VDA-Geschäftsführer Ulrich Eichhorn

“Eine Verschärfung der Grenzwerte durch die Hintertür muss ausgeschlossen bleiben”, fordert VDA-Geschäftsführer Ulrich Eichhorn.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der WLTP (Worlwide Harmonized Light Duty Test Procedure) soll einen Wert generieren, der weltweit repräsentativ ist, um Fahrzeuge weltweit vergleichbar zu machen. Wie wird dieser (Durchschnitts-)Wert ermittelt?
Der WLTP-Fahrzyklus wurde aus weltweit gesammelten Realfahrdaten generiert und repräsentiert daher eine weltweit durchschnittliche Autofahrt. Das Verkehrsgeschehen, die Witterungsverhältnisse werden sich aber auch künftig in den verschiedenen Weltregionen unterscheiden – und damit auch der reale Verbrauch. Zudem haben sich einige automobilproduzierende Staaten – zum Beispiel die USA – bereits gegen eine rasche Einführung des neuen Zyklus ausgesprochen. Es ist daher davon auszugehen, dass nach einer Einführung des WLTP weiterhin gilt, was auch heute Tatsache ist: Ein Testzyklus stellt einen objektiven Maßstab zum Vergleich technischer Produkte dar. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Unterschiede berücksichtigt der WLTP im Vergleich zum europäischen NEFZ (neuer Europäischer Fahrzyklus)?
Insgesamt weist der Weltzyklus eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit auf: Sie steigt gegenüber dem NEFZ von 34 km/h auf knapp 47 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit steigt von 120 auf 131 km/h, außerdem wird dynamischer beschleunigt. Der neue Fahrzyklus dauert darüber hinaus länger – 30 statt 20 Minuten. Die Stehzeiten werden wiederum verringert. Im NEFZ wurden Sonderausstattungen bisher ausgeklammert. Das ändert sich. Der WLTP sieht vor, dass Gewicht, Aerodynamik und Strombedarf von Sonderausstattungen mit eingerechnet werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ursprünglich plante die Europäische Kommission die Einführung des WLTP ab 2017/2018. Sprechen Sie sich für eine Beschleunigung aus?
Das Ziel ist realistisch und erreichbar. Wir setzen uns dafür ein, den WLTP planmäßig einzuführen. Neben dem Fahrprofil sind inzwischen auch die Messbedingungen festgelegt. Nun geht es darum, zu ermitteln, wie NEFZ- und WLTP-Werte zusammenhängen. Die Abweichungen werden bei verschiedenen Fahrzeugtypen unterschiedlich ausfallen. Erste Tests deuten aber darauf hin, dass der WLTP zu mindestens 20 Prozent höheren CO2- und Verbrauchsmesswerten führt. Das muss genau berücksichtigt werden. Denn schließlich basiert die europäische CO2-Regulierung derzeit noch auf NEFZ-Werten. Eine Verschärfung der Grenzwerte durch die Hintertür muss ausgeschlossen bleiben.

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