Die erste Generation des Audi Q7 - das war so eine Sache. Audi überarbeitete das Dickschiff mehrfach; er hatte jede Menge Qualitäten und wurde sogar als Topversion mit einem spektakulären V12-Diesel angeboten. Die Generation zwei ist feiner, eleganter und bietet Assistenzsysteme im Überfluss. Er sieht nicht nur deutlich gefälliger aus als bisher, sondern bietet mit seiner Gesamtlänge von 5,05 Metern ein gerade opulentes Platzangebot. Knapp drei Meter Radstand sorgen dafür, dass für Erwachsene oder Kinder gerade auch in der zweiten Reihe entspannte Langstreckenatmosphäre aufkommt. Wer die Rückbank umklappt, vergrößert das Ladevolumen nicht nur etappenweise von 295 (sieben Sitze), 890 (fünf Sitze) auf 2.075 Liter (zwei Sitze), sondern kann auch Gegenstände bis zu einer Länge von 2,02 Metern einladen. Elektrisch und längst etabliert: die große Heckklappe und der ebene Ladeboden. Große Kisten lassen sich entspannt in das schick ausgeschlagene Ladeabteil wuchten.

Um die drehmomentstarken Diesel im Q7-Portfolio kommt man bei einem blassen V6-Benzin-Einzelkämpfer nicht herum. Die Wahl zwischen den beiden V6-TDI mit 218 und 272 PS fällt schon angesichts von Dimensionen und Masse schnell zugunsten des stärkeren Modells aus, der bei 61.700 Euro startet. Wer weniger Normverbrauch oder deutlich mehr Leistung will, kann sich die Auswahl mit dem 373 PS starken V6 TDI Plug-In-Hybrid oder dem 435 PS starken V8-Diesel des SQ7 noch schwerer machen. Die einfache und schnelle Entscheidung ist der größere V6-Diesel mit 200 kW / 272 PS, 600 Nm maximalen Drehmoment ab 1.500 U/min. Denn der kraftvolle Selbstzünder ist beeindruckend gut gedämmt, bietet aus nahezu allen Drehzahlbereichen kraftvollen Druck auf die Kurbelwelle und bereitet so echten Fahrspaß. Der in Aussicht gestellte Normverbrauch von 5,7 Litern Diesel ist ohne große Überraschung allzu ambitioniert; doch mit acht bis neun Litern lässt sich der Ingolstädter gut und allemal dynamisch bewegen. Da gibt es nichts zu meckern und das Tankvolumen von 75 Litern verlängert Autobahnetappen in Urlaub und Wochenende spürbar. Der drei Liter große Turbodiesel lässt für irdische Kunden kaum Wünsche nach einem Achtzylinder aufkommen. Sein Klang ist dezent, der Druck nach vorn mächtig. Aus dem Stand ist der Allradler in gut sechs Sekunden auf Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 234 km/h ist in dieser Liga ebenfalls in Ordnung. Auch bei höheren Tempi gefällt die gute Geräuschdämmung, die auch die Windgeräusche in den Hintergrund drängt. Perfekt: die Achtgang-Automatik arbeitet in jedem Betriebszustand ohne Anlass zur Kritik.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat die zweite Q7-Generation je nach Variante um bis zu 325 Kilogramm abgespeckt. Ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der Audi Q7 3.0 TDI Quattro mit über 2,1 Tonnen noch immer kein Leichtgewicht ist. Das ist weder in der Innenstadt noch auf der Autobahn ernsthaft zu spüren, denn die 600 Nm maximales Drehmoment überspielen die Fahrzeugmasse überaus geschickt. Spürbar ist diese ebenso wie der im Vergleich zu einer Limousine erhöhte Schwerpunkt nur bei ambitionierter Gangart gerade auf kurvigen Landstraßen. Gerade hier gefällt die straffe, aber nicht zu harte Fahrwerksabstimmung. Hier hatte die erste Generation besonders mit üppigen Radgrößen jenseits der 19 Zoll einige Komfortwünsche offengelassen. In jedem Fall sollte man sich beim Q7 obligatorisch für die 2.050 Euro teure Luftfederung entscheiden. Pluspunkte gibt es für das Überangebot an Fahrerassistenzsystem in seinen zahllosen Paketen und die präzise Lenkung, die ebenso beim Einparken oder Wendemanövern in der City überzeugen kann. Die Lenkung ist auf Wunsch auch als Vierradlenkung (1.150 Euro) zu bekommen, was dem Fahrer trotz üppiger Dimensionen deutlich mehr Agilität bringt. Der Wendekreis: gute 11,40 Meter. Wie die Konkurrenz auch bietet der Q7 seinem Piloten über einen Schalter im Armaturenbrett zwischen verschiedenen Fahrmodi zu wechseln. Wer den Wagen länger bewegt, wird sich wundern, wie selten er den Taster letztlich im Alltag benötigt; so bleiben die Fahrprogramme, allenfalls etwas für technikaffine Spielkinder oder die Diskussionsrunde auf Tennis- oder Golfplatz.

Schnell Richtung 80.000 Euro

Mehr noch als beim Vorgänger bleibt der Innenraum eine der großen Stärken des Audi Q7. Alles sieht wertig aus und für viele noch wichtiger: alles fasst sich auch so an. An das blendfrei animierte Cockpit (600 Euro Aufpreis) mit seiner stark nach unten geneigten Anzeigefläche muss man sich erst gewöhnen. Die Bedienung der verschiedenen Ansichten und Menüpunkte ist nicht so einfach, wie man es von den Ingolstädtern kennt. Das gilt auch für Navigationssystem und insbesondere die Sitzverstellung. Das machen die Hauptkonkurrenten Mercedes und insbesondere BMW deutlich besser, weil intuitiver. Nach wie vor lässt sich der große Navigationsbildschirm überflüssigerweise ausfahren und steht nicht fest und jederzeit sichtbar, wie er sein sollte. Nicht nachzuvollziehen sind schmerzhafte Lücken in der Q7-Ausstattungsliste. Wie kann es sein, dass in der Klasse eines Luxus-SUV nach wie vor Selbstverständlichkeiten wie Navigationssystem (ab 2.800 Euro), LED-Scheinwerfer (1.620 bis 2.580 Euro) oder Vernetzung (ab 310 Euro) teuer extra bezahlt werden müssen? Das nur optional vernetzte Entertainmentsystem lässt sich durch abnehmbare Tablets erweitern, wodurch sich die Fondinsassen mit Fernsehen, Apps, Webzugang und Fahrinformationen längere Strecken verkürzen können. Nicht nur ihre Kinder werden es lieben.

Ärgerlich, dass selbst angenehme Kleinigkeiten wie Fernlichtassistent (150 Euro), Scheinwerferreinigungsanlage (210 Euro), Ambientebeleuchtung (270 Euro), Alarmanlage (480 Euro) oder Sitzheizung (390 Euro) extra bezahlt werden müssen. So und durch die Zunahme der klassenüblichen Extras wie Ledersitze, Navigations- und Soundsystem, sowie der sinnvollen Luftfederung schnellt der Preis eines sinnvoll ausstaffierten Audi Q7 3.0 TDI Quattro schnell Richtung 80.000 Euro oder mehr. Und der Blick in die schier unüberschaubare Liste der Sonderausstattungen und Pakete verwirrt mehr als er hilft.