| von Wolfgang Gomoll

Manchmal wollen sich Rennfahrer selbst verwirklichen. Wie das aussieht, erkennt man am Abt Audi RS7-R. Den hat nämlich der hauseigene Geschwindigkeitsbeauftragte Daniel Abt nach seinen Wünschen gestaltet. Also finden sich überall am Auto orangene Farbtupfer: Sei es an der Frontschürze, dem Heck oder in den Felgen. Der Effekt wird noch durch den grauen Lack verstärkt, der mit einem Muster überzogen ist. Ein weiterer Hinweis, dass dies kein gewöhnliches Automobil ist, befindet sich auf dem Seitenschweller: "1 of 125" steht da geschrieben. Also gibt es von diesem speziellen Kraftmeier nur 125 Stück und das zu einem Preis von 210.300 Euro.

Dafür bekommt man auch alles, was einen Abt Audi so ausmacht. Dazu gehören natürlich jede Menge Sichtkarbonteile, die dem Wagen eine dynamische Präsenz verleihen. Doch der schickste Sportlerdress wird zur Lachnummer, wenn der Sprinter den Konkurrenten nur hinterherhechelt. Aber diese Gefahr besteht beim Abt-Geschoss mit seinen 544 kW / 720 PS definitiv nicht. Ganz im Gegenteil. Ein Lamborghini Aventador S hat genauso viel Dampf unter der Haube. Natürlich ist der Italiener um einiges leichter als der Allgäuer Kraftbolzen, der bis zur 100 km/h mit 2,9 Sekunden nur 0,3 Sekunden langsamer ist. Bei der Höchstgeschwindigkeit hat der RS7-R mit 320 km/h um 30 km/h das Nachsehen. Also können die Besitzer eines solchen Stiers aus Sant Agata Bolognese aufatmen. Allerdings nimmt der Abt Audi dem Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid beim Sprint 0,2 Sekunden und bei der Höchstgeschwindigkeit zehn km/h ab.

Zum Familien-Picknick ist man mit dem Abt Audi RS7 ohnehin schnell genug. Die Allgäuer-Motorexperten schütteln ein Leistungsplus von 103 kW / 140 PS gegenüber den Standard-Audi-RS7 nicht einfach so aus dem Ärmel, sondern greifen zu bekannten Tuningmaßnahmen, wie einem effizienteren Ladeluftkühler, einem größeren Turbolader und einer dementsprechend angepassten Motorsteuerungssoftware. Doch Bits und Bytes sowie Abstimmungskunst setzen die Gesetze der Trägheit nicht einfach außer Kraft. So auch bei diesem Vierliter-Kraftwerk, das unterhalb von 2.500 U/min noch nicht alles aus den acht Töpfen herausholt. Bei einem maximalen Drehmoment von 920 Newtonmetern ist diese Anfahrtsschwäche aber definitiv verschmerzbar. Wenn man den Druck erlebt, mit dem der Abt die anderen Verkehrsteilnehmer, darunter den einen oder anderen aus Zuffenhausen, stehen lässt, weiß man, dass das Jammern auf sehr hohem Niveau ist. Dazu kommt noch der kernige Klang des Auspuffs, mit seinen vier mächtigen Auspuffrohren mit einem Durchmesser von jeweils zehn Zentimetern.

Doch die Spezialisten aus Kempten schreiben sich auch die Agilität auf die Fahnen. "Auf das Kurvenverhalten achten wir bei der Abstimmung ganz besonders", betont der technische Leiter Armin Harlos. Damit das der Fall ist, installieren die Techniker an beiden Achsen stärkere Stabilisatoren, stimmen diese neu ab und passen sie so an das Gewindefahrwerk an. Die Technik-Kniffe zahlen sich aus. Der Abt Audi RS7-R ist wie gemacht für Landstraßenkurven. Der 2,1 Tonnen schwere Bolide bleibt lange neutral und carvt wie an der Schnur gezogen um jede Ecke. Die 285er-22-Zoll-Walzen krallen sich in den Asphalt und helfen dem Allradantrieb, die nicht ganz unbeträchtliche Masse um die Ecke zu wuchten. Lediglich bei engeren Radien, die schnell durcheilt werden, müssen die Vorderräder mehr Arbeit verrichten, um den Kraftmeier auf der Spur zu halten. Dazu passt die Audi-Lenkung, die im "Dynamic"-Modus stramm ist, aus der Mittellage nicht zu hektisch anspricht und so die Richtungsbefehle des Piloten exakt umsetzt. Im Innenraum findet man das typische Audi-Interieur vor, was sicher kein Nachteil ist. Allerdings setzen die Allgäuer auch hier auf Applikationen, Verkleidungen und Zierelemente aus Karbon, was zum Abt Audi RS7-R passt.