In unseren Breiten führt die A6 Limousine kaum mehr als ein Schattendasein, denn der geneigte Audi-Kunden steigt bevorzugt in die schicke Kombiversion namens Avant ein. Bei der Neuauflage zeigt sich die Limousine jedoch insbesondere von außen schicker und eleganter denn je. Im Innenraum gibt es keine großen Überraschungen, denn hier bietet der neue A6 das, was zuvor A8 und A7 überaus erfolgreich einführten. Der Audi A6 hatte es zuletzt schwer, denn auch wenn er durchweg überzeugen konnte, war der 5er BMW sportlicher und die Mercedes E-Klasse komfortabler. So reichte es immer nur zu Platz zwei. Auch wenn die Dreiliter-V6 die Idealbesetzung für den Audi A6 sind, entscheiden sich die meisten Kunden in Europa bisher für den Einsteigerdiesel 2.0 TDI, der in der neuen Audi-Nomenklatur wenig einsichtig A6 40 TDI heißt und immerhin 150 kW / 204 PS und 400 Nm maximales Drehmoment liefert.

Gerade in Sachen Fahrdynamik konnte der neue Audi A6 im Vergleich zu seinem Vorgänger nennenswert nachlegen. Ein Grund ist die optional mitlenkende Hinterachse, die den fast fünf Meter langen Bayern agiler als zuvor macht. Das macht sich nicht nur bei schneller Fahrt, sondern gerade auch in der City positiv bemerkbar. Die bis Tempo 60 in Gegenrichtung lenkenden Hinterräder reduzieren den Wendekreis auf gerade einmal 11,1 Meter - das die A3-Format. Das Plus an Komfort, Stabilität und Wendigkeit hat jedoch seinen Preis. Zu den 2.000 Euro Aufpreis für die mitlenkende Hinterachse gesellen sich weitere 2.000 Euro für die dann obligatorische Luftfederung. Im Fahrbetrieb zeigt sich schnell, dass man auf die Kombination aus mitlenkender Hinterachse und variabler Luftfederung wenn möglich nicht verzichten sollte. Für die, die mehr als Geld achten, gibt es wahlweise Stahlfederfahrwerk oder Verstelldämpfer.

Auf keinen Fall sollte man jedoch einen Bogen um die serienmäßigen Quattro-Versionen (nur Option beim Basisdiesel A6 40 TDI) machen, denn wirklich dynamisch ist der Audi A6 nur mit dem empfehlenswerten Allradantrieb unterwegs, der nicht nur die Motorleistung perfekt auf den Boden bringt, sondern den 1,8 Tonnen schweren Viertürer agiler und fahrfreudiger denn je werden lässt. Bei den V6-Quattro-Modellen gibt es in Verbindung mit der Achtgangautomatik einen mechanischen Allradantrieb mit selbstsperrenden Mittendifferenzial. Die Kraftverteilung von normal 40:60 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse kann je nach Fahrsituation 70 Prozent nach vorne und 80 Prozent nach hinten transferiert werden. In Verbindung mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe gibt es einen fahrdynamisch weniger anspruchsvollen Allradantrieb, der die Kraft nur dann an die Hinterachse bringt, wenn die Vorderachse in Grip verliert, was sich positiv auf den Verbrauch auswirkt. Klasse ist die direkte und leichtgängige Lenkung, die die Audi A6 Limousine eine Dimension kleiner erscheinen lässt, als er ist.

Handschaltung war gestern

Wer besonders kraftvoll und sportlich unterwegs sein möchte, entscheidet sich für den A6 55 TFSI mit der 250 kW / 340 PS starken Kombination aus aufgeladenem Dreiliter-V6 und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Die beste Symbiose aus geringem Verbrauch und entsprechendem Durchzug bietet der A6 50 TDI Quattro, dessen Dreiliter-V6-Diesel 210 kW / 286 PS und 600 Nm leistet. Wer sich mit weniger zufrieden geben will oder als Dienstwagenfahrer muss, der entscheidet sich bevorzugt für den kleinen V6-Diesel, der mit seinen 231 PS immer noch besser unterwegs ist als das Einstiegsmodell des Audi A6 40 TDI, der mit zwei Litern Hubraum, vier Zylindern und 150 kW / 204 PS auskommen muss. Während der neue Audi A6 im Juni in den Handel kommt, folgt der wahlweise mit Front- oder Allradantrieb erhältliche Basisdiesel A6 40 TDI erst im Herbst. Gute Entscheidung: die Handschaltung wurde bei allen Motorvarianten des Oberklasse-Audi gestrichen.

Während eine A6-Version mit Plug-In-Hybrid ebenso wie beim kleinen Audi A4 bis auf weiteres im Programm fehlt, sind alle Modelle mit einem Mild-Hybrid-System ausgestattet. In den V6-Modellen arbeitet ein aufwendiges 48-Volt-Bordnetz mit Startergenerator, wobei der kleinere Vierzylinder mit einem einfachen 12-Volt-Netz auskommen muss. Die intelligente Motorelektronik sorgt nicht nur für eine weichere Start- und Stoppfunktion des Triebwerks, sondern zwischen 34 und 160 km/h auch für einen bis zu 40sekündigen Zero-Emission-Mode, der bis zu 40 Sekunden andauert. So gibt Audi den Normverbrauch des kraftvoll beschleunigende A6 50 TDI Quattro mit 5,5 Litern Diesel an während die 204 PS starke Basisversion deutlich unter fünf Litern trinken dürfte. 0 auf Tempo 100 spurtet der Top-Allradler in 5,5 Sekunden und wird bei 250 km/h elektronisch eingebremst.

Aus dem Audi A7 und dem Topmodell A8 bekannt ist das moderne Bediensystem mit zwei Touchscreens für Navigation und Klimatisierung sowie den Wegfall eines Dreh-Drück-Stellers auf der Mittelkonsole. Verarbeitung sowie Übersichtlichkeit sind exzellent und wer es sich einmal in die optionalen Komfortsitze mit Klimatisierung und Massagefunktion bequem gemacht hat, möchte gar nicht mehr aussteigen. Ahhhhhh… wie entspannend. Ebenso üppig wie bei der Coupévariante des A7 ist auch das A6-Platzangebot, wobei es für die Fondpassagiere sogar noch ein Plug an Kopffreiheit gibt. Das Ladevolumen von 530 Litern liegt 10 Liter unter dem der Mercedes E-Klasse und hat die gleiche Größe wie der 5er BMW. Der Basispreis für den Audi A6 in der empfehlenswerten Motorvariante des 50 TDI Quattro liegt bei 58.050 Euro, was einen Preisunterschied von 7.500 Euro im Vergleich zum identischen Audi A7 Sportback bedeutet. Immerhin gibt es hierfür serienmäßig Navigationssystem, LED-Scheinwerfer und ein Basispaket an Fahrerassistenzmodulen. Es ist jedoch kein Problem, einen bestens ausgestatteten Audi A6 50 TDI an die 80.000-Euro-Marke zu drücken und selbst das Basismodell dürfte mindestens 45.000 Euro kosten. Auch da hat er längst zu 5er BMW und Mercedes E-Klasse aufgeschlossen. Wie auch sonst.