Wenn Fürst Albert von Monaco ein Automobil persönlich enthüllt, kommt das dem ultimativen Ritterschlag gleich. Die Top-Marques-Messe in Monaco ist ein Stelldichein der Super-Reichen. Hier kann man alle nur erdenklichen Luxus-Güter erwerben. Exklusiver Schmuck, Inseln, spektakuläre Uhren und eben auch ungewöhnliche Fahrzeuge. Der Star bei den Autos in diesem Jahr: der Alpha Phoenix. Eine schwer gepanzerte Luxus-Mercedes-G-Klasse, die den Lamborghinis, Ferraris und Rolls-Royce beim Schaulaufen im Fürstentum die Schau stahl. Als die Messe-Verantwortlichen Alpha-Armouring-Chef Klaus Ackermann den Wunsch des Fürsten mitteilten, war dieser völlig überrascht. Jetzt musste ein Enthüllungstuch her. Guter Rat war teuer. In der Not nahmen die Männer aus Bayern vier Bettlaken, klebten diese mit Tape zusammen und fertig war die Abdeckung, die Albert von Monaco dann formvollendet von dem 5,12 Meter langen Fahrzeug zog.

Schutz die oberste Maxime

“Fürst Albert war wirklich sehr freundlich und hat sich auf Deutsch nach unserem Auto erkundigt”, strahlt Firmenchef Klaus Ackermann. Das fehlende Tuch steht sinnbildlich für Alpha Armouring. Die kleine Firma aus Garching im Norden von München sucht nicht eben das grelle Scheinwerferlicht. In den schmucklosen Gebäuden im Industriegebiet nördlich von München fertigten 50 Mitarbeiter rund 80 Autos pro Jahr. Nicht jedes Fahrzeug ist ein gepanzerter Personentransporter, aber Luxus vom Feinsten bieten sie alle. Karl Maybach hätte seine wahre Freude am Alpha Amouring Phoenix. Der Innenraum der gepanzerten Edel-Mercedes-G-Klasse bietet allen nur erdenklichen Luxus: Eine Highend-Stereoanlage, einen 34-Zoll-Bildschirm, einen Apple-Mac-Computer, einen Internet-Router, eine kleine Mini-Bar und Kameras, die die Umgebung filmen und die Bilder auf den Monitor übertragen. Wenn man in den feinen Einzelsitzen im Fond Platz nimmt, füllt man sich sicher, wie in Abrahams Schoß. Feines gestepptes Leder und eine Rundum-Panzerung vermitteln ein Gefühl von “mir-kann-keiner-was”.

Das geht schon bei den gepanzerten Türen los, die dank eines Gewichtes von jeweils 170 Kilogramm so satt in das Schloss fallen, wie es bei der Serien G-Klasse nur selten der Fall ist. Schutz ist beim Alpha Phoenix die oberste Maxime: Damit keiner auf dumme Ideen kommt, gehen die Fenster im Passagierabteil nur einen Spaltweit auf und vorne nur so weit, dass Dokumente durchpassen. “Wir empfehlen den Kunden, auf Fensterheber zu verzichten”, erklärt Klaus Ackermann. Wird es dennoch einmal eng, hilft ein Druck auf einen der drei Knöpfe, die sich im Dachhimmel des Autos vor dem Rückspiegel befinden: Mit ihnen aktiviert man die Sirene, Blaulicht oder den Panik-Alarm-Hilferuf.

Übergewicht

In Krisenregionen heißt es bisweilen Haken schlagen, wenn die Kugeln an dem Stahlpanzer der umgebauten G-Klasse abprallen. Doch 4,2 Tonnen zu bewegen ist kein Pappenstiel. Deswegen faucht und wummert schon im Standgas der 5,5 Liter-V8-Biturbo-Motor aus dem Mercedes AMG G63 mit der beeindruckenden Präsenz von 544 PS vor sich hin. Jederzeit bereit, die Muskeln zu spannen und mit der mächtigen Kraft des maximalen Drehmoments von 760 Newtonmetern die Nobel-G-Klasse nach vorne zu wuchten. Tippt man auf das Gaspedal, sprintet der Achtzylinder-Athlet untermalt von einem herzhaften Donnergrollen mit einer Überzeugungskraft los, die das Zusatzgewicht von immerhin über zwei Tonnen gegenüber dem Mercedes AMG G63 fast bedeutungslos erscheinen lässt. Überholvorgänge? Kein Problem

Doch richtig interessant wird es, wenn es um schnelle Kurven geht. Dank der stärkeren Wankstabilisatoren und einem verbesserten Fahrwerk, das auf der Nordschleife des Nürburgrings seine Feuertaufe erhalten hat, pfeift der Alpha Armouring Phoenix mit einer Geschwindigkeit um die Ecken, dass selbst sportliche Pkws sich schwer tun, zu folgen. Der gepanzerte Aufbau wankt kaum und die Lenkbefehle werden präzise umgesetzt. Allerdings spürt man das mächtige Gewicht der gepanzerten G-Klasse bei jeder Lenkbewegung, was aber der spaßbringenden Fahrdynamik des schwarzlackierten Vehikels keinen Abbruch tut. Damit der 4,2-Tonnen-Koloss auch ruckzuck steht, haben die Techniker von Alpha Armouring den Bremsdruck erhöht und die Run-Flat-Reifen rollen auch dann noch, wenn auf sie geschossen wird.

Damit der Chauffeur auch entspannt seine Arbeit verrichten kann, werden Sportsitze installiert, die nicht nur Seitenhalt, sondern auch zusätzliche Beinfreiheit bieten. Davon haben die Passagiere im Fond mehr als genug. Mit einer Länge von 5,12 Metern ist der Alpha Armouring rund 45 Zentimeter länger als die Langversion der G-Klasse. Auf Knopfdruck fährt eine Scheibe und der Monitor hoch, der den Fahrgastraum von den beiden vorderen Sitzen trennt. Dann läuft die Kommunikation mit dem Lenker über eine Gegensprechanlage. Das Konzept des Phoenix hat auch die anspruchsvollen Interessenten überzeugt. “Keiner hatte irgendeinen Extra-Wunsch”, erzählt Klaus Ackermann. Der erste Phoenix ist bereits verkauft und geht in eine Region, in der die Straßen nicht immer optimal sind. Deswegen ist es gut, dass das Panzerfahrzeug keine Limousine, sondern ein SUV ist. Dank der Offroad-Fähigkeiten der G-Klasse sind solche Strecken kein Problem und die Bodenfreiheit wirkt sich auch positiv im Falle einer Explosion einer Landmine aus. Dann verflüchtigt sich nämlich die Wucht der Detonation seitlich. Wer seine kostbare Haut also mit Stil schützen will, braucht rund eine Million Euro netto und ein bisschen Geduld: Um ein solches Auto zu bauen, brauchen die Männer von Alpha Armouring etwa vier bis fünf Monate. Die ungepanzerte Version geht schneller. Da gibt es bereits zwei Interessenten, denen die ansehnliche Präsenz des mächtigen SUVs wichtig ist. Mit einem Netto-Grundpreis von 800.000 Euro ist selbst diese Version noch um über 600.000 Euro teurer als der Mercedes AMG G63.