Jan Brecht, CIO Daimler

„Mir ist die durchgängige Kette des digitalen Zwillings wichtig“, sagt Jan Brecht, CIO der Daimler AG. Bild: Wilhelm Mierendorf

Herr Brecht, welche Organisationskonzepte halten Sie im Zeitalter des Post-Taylorismus für besonders erfolgsvorsprechend?

Die Arbeit im Produktionsbereich wird durch verschiedene IT-Tools gerade stark verändert, beispielsweise im Bereich Maintenance durch künstliche Intelligenz. Ein weiterer großer Einflussfaktor ist die Robotik, die immer stärker durch eine Hand-in-Hand-Zusammenarbeit mit dem Menschen geprägt ist. Das alles trägt in erheblichen Umfang zur Flexibilisierung der Produktion bei – und krempelt althergebrachte Organisationskonzepte kräftig um. Die 100-Prozent-Automatisierung der Fabrik ist nicht unser Ziel. Wir müssen viel mehr den jeweils optimalen Automatisierungsgrad finden, der von einer Vielzahl von Faktoren abhängt, beispielsweise den Arbeitskosten im jeweiligen Land.

Stichwort digitaler Zwilling: Wie weit lässt sich der Produktlebenszyklus schon heute digital abbilden?

Mir ist die durchgängige Kette des digitalen Zwillings wichtig. Zunächst einmal geht es darum, ein Fahrzeug digital abzubilden, seine geometrischen Eigenschaften und Funktionalitäten vollständig zu erfassen. Denkt man aus der Fahrzeugentwicklung weiter in die Produktion hinein, kann man sich zum Beispiel vorstellen, dass sich Maschinen, Anlagen und Werkzeuge irgendwann einmal wie eine Art Gipsabdruck um den digitalen Fahrzeugzwilling herum legen und selbstständig planen. So weit sind wir noch nicht, aber die Integration funktionaler, digitaler Welten in reale Fabriken ist für mich eine logische Konsequenz.

Im Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen sorgt ein erstes 5G-Indoor-Mobilfunknetz für Gigabit-Datenraten und kurze Latenzzeiten. Warum war diese Eigeninitiative notwendig?

Dass sich Daimler wie andere Industrieunternehmen auch eine deutlich schnellere und bessere Bereitstellung von digitaler Infrastruktur in Deutschland wünscht, ist kein Geheimnis. Wir hinken leider deutlich hinter anderen Nationen her, beim Glasfaserausbau ebenso wie im Mobilfunk. Mit dem Campusnetz in Sindelfingen wollen wir frühzeitig Erfahrungen mit 5G sammeln und lernen, was mit dieser Technologie alles möglich ist. Mit der Installation eines lokalen Netzes wird die Vernetzung aller Anlagen und Maschinen in den Fabriken von Mercedes-Benz Cars künftig noch intelligenter und damit effizienter. Das eröffnet komplett neue Chancen für die Produktion.

Das vollständige Interview mit Jan Brecht lesen Sie bei www.automotive.eu.