| von Wolfgang Gomoll

Kleider machen Leute, sagt eine alte Volksweisheit. Beim Audi e-tron ist es ähnlich: Nach dem klassischen SUV schieben die Ingolstädter nun den schicken e-tron Sportback nach. In diesem Fall ist der Jüngere unserer Meinung nach mit dem attraktiveren Blechkleid ausgestattet. Umso besser, dass die abfallende Dachlinie nicht zulasten der Fondpassagiere beziehungsweise deren Kopffreiheit geht und man auch im Sportback in der zweiten Reihe gemütlich reisen kann. Auch der Kofferraum mit seinem Fassungsvermögen von 615 bis 1.665 Litern (bei umgelegten Rückbanklehnen) enttäuscht nicht, allerdings ist die Ladekante hoch.

Und sonst? Unterscheidet sich der e-tron Sportback technisch nicht großartig von seinem etwas älteren Bruder. Logisch: Die Elektromobilität ist teuer genug, da rechnen sich technische Änderung für eine Karosserievariante noch weniger, als sie das bei Modellen tun, die mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Allerdings gibt es eine Neuerung beim Sportback: das digitale Matrix-Licht. Jetzt übernimmt - ähnlich wie in Beamern - ein klitzekleiner Computerchip mit rund einer Million Mikrospiegeln das Kommando und breitet vor dem Fahrzeug eine Art Lichtteppich aus. Auf dem lässt sich auch die Breite des Fahrzeugs mit zwei Pfeilen genau definieren, was zum Beispiel nachts beim Durchfahren von Baustellen hilfreich ist.

Ansonsten ist alles wie gehabt: Nach einem kurzen Zug am breiten Griff des Automatikwahlhebels setzt sich der 4,90 Meter lange Stromer in Bewegung. Die Reichweitenanzeige zeigt 322 Kilometer an. Ein Resultat der bisherigen Fahrweise und den dazugehörigen Temperaturen von lediglich fünf Grad Celsius. Schnell wird klar: Auch dieser e-tron will mit der Luftfederung den komfortablen Gleiter geben, kann aber eine straffere Grundabstimmung des Fahrwerks aufgrund des Leergewichts von 2.480 Kilogramm nicht ganz verhehlen, was der Langstreckentauglichkeit aber nur wenig Abbruch tut. An die digitalen Außenspiegel gewöhnt man sich relativ schnell, auch wenn man zunächst eine Stufe zu hochschaut, da sich die Monitore in den Türverkleidungen unterhalb der A-Säule befinden. Wer die traditionellen Glas-Außenspiegel wählt, spart sich 1.540 Euro.

Kälte ist Gift für Elektromobilität

Die beiden Elektromotoren, die bis zu 300 kW / 408 PS leisten, kommen mit dem schmucken Kreuzer problemlos zurecht, selbst wenn die E-Maschinen zwischendurch mit gebremstem Schaum unterwegs sind. In Sekundenbruchteilen steht auf Wunsch die gesamte Kraft zur Verfügung, damit gehen Überholvorgänge geschmeidig von der Hand. Nach 5,7 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht und bei 200 km/h wirft die Elektronik den Anker. In Kurven hilft der blitzschnell agierende elektrische Allradantrieb, wuchtet den e-tron Sportback um die Ecke und lässt auch eine ambitionierte Fahrweise zu. Allerdings spürt man dann, wie das Gewicht des Elektromobils außen drängt. Das Vorankommen gestaltet sich entspannt und der fulminante Antritt bereitet Spaß. Wer ohne Bremse auskommen will, schafft das größtenteils auch, indem man mit den Paddeln hinter dem Lenkrad mit 0,1g oder 0,3g rekuperiert und damit verzögert. Wer will, kann das auch ganz traditionell mit dem Bremspedal regeln.

Bei der Reichweite beziehungsweise dem Verbrauch musste der Audi e-tron den Verhältnissen und der auch mal flotteren Fahrweise Tribut zollen. Am Ende der Testfahrt zeigte der Bordcomputer einer Außentemperatur von lediglich plus 5,5 Grad, eine zurückgelegte Fahrstrecke von 157,3 Kilometern und eine Restreichweite von 102 Kilometern an. Niedrige Temperaturen sind einfach nicht ideal für Elektromobilität, das kann auch das beste Wämemanagement der 95-Kilowattstundenbatterie nicht ausgleichen. Als wir die Klimaanlage um zwei Grad kälter stellten, schnellte augenblicklich die Restreichweiten-Anzeige um sieben Kilometer nach oben. Den Verbrauch gibt Audi mit 26,0 kWh/100 km (WLTP) an, wir kamen auf 32,6 kWh. An einer Schnellladesäule mit 150 kW Leistung sind die Akkus des e-tron nach etwa Stunde wieder zu 80 Prozent gefüllt.

Natürlich stattet Audi auch das zweite Flaggschiff der elektrifizierten Fahrzeugflotte mit allen Helfern aus, die das Fahren angenehm machen, verpackt die aber größtenteils in Ausstattungspakete. Der Kreuzungsassistent, der vor herannahendem Querverkehr warnt, ist Teil des Assistenzpakets "Stadt", das 1.050 Euro kostet und in dem unter anderem auch ein Türöffnungswarner enthalten ist, falls sich von hinten ein Fahrzeug nähert. Der adaptive Tempomat und der Spurhalteassistent gehören zum Assistenzpaket "Tour", das mit 2.040 Euro zu Buche schlägt. Solche Ausgaben muss man zum Grundpreis des Audi e-tron Sportback 55 quattro von 83.150 Euro (2.250 Euro mehr als der klassische e-tron) hinzurechnen. Wem eine 71-Kilowattstundenbatterie und maximal 230 kW / 313 PS reichen, der greift zum Audi e-tron Sportback 50 quattro für 71.350 Euro, der ebenfalls ab Mai beim Händler stehen soll.

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