Seit dem Frühjahr wurde bei BMW gefeiert. Nicht opulent und überschwänglich, wie dies bei anderen Konzernen getan würde, sondern immer im Rahmen. Stilvoll, ohne viel Tam-Tam und jegliche Starallüren. Jeder der Konzernableger beschenkte die Kernmarke mit einer Vision für die nächsten 100 Jahre. Nach BMW, Mini und Rolls-Royce war bei der Abschlussveranstaltung in Kalifornien die Motorradsparte dran. Sie fuhr mit der BMW R32 in den frühen 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sogar noch vor den Automobilen auf die internationale Bühne. So fand nunmehr auch die Welttournee ihren inoffiziellen Abschluss, nachdem die Kernmarke BMW seine automobile Vision des Vision Next 100 bei der Auftaktveranstaltung in München gezeigt hatte, waren die Zukunftsmodelle von Mini und Rolls-Royce in London enthüllt worden, ehe es zu einem Abstecher nach Peking und einem Mitarbeiterfest im Münchner Olympiastadion ging.

Die mehr als spektakuläre Motorradstudie trägt wie alle andere Markenmodelle ebenfalls den Titel Vision Next 100. In dem dunklen Zukunftsmodell treffen vorgestern und übermorgen mehr als bei den drei Automodellen zusammen. Charaktermerkmale wie der schwarze Dreiecksrahmen oder die Silhouette des Boxermotors sind trotz des reduzierten Designs zu erkennen. "Das BMW Motorrad Vision Next 100 verkörpert das Verständnis der BMW Group von Motorradfahren in einer vernetzten Welt: es ist ein analoges Erlebnis in einer digitalen Zeit", so Edgar Heinrich, Chefdesigner bei BMW Motorrad, "es lässt mich aus dem Alltag ausbrechen. Ab dem Moment, in dem ich aufsteige, erlebe ich absolute Freiheit. - ‚The Great Escape’."

 

Ein flexibler Rahmen spannt sich vom Vorder- zum Hinterrad des Zweirades. Die Biegsamkeit soll Lenkmanöver ohne die heute üblichen Gelenke ermöglichen. Wird der Lenker bewegt, verformt sich der Rahmen und macht die Richtungsänderung einfach. Je nach Fahrsituation variieren die dafür erforderlichen Kräfte. Inmitten des schwarzen Rahmens sitzt der Antrieb als Stilelement und historische Reminiszenz. In Form und Ausführung erinnert er an den traditionellen Boxermotor, beherbergt jedoch eine emissionsfreie Antriebseinheit. Je nach Fahrsituation ändert sich die äußere Gestalt des elektrischen Boxers. Im Ruhezustand liegt er eng an. Sobald die Fahrt beginnt, fährt der Motorblock seitlich aus. Während der Fahrt optimiert er so die Aerodynamik und den Wetterschutz des Motorrads. Karosserieteile wie der Sitz, die obere Rahmenabdeckung und die Kotflügel sind aus Carbon gefertigt.

Der Clou: umfallen kann das Motorrad der Zukunft nicht mehr. Aktive Assistenzsysteme balancieren das Motorrad während der Fahrt sowie im Stand selbstständig aus. So können die Systeme dem Motorrad in bestimmten Fahrsituationen mehr Stabilität und dem Fahrer Sicherheit verleihen. Der Fahrer ist von Assistenzsystemen komplett geschützt und kann so auf Helm oder Schutzkleidung verzichten. Die wichtigsten Informationen werden auf das Glas einer Schutzbrille oder den imaginären Tank projiziert. Warnmeldung werden in der interaktiven Motorbekleidung verarbeitet. So ganz beendet ist die BMW-Welttournee mit der Abschlussveranstaltung in Santa Monica übrigens noch nicht. Alle vier Visionen sollen in den nächsten Wochen zurück in die bayrische Heimat kommen, wo sie dann in der BMW Welt zu bestaunen sein werden.