Ein Druck auf den Startknopf - und der Aston Martin Volante DB11 erwacht zum Leben. Aus den Endrohren sprotzt und bollert es, kommt dumpfes Grollen und sonores Fauchen. Der V8-Motor unter der Fronthaube wird zwar von AMG geliefert - aber solch einen Sound bekommen nicht einmal die sportlichen Schwaben hin. Das Geheimnis dafür dürften die Aston-Ingenieure in Gaydon genau so tief im Tresor versteckt hüten wie Coca Cola das Rezept seiner Brause.

Wer im DB11 das Radio einschaltet, der hat ihn nicht verdient - der Aston sorgt selbst für die Musik. Er wirkt dabei auf wunderbare Weise durch und durch old-fashioned. Das Radio besitzt - lange nicht gesehen - einen Schlitz für eine Musik-CD. Ok, ok - iPhone und Musikstick lassen sich ebenso anschließen. Und telefonieren kann man via Bluetooth über Freisprechanlage. Wichtig auch der Hinweis im Handbuch, das es sich bei der - sehr guten, schnellen und präzisen - Navigation um eine Satelliten-Navi handele. Aston-Testimonial James Bond musste seinerzeit im DB5 noch auf ein erdgebundenes System zurückgreifen. Ohnehin wartet man beim Ampelstopp geradezu darauf, dass ein livrierter Kellner sich mit einem silbernen Tablett über die Fahrertür beugt und ein Glas mit Wodka Martini anbietet - eiskalt, aber ohne Eis und geschüttelt, nicht gerührt.

Aston Martin fahren ist erst einmal so einfach, wie Fahrstuhl fahren: Ein großer, glänzender Druckknopf über der Klimaanlage für Vorwärts, einer für Rückwärts, einer für den Leerlauf und einer fürs Parken. Den Rest der Schaltarbeit macht die achtstufige Automatik. Wer Gas gibt, der merkt erst einmal: Die 510 PS lassen sich so feingliedrig dosieren wie die 90 PS eines VW Golf - inklusive Einparken vor dem Supermarkt. Damit es trotz der vor allem nach hinten unübersichtlichen Karosserie keine Dellen gibt, hat der Aston sogar so etwas modernes wie eine 360-Grad-Kamera.

Hoher Aufmerksamkeitswert

So "old fashioned" der Aston Martin DB11 Volante ansonsten wirken mag - er ist bis in die Details hinein durchkonstruiert und technisch auf hohem Stand. Der Motor gehört zum Besten, was es derzeit für straßenzugelassene Sportwagen zu kaufen gibt. Die Mechanik für das Faltdach ist komplett neu entwickelt worden und arbeitet praktisch lautlos. Die Stoffhaube braucht zum Öffnen gerade mal 14 Sekunden (16 zum Schließen) und arbeitet bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h. Die mittlere Strebe in der Entlüftung hinter den vorderen Kotflügeln ist unten mit kleinen Noppen versehen, mit denen die Luftverwirbelungen optimiert werden. Die Karosserie mit ihrer Aluminiumstruktur ist gegenüber dem Coupé zusätzlich verstärkt und in hohem Maße verwindungssteif. Auch auf schlechten Straßen vibriert oder knarzt da nichts.

Überhaupt: die Karosserie. Horst Lichter würde schwärmen: "Ein Träumchen!". Lang, athletisch, geduckt und schwungvoll - einer Gesamtlänge von 4.750 mm steht eine Höhe von nur 1.300 mm gegenüber. Der DB11 wirkt schon stehend schnell. Entsprechend hoch ist der Aufmerksamkeitswert, den man mit ihm beim Ampelstopp erreichen kann. Blöd nur, wenn ausgerechnet dann die Start-Stopp-Automatik greift und plötzlich der Sound zum Anblick fehlt. Typisch der Kühlergrill. An den Seiten verlängern sich die vorderen Radkästen in Luftführungen, die bis an die Vordertüren reichen. Das Heck wird dominiert von den schmalen, C-förmig geschwungenen Rückleuchten.

Sicher und souverän unterwegs

Offen ist der Einstieg ein Vergnügen, mit geschlossenem Verdeck ein wenig akrobatischer. Aber innen passt alles perfekt wie maßgeschneidert. Das Lenkrad ist elektrisch in Tiefe und Neigung verstellbar, die Sitze lassen sich auch für größere Zeitgenossen weit genug zurückfahren und bieten auch bei flotten Kurven sehr guten Seitenhalt. Platz ist links und rechts genügend. Die Rückbank ist allenfalls als verlängerter Kofferraum nutzbar. Schon Kleinkinder passen nicht mehr drauf - ISOFIX-Befestigungspunkte hin oder her. Immerhin bleibt üppig Platz für die Einkaufstüten, die sich im Kofferraum nicht mehr unterbringen lassen. Über Materialien und Verarbeitung braucht man nicht viel zu sagen - "edel" reicht.

Unter den massiven Domstreben im Vorderwagen arbeiten acht V-förmig angeordnete Zylinder mit zusammen 3.982 ccm Hubraum und zwei Turboladern, für jede Zylinderbank einer. Das sorgt für eine Leistung von 375 kW/510 PS bei 6.000 U/min. sowie für ein maximales Drehmoment von 675 Nm, die zwischen 2.000 und 5.000 U/min. anliegen. Der Motor klingt nicht nur spektakulär - er sorgt auch für spektakuläre Fahrwerte. In 4,1 Sekunden rennt der DB11 aus dem Stand auf Tempo 100, Bei 300 km/h ist Schluss. Nur der Form halber: Offiziell liegt der Durchschnittsverbrauch bei 10,0 Litern. Real? Kommt auf den Fahrstil an. Der Ritt im DB11 startet verzögerungsfrei - ein Kick aufs Gaspedal und sofort geht der Aston ab. Die Acht-Stufen-Automatik schaltet präzise und ohne Zugkraftunterbrechung. Wer es mehr manuell mag, der findet ausreichend groß dimensionierte Schaltpaddel links und rechts des Lenkrades.

Die Fahrcharakteristik lässt sich über drei verschiedene Modi verändern. Doch selbst im GT-Modus ist man immer noch sehr komfortabel unterwegs. Die elektrisch unterstützte Lenkung arbeitet präzise, durch Kurven zirkelt der heckgetriebene DB11 knackig und sicher. Die vorne 400 und hinten 360 mm durchmessenden Scheibenbremsen verzögern konsequent und bei Bedarf auch heftig. Man fühlt sich durchweg sicher und souverän unterwegs. Windgeräusche gibt es bei geschlossenem Verdeck kaum, Verwirbelungen bei offenem Fahren auch nicht in höheren Geschwindigkeiten.

Für die meisten dürfte der Traumwagen immer nur ein "Träumchen" bleiben. Mit dem Einstandspreis von 199.000 Euro beweisen die Kaufleute von Aston Martin immerhin so etwas wie britischen Humor. Schon wer nur eine Schutzmatte für den Kofferraum mit ordert, der katapultiert sich mit 296,40 Euro über die 200.000er Linie. Und optionales Zubehör für den DB11 Volante gibt es einiges - vom Windschott über Fußmatten, belüftete Sitze und eine Lenkradheizung bis zum Erste Hilfe-Kit und einem Schirm samt Befestigungsbändern für den Kofferraum. Mit Assistenzsystemen hält sich Aston Martin zurück. So ein Auto will man selber fahren, nicht von Elektronik und Sensoren fahren lassen. Immerhin in der Aufpreisliste unter anderem ein Toter Winkel-Assistent und "Auto Parking".