Klaus Dehnert, Sales & Marketing Director Eaton Vehicle Group EMEA

"Wir verzeichnen eine anhaltend steigende Nachfrage nach unseren kraftstoff- und emissionssparenden Kompressoren, Hybridantrieben und Komponenten", sagt Klaus Dehnert, Sales & Marketing Director Eaton Vehicle Group EMEA. - Bild: Eaton

 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Dehnert, Post-Automotive- und Post-Finanzkrise 2008/2009, wahrscheinlich die schwerste Zeit seit 1929 und dem Zweiten Weltkrieg, mit Blick in Ihre Auftragsbücher, wie positiv ging 2010 zu Ende, wie wird 2011 für Eaton?
Die Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass sich Eatons globale Diversifikationsstrategie ausgezahlt hat. Neben dem Fahrzeugbereich – zusammengefasst in der Vehicle Group – sind wir mit Elektrotechnik, Aerospace und Hydraulik in verschiedenen globalen Wachstumsmärkten aktiv. So können wir Konjunkturschwankungen einzelner Märkte besser ausgleichen. Eaton erzielt über 55 Prozent des Gesamtumsatzes außerhalb der USA und 22 Prozent in Emerging Markets.

Als Vehicle Group sind wir somit für unsere Pkw- und Nfz-Kunden ein global aufgestellter Partner. Unsere Vorhersagen in diesen Bereichen für 2011 sind vorsichtig optimistisch. Wir erwarten nachhaltiges Wachstum bei vielen europäischen OEMs durch hohe Exporte und eine stärkere Nachfrage vor allem im Premium-Segment. Bei Eaton verzeichnen wir eine anhaltend steigende Nachfrage nach unseren kraftstoff- und emissionssparenden Kompressoren, Hybridantrieben und Komponenten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Prof. Sinn vom Ifo rechnet für Deutschland – nach der vorhergesagten Apokalypse noch vor knapp zwei Jahren – nun mit „biblischen sieben fetten Jahren“. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu? Wenn nicht, warum nicht für Sie?
Die Automobilbranche ist heute ganz und gar global. Es ist unsere Strategie, unsere Kunden bei ihren Entscheidgungen am Stammsitz zu beraten und sie durch unser globales Serviceangebot mit lokaler Forschung und Entwicklung zu unterstützen. Deutsche Fahrzeugexporte nach Osteuropa, Asien und in die USA stützen aus unserer Sicht eine positive Prognose.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Damoklesschwerter wie Rohstoffknappheit, Stichwort seltene Metalle, Währungs-Schwankungen/-Konflikte (Dollarschwäche/Eurostärke), der drohende Double Dip in den USA (verunsicherter Absatzmarkt) – welches sind Ihrer Ansicht nach die wahren Herausforderungen 2011 und darüber hinaus?
Als die wahren Herausforderungen in 2011und den darauffolgenden Jahren zeichnen sich heute das Vertrauen der Verbraucher, die politische Stabilität der Länder, das Ethikverständnis in der Industrie, eine steigende Konkurrenz um Fachkräfte, sowie die regionale Anpassungsfähigkeit an das sich ändernde wirtschaftliche Umfeld ab.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichworte Leichtbau/Downsizing, Integration mobiler (internetbasierter) Technologien/Dienste, E-Mobilität/Hybridisierung bei Fahrzeugen/Materialien: Welche Trends im Automobilbau werden Ihr Produktportfolio mittelfristig wie verändern? Und was will Ihr Kunde?
Als Trends im Automobilbau sehen wir weiterhin Kraftstoffeinsparungen und Emissionsreduzierungen im Fokus der Kunden. Eaton ist in dieser Hinsicht gut aufgestellt: Wir sind weltweiter Markführer für Hybridantriebe bei Nutzfahrzeugen, für Ventiltriebe im Automobilsektor und sehen ein weiteres, starkes Wachstum im Bereich Kompressoren zur Motoraufladung. Gerade mit unseren Kompressoren ermöglichen wir den OEMs stärkeres Motordownsizing, eine Reduzierung von Kraftstoffverbrauch und Emissionen sowie gleichzeitig eine verbesserte Motorleistung. Wir erwarten, dass der Markt für Kompressoren zur Motoraufladung durch den starken Downsizing-Trend deutlich zunehmen wird.

AUTOMOBIL PRODUKTION: VW-Chef Prof. Dr. Martin Winterkorn will bekanntlich Toyota und GM als weltgrößte Autobauer ablösen. Welche Ziele haben Sie sich für 2011 ff. gesetzt?
Eaton will sich als global aufgestelltes Unternehmen noch deutlicher positionieren und insbesondere seine Präsenz im europäischen Markt verstärken. Wir wollen unsere führende Marktposition in den von uns identifizierten Wachstumsbereichen Hybridantriebe, Ventiltriebe und Kompressoren zur Motoraufladung festigen und ausbauen. Dazu werden wir Synergien der einzelnen Geschäftsbereiche von Eaton stärker forcieren. Beispielsweise arbeiten schon heute der Eletrical Sector und die Vehicle Group bei der Konstruktion von Ladestationen für elektrische Fahrzeuge zusammen. Außerdem wollen wir unsere Kompressoren als Alternative zum Turbolader vor allem auch im europäischen Markt stärker positionieren und bekannter machen.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wirkt sich der dauernd steigende Kostendruck vonseiten der Kunden und der Wettbewerber auf Ihr Unternehmen aus – umsatztechnisch im Hinblick auf Ihr Automotive-Geschäft? Mit welchen Auswirkungen auf bestehende Standorte und die künftige Standortauswahl? Wo planen Sie bis 2015 neue Investitionen, neue Werke? Was heißt das für den Produktionsstandort Deutschland?
Im vergangenen Jahr hat Eaton konzernweit eine regionale Managementstruktur eingeführt. Mit Nanda Kumar wurde der EMEA President für die Vehicle Group vorgestellt. Wir können heute schnellere und gezielterer Entscheidungen für unsere europäischen Kunden treffen. Gleichzeitig haben wir uns zum Ziel gesetzt, eine stärkere Präsenz in Europa aufzubauen, um noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden reagieren zu können. Hierzu hat Eaton in den vergangenen Jahren drei zentrale Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Deutschland, Italien und Polen errichtet und ausgebaut und wird auch in 2011 diese Strategie vorantreiben. In Deutschland bauen wir als zentrales Entwicklungszentrum den Standort Rastatt weiter aus, um dort die Ingenieurskompetenz aller Produktsparten der Eaton Vehicle Group zu bündeln.

Ingenieurskompetenz aller Produktsparten der Eaton Vehicle Group gebündelt: Produktcheck an Systemprüfständen und mit Datenerfassungssystemen im Engineering Center von Eaton in Rastatt. - Bild: Eaton

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichwort Markt-/Einkaufsmacht: Die Verteilungskämpfe innerhalb der Gesellschaften wie zwischen den Staaten/Wirtschaftsmächten werden härter – viel scheint derweil auf ‚Krawall gebürstet‘ zu sein. Auch im Automobilbau kann von den vielbeschworenen Partnerschaften keine Rede sein, eher ist der Tenor: Der Kunde ruft, der Lieferant hat zu gehorchen. Wie entwickelt sich Ihr Verhältnis zu den OEM-Kunden/ zu den Zulieferern? Wird der Ton in der Branche noch rauer? Was bedeutet das für die Zukunft?
Eaton pflegt hervorragende Beziehungen zu seinen weltweiten Automobil- und Nutzfahrzeugkunden und zu seinen Lieferanten und Geschäftspartnern. Eatons Fokus auf kraftstoff- und emissionssparende Technologien ermöglicht uns neue Kundenbeziehungen aufzubauen und unsere Wertigkeit bei bestehenden Kunden zu erhöhen.

Die Fragen der AUTOMOBIL PRODUKTION stellte Andreas Gottwald