"RWS" steht für "Rear Wheel Series" und ist das erste Serienmodel der Ingolstädter mit reinem Heckantrieb. Normalerweise sind Audi entweder frontgetrieben unterwegs oder haben Quattro-, sprich Allradantrieb. Bedient haben sich die Audi-Ingenieure für den RWS am Antriebskonzept des R8 LMS GT4-Rennwagens. Der RWS und der GT4 besitzen laut Audi 60 Prozent Gleichteile.

Was den Hecktriebler so anders macht, lernt man schnell entweder beim Driften auf freier Fläche kennen oder bei der Kurvenfahrt über Serpentinen. Während der Quattro wie auf Schienen durchzieht, lässt sich der RWS deutlich lebhafter und mit mehr Fahrdynamik bewegen. Aus engen Kurven kann man durchaus mal mit einem Schwänzeln des Hecks heraus beschleunigen, das sich jedoch schnell wieder einfangen lässt. Wenn man ihn zu schnell in die Kurve jagt, neigt der R8 RWS wie die meisten Hecktriebler zum leichten Übersteuern. Unterm Strich greift die Stabilitätskontrolle auch im Sportmodus meist rechtzeitig ein, bevor es wirklich knifflig wird. Immerhin: Wer mit dem Modus "dynamic" das ESC in diesen Sportmodus bringt, der kann sogar kontrollierte Drifts hinlegen und ein paar Donuts auf den Asphalt radieren.

Innen entspricht der RWS seinen Brüdern: Aufgeräumt, technisch und leicht zu bedienen - sobald man erst mal hinter alle Funktionen gekommen ist. Das bisschen Einarbeitungszeit ist er aber allemal wert. Die mit Alcantara und Leder bezogenen Sportsitze sind bequem und bieten einen ausgezeichneten Seitenhalt. Der Laderaum im Vorderwagen ist mit 112 Liter nicht unbedingt üppig - aber Konkurrenten wie der Porsche 911 bieten auch nicht unbedingt viel mehr. Das Stoffverdeck des Spyder öffnet und schließt per Knopfdruck vollelektrisch binnen 20 Sekunden und bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h.

Den Zehnzylinder-Mittelmotor, der auch den RWS vorantreibt und der im ungarischen Motorenwerk Györ gebaut wird, preisen die Audianerals "einen der letzten freisaugenden Motoren in seinem Segment". Der Hochdrehzahl-V10 mit Direkteinspritzung und Trockensumpfschmierung arbeitet auch in den anderen R8-Modelle und liefert wie dort im Basismodell aus dem Hubraum von 5.204 ccm satte 397 kW/540 PS und ein Maximales Drehmoment von 540 Nm, das bei 6.500 U/min. anliegt. Beim offiziellen Verbrauch spart man - dank einer angetriebenen Achse weniger und des damit verbundenen Gewichtsvorteils - gerade mal 0,2 Liter SuperPlus auf 100 Kilometern. Audi gibt für den FSI einen Verbrauch von 12,4 Liter beim Coupé und 12,6 Liter beim Spyder an.

Akustisch simulierte Fehlzündungen

Die Fahrwerte kommen zumindest von den Zahlen her nicht ganz an die des Quattro-Bruders heran. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt er das RWS-Coupé in 3,7 und der Spyder binnen 3,8 Sekunden - der Allradler braucht gerade mal 0,2 Sekunden weniger. Bei der Höchstgeschwindigkeit herrscht Gleichstand: Offen ist bei 318 km/h Schluss, geschlossen bei 320 km/h.

Auf der Straße macht das nicht wirklich einen Unterschied - etwa beim Überholen. Ein Kick aufs Gas, sofort dreht der Motor auf, begleitet von einem ohrenbetäubenden Röhren aus den vier Endrohren - besonders eindrucksvoll im offenen Spyder. Der R8 schießt los, ist in kürzester Zeit selbst an kleinen Kolonnen vorbei. Die über Schaltwippen am Lenkrad auch manuell steuerbare Siebengang-Automatik schaltet schnell und präzise. 540 Nm und 540 PS sorgen auch auf Straßen, auf denen man das Potenzial des R8 nicht mal ansatzweise ausfahren kann, für ein ein gelasseneres, sicheres Fahrgefühl - man weiß immer, welch riesige Reserven man notfalls im Rücken hat. Musik in den Ohren der Fans: Die akustisch künstlich simulierten Fehlzündungen beim Runterschalten - das sprotzt und knallt wie in alten Tagen.