Dass in der SUV-Mittelklasse noch Modelle für Kopf und Herz stimmungsvollen Absatz verzeichneten, diese Zeiten scheinen langsam vorbei zu sein. Der Kunde giert nach sparsamen Dieselmotoren und längst darf es auch im elitären Premiumsegment auch ein kleiner Vierzylinder sein, der das eigene Familienmobil befeuert. Dieselskandal hin und moderne Benziner her - in dieser Liga entscheiden sich die allermeisten für einen Zweiliter-Selbstzünder mit rund 200 PS, Allradantrieb und automatisiertem Getriebe. Obligatorisch gibt es dazu im Paket genug Platz für Alltag und Freizeit und einen sparsamen Verbrauch. Da machen Audi mit seinem Q5 und Mercedes mit seinem GLC keine Ausnahme. Beide sind knapp 4,70 Meter lang seit ihrem Marktstart Erfolgsmodelle, denn das Design ist gefällig, die Preise noch bezahlbar und scheinbar möchte niemand mehr in einem Kombi sitzen.

Der neuere der beiden Konkurrenten ist der Audi Q5. Das sollte schon deshalb erwähnt werden, weil man ihm das kaum ansieht. Im Vergleich zu seinem sehr erfolgreichen Vorgänger gibt es optisch keine nennenswerten Unterschiede. Die präziseren Kanten, Linien und Falze fallen ebenso kaum ins Auge, wie leicht modifizierte Leuchteneinheiten an Front und Heck sowie die geschwungene Linie an der Flanke. Ihm gegenüber steht der Mercedes GLC - schon etwas länger auf dem Markt - als Ablösung deutlich erfolgreicher und schicker als der betagt anmutende Vorgänger Mercedes GLK. Als Familienauto bieten beide ein stimmiges Paket, denn es gibt ausreichend Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Zudem bieten die Vertreter aus Stuttgart und Ingolstadt auch ausreichend Volumen in Sachen Gepäck, wenn es einmal in den Urlaub oder ins Wochenende gehen sollte. So ähnlich sich die beiden beim Platzangebot für die Passagiere sind, so ähnlich geht es auch beim Laderaum zu. Beide bieten großzügige 550 Liter Laderaum, die sich durch Umlegen der getrennten Rückbank auf 1.550 bzw. 1.600 Liter erweitern lassen. Nur schwer zu glauben, dass sich beide Hersteller bei Crossovern dieser Liga die Selbstverständlichkeit wie eine elektrische Heckklappe noch extra bezahlen lassen (490 Euro - Audi Q5 / Mercedes GLC - 535 Euro).

Überhaupt präsentieren sich beide Modelle ab Werk in einer Buchhalterausstattung, wie man es für Premium-SUV im Jahre 2017 nicht für möglich gehalten hätte. Mercedes bietet seinen mindestens 47.219 Euro teuren GLC 250d 4matic tatsächlich mit betagtem Halogenlicht an. Selbstverständlichkeiten wie Sitzheizung, Alarmanlage, Navigationssystem oder digitales Radio müssen ebenso extra bezahlt werden, wie ein 66-Liter-Tank. Das Standardmodell schluckt gerade einmal winzige 50 Liter. Leider sieht es beim Audi Q5 2.0 TDI (ab 46.400 Euro) nicht anders aus. Zwar ersparen sich die Ingolstädter die Tankposse und lassen ihr Modell durchweg 65 Liter an der Zapfsäule schlucken, doch in Sachen Ausstattung sieht es sonst nicht besser aus. Hier gibt es ab Werk ebenfalls nur Xenonlicht; Sitzheizung, Alarmanlage oder Navigation stehen auch hier nur in der endlosen Aufpreisliste. Wer beide Modelle nur mit dem klassenüblichen Mindestpaket bestellt, bezahlt leicht 55.000 Euro. Und wenn es die zahllosen Fahrerassistenzsysteme oder vollelektrische Ledersitze sein sollen, dass wird es schnell noch deutlich teurer. Beim Thema Bedienung und Navigation holt sich der Audi Q5 wertvolle Punkte gegenüber dem Mercedes GLC. Beides wirkt bei dem in Mexiko gebauten Ingolstädter moderner auch wenn die Bedienung bei beiden Modellen über die Dreh-Drücksteller nicht derart intuitiv wie beispielsweise beim BMW X3 ist. Beide Displays verzichten auf eine Touchfunktion.

Luftfeder auf Wunsch

Dafür gibt es moderne Vierzylinderdiesel, von denen der Audi Q5 der deutlich ausgewogenere ist. Er leistet als 2.0 TDI zwar nur 140 kW / 190 PS und ein maximales Drehmoment von 400 Nm ab 1.750 U/min, doch steht er dem GLC 250d von Mercedes mit seinen 150 kW / 204 PS aus 2,2 Litern Hubraum und doppelter Turboaufladung in Sachen Tatendrang trotz 100 Nm weniger kaum nach. Im Gegenteil: der 1,9 Tonnen schwere Audi beschleunigt aus dem Stand in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft dabei fast 220 km/h Höchstgeschwindigkeit. Dabei läuft der Motor deutlich vibrationsärmer als der Mercedes-Diesel, der besonders im kalten Zustand wie ein rustikaler Traktor wirkt. Immerhin stimmen seine Fahrleistungen, denn er beschleunigt von 0 auf Tempo 100 in 7,6 Sekunden und schafft 222 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Kombination mit der neunstufigen Getriebeautomatik passt gut, wenn auch die Gangwechsel nicht derart direkt wie beim siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe von Audi vonstattengehen. Da beide auch beim Realverbrauch auf Augenhöhe liegen (Audi Q5: 7,5 Liter / Mercedes GLC: 7,3 Liter) macht der ruhiger laufende Selbstzünder im Vier-Ringe-Modell das Rennen, auch wenn er niemals an die Laufruhe und Souveränität eines Sechszylinders heranreicht. Beiden Konkurrenten merkt man im Fahrbetrieb schnell an, dass sie rund 1,9 Tonnen Leergewicht auf die Fahrbahn drücken. Hier kommen selbst drehmomentstarke Vierzylinderdiesel an ihre Grenzen des entspannt-ambitionierten Fahrens.

Beim Fahrwerk gehen beide anders als die meisten Konkurrenten einen anderen Weg. Neben den normalen Feder-Dämpfer-Kombinationen bieten beide optional jeweils gute, aber überaus teure Luftfedervarianten an, deren Vorteile im Realbetrieb ohne Geländeeinsatz nicht so recht einleuchten mögen. Zwar lässt sich die Bodenfreiheit mannigfaltig variieren und im Komfortbereich gibt es spürbare Vorteile gegenüber rein adaptiven Dämpfern, doch wieder einmal macht der Preis die Musik. Mercedes lässt sich seine feine Luftfeder mit 2.261 Euro extra bezahlen und Audi ist mit 1.900 Euro nicht viel günstiger. Muss hüben wie drüben nicht sein. Das normale Dämpfersystem ist beiden Konkurrenten mehr als ausreichend, wobei der Audi je nach Räderkombination das etwas komfortabler abgestimmte Fahrzeug ist. Seine Lenkung ist präziser und er federt feiner ab als der Mercedes GLC, der gerade auf der Autobahn etwas straffer daherkommt. Insbesondere in seinen Sportmodi wirkt er straffer, aber weniger filigran als der Q5 abgestimmt.

Letztlich gewinnt der Audi Q5 2.0 TDI Quattro diesen Vergleichstest knapp für sich. Er wirkt auf die Insassen als das etwas modernere Auto und kann insbesondere mit seinem Vierzylinder mehr gefallen als der Schwabe, dem die neue Vierzylindergeneration, die in der größeren E-Klasse bereits verbaut ist, gut zu Gesicht stehen würde. Bei der schwachen Serienausstattung habe beide Konkurrenten nennenswerten Nachholbedarf.