Das bessere ist bekanntlich der Feind des guten – ein altes Sprichwort trifft auch auf den neuen Audi A6 Avant zu. Bereits der Vorgänger, nein die Vorgänger, gehörten zu den schönsten Kombis, die man kaufen konnte. Das wird beim neuen Modell keinesfalls anders. Auch wenn der Designfortschritt bei der Limousine durch das blasse Vorgängermodell deutlicher herauskam – der neue Avant sieht wieder einmal schick aus – sehr schick. Bis zu B-Säule gibt es das bekannte A6- / A7-Paket und es überrascht nicht, dass sich der Audi gerade auch von hinten sehen lassen kann. Dabei läuft die Heckscheibe flacher als bisher aus ohne das Ladevolumen negativ zu beeinflussen. Die Radhäuser sind wie bei allen Modellen aus der Hand von Audi-Chefdesigner Marc Lichte etwas mehr ausgestellt als bisher. Man kann sich bereits auf das Topmodell RS 6 freuen, wo die Backen noch besser herauskommen.

Doch echte Überraschungen sucht man im Design des Oberklassekombis vergeblich. Das Risiko wäre wohl zu hoch, denn der A6 muss für Audi finanziell wieder einmal die Kohlen aus dem Feuer holen. Ähnlich wie bei den direkten Wettbewerbern BMW 5er und Mercedes E-Klasse ist der A6 – gerade als Avant – das Modell, mit dem Audi das meiste Geld verdient. Viele Kunden fahren den Audi A6 als Dienstwagen. Langstreckenkomfort, zahlreiche Assistenzsysteme, dazu ebenso starke wie sparsame Motoren sind somit das A und O. Das Platzangebot in dem 4,94 Meter langen Kombi ist überaus üppig – vorne wie hinten lässt es sich sehr bequem sitzen. Elektrische und klimatisierte Sitze sorgen mit Massagefunktion für größtmöglichen Komfort. Auch hinten lässt sich die Temperatur von Luft und Sitzüberflächen (nur Heizung) variabel einstellen. Etwas zu kurz: die Fondkopfstützen. Das Ladevolumen hinter der elektrischen Heckklappe ist mit 565 bis 1.680 Liter opulent. Um das Gepäck entsprechend zu sichern, gibt es wie bisher ein Schienensystem mit Verzurrösen, Netz und Haken.

Das Antriebsportfolio ist identisch mit dem der A6 Limousine und auch beim Avant wurde die Handschaltung aus dem Angebot gestrichen. Zum Marktstart gibt es einen V6-Benziner mit drei Litern Hubraum und 350 kW / 340 PS. Die größte Nachfrage dürfte insbesondere in Europa auf den Dieselversionen liegen, wovon ein 150 kW / 204 PS starker Zweiliter-Vierzylinder die Basis bildet. Deutlich standesgemäßer sind die beiden Dreiliter-V6-Diesel mit 231 und 286 PS, die ebenso wie der V6-Benziner Allradler sind. Einen Plug-In-Hybriden sucht man zum Marktstart im Sommer vergeblich; zumindest arbeiten alle Motoren mit einem Riemen-Starter-Generator nebst Mild-Hybrid-System, das durch Bremsenergie-Rückgewinnung bis zu 12 Kilowatt Leistung zurück in eine Lithium-Ionen-Batterie speist, als der geboostet werden kann. Beim Einstiegsmodell, das ab Herbst ebenfalls als Allradler nachgelegt wird, gibt es ein 12-Volt-Bordnetz zur Rückgewinnung. Bei den stärkeren Sechszylindern arbeitet ein 48-Volt-Teilbordnetz.

Beim Fahrwerk hat der geneigte A6-Kunde alle Möglichkeiten. Neben der serienmäßigen Stahlfederung gibt es auf Wunsch ein Sportfahrwerk, adaptive Dämpferregelung und eine variable Luftfeder. Wer es besonders dynamisch mag, entscheidet sich für die Progressivlenkung nebst Allradlenkung, die erstmals im Audi A6 angeboten wird. Ebenfalls wie bei der Limousine gibt es das neue Bediensystem mit Touchoberflächen und zwei Displays in der Mittelkonsole. Die umfangreichen Sicherheitsausstattungen umfassen die beiden Pakete Stadt und Tour, in denen verschiedenste Assistenzsysteme zusammengefasst sind. Wer über ein Android-Mobiltelefon verfügt, dass sich freuen – er kann den Autoschlüssel zu Hause lassen. Das Öffnen und Schließen lassen sich ebenso wie verschiedene Fahrzeugfunktionen über das Telefon regeln.