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Klein und groß - Peiker hat in der Valeo-Welt die Größe einer Abteilung...

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stärkt die Übernahme die Position der deutschen Valeo?
Das kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Wir haben im Vorfeld der Akquisition mit unseren deutschen Kunden gesprochen, und zwar auf Top-Management-Ebene, um auch deren Sichtweise zu verstehen. Unser Kunde ist ja nicht unbedingt immer glücklich, wenn ein mittelständisches Unternehmen von einem großen globalen Unternehmen übernommen wird; man hat ja gerne auch ein bisschen Diversifizierung in der Zulieferschaft. Klammert man das aber aus, kamen von den wichtigsten Peiker-Kunden Daimler, BMW und VW absolut positive Signale in zwei Richtungen. Die eine: Jawohl das ist gut, dass man so ein Unternehmen in einen globalen Konzern einführt. Die andere: Das Peiker-Know-How wird Valeo gut tun und uns zu einem noch interessanteren Partner machen. In Summe ist das auch für den Standort eine gute Geschichte – wenngleich auf der eher emotionalen Ebene. Denn eines muss man auch sehen: Am Ende bekommen wir dafür, dass wir in Deutschland mehr Menschen beschäftigen und mehr produzieren, auch von den

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Mio. vs. Mrd. - ...das gilt auch für die Umsatzzahlen. Peiker gilt aber als neue Perle von Valeo. Grafiken: AUTOMOBIL PRODUKTION

deutschen Kunden nicht unbedingt einen Bonus.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Ziems, Sie betonen die ideale Ergänzung von Peiker im Bereich des autonomen Fahrens zu Valeo. Ein Beispiel bitte...
Es ist ja so, dass wir im Bereich Connectivity und hier gerade bei der Highspeed-Datenübertragung keine Kernkompetenz hatten und die nun über das Telematik Modul von Peiker bekommen. Peiker ist in diesem Bereich an zweiter Stelle der Weltmarktführung, nur LG ist noch größer. Auch die anderen Mitbewerber sind nicht so weit wie Peiker und wir waren es auch nicht. Unser erklärtes Ziel ist, beim autonomen Fahren ganz vorne mit dabei zu sein. Wo wir heute schon sehr stark sind, ist in einzelnen Bereichen wie Sensorik, Ultraschall, Radar und natürlich bei den Kamerasystemen. Weniger stark waren wir im Themenfeld Connectivity und Highspeed-Übertragung im Fahrzeug. Insofern ist es nahezu ein idealer Baustein, der jetzt dazukommt, um ein gesamtes System dem Kunden anbieten zu können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sind Sie mit der Übernahme so aufgestellt, dass Sie sagen: Damit sind wir schon ganz vorne als Systempartner für das autonome Fahren?
Auch da gibt es ein klares Ja. Denn was wir bisher gemacht haben und was jetzt auch gerade zum Beispiel bei der Mercedes E-Klasse, das autonome Parken mittels Handysteuerung von außerhalb, eingeführt wurde und was von uns entwickelt wurde, das ist schon wieder ein neues Benchmark in der Automobilindustrie. Das Auto kann sicherlich ein bisschen mehr als Fahrzeuge, die ein halbes Jahr zuvor gelauncht wurden. Und so wird es weitergehen. Valeo war durch seine automatische Einparkhilfe bei VW ohnehin in einer Vorreiterrolle und das sehen wir auch heute. Wir haben die notwendige Sensorik- plus der Elektronikkompetenz noch erweitert um die Telematikompetenz. Mit diesem Package sehen wir uns wirklich ganz vorne bei der Entwicklung des autonomen Fahrens.