posten als President der Valeo Group Deutschland an und diesen Posten bekleidet er immer noch für den französischen Zuliefererriesen. Mit 5.500 Mitarbeitern – nach der Peiker-Übernahme – ist Valeo Deutschland eine personell überschaubare Einheit, dennoch fällt Ziems eine Schlüsselrolle zu, denn: Vom Gesamtumsatz in Größenordnung von 14,5 Mrd. Euro (2015) macht der Zulieferer 30 Prozent mit den deutschen Premium-OEMs. In der Verbindung spielt Ziems eine zentrale Rolle.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wird Ihr Entwicklungszentrum in Bietigheim-Bissingen Schnittstelle zur Peiker-Entwicklung?
Es ist ganz klar geplant, dass Peiker dort, wo sie heute ihren Standort haben, dort wo die Entwickler sitzen, dort wo letztlich die Kompetenz sitzt, dass das auch genau dort bleibt. Dass es darüber hinaus Schnittstellen in der Entwicklung gibt, ist letztlich ja Sinn und Zweck, um die sich ergebenden Synergien optimal zu nutzen. Diese Schnittstelle wird aber weniger in Bietigheim sein, da die Peiker-Produktlinie eher an unsere integrierte Elektronik angedockt wird, deren Entwicklungsabteilung in der Nähe von Paris angesiedelt ist.