| von Stefan Grundhoff

Ein echter Sportwagen und ein SUV - das schließt sich in den allermeisten Fällen aus. Die Crossover - weltweit beliebter denn je - sind zu hoch, zu schwer und einfach nicht das, was man sich von einem Sportwagen wünscht. Es gibt ein paar Ausnahmen und die kommen durchweg aus Europa oder gar Deutschland. Nach so imposanten Kolossen wie dem BMW X3 / X4 M, den AMG-Varianten von GLE und GLC oder dem beinahe unanständig verdorbenen Brüderpaar aus Audi RS Q8 und Lamborghini Urus zeigen die Ingolstädter, dass es auch zwei Klassen kleiner geht. Der neue Audi RS Q3 ist dabei insbesondere als Coupévariante mit Namen Sportback eine echte Versuchung für Kurvenräuber und Tempobolzer. Weil der Motorraum für ein Quertriebwerk enger denn je ist, müssen sich die vier Ringe mit fünf statt der hier üblichen sechs Brennkammern behelfen. Ein Kompromiss, den man mittlerweile über Jahrzehnte prächtig in Marketing- und Motorsporterfolge gewickelt hat.

Auch im mindestens 65.000 Euro RS Q3 Sportback schlägt sich der aufgeladene Fünfzylinder mit seinen 2,5 Litern Hubraum prächtig. Wer ihn einmal gefahren ist, kann sich wohl kaum mehr vorstellen, einen zahmeren Audi Q3 zu fahren, so viel Laune macht der Sport-SUV. Endlich wieder einmal ein Auto, bei dem sich niemand ernsthaft für Rekuperation, Teilelektrifizierung oder gar den Normverbrauch interessiert. Der liegt mit knapp neun Litern auf 100 Kilometern allemal in einem mehr als adäquaten Rahmen. Doch wieviel sich der Fünfender letztlich in der Realität genehmigt, dürfte die potenziellen Kunden allenfalls langweilen, denn für Begeisterung sorgt der Anzug des nicht mehr ganz so kompakten Kraftprotzes, der längst tief in der Mittelklasse unterwegs ist. Der Klang des aufgeladenen Fünfzylinders ist gerade im Dynamikprogramm und bei hohen Leistungsabfragen ein Genuss.

Eine spürbare Anfahrschwäche kann der 4,51 Meter lange RS Q3 Sportback dabei trotz 294 kW / 400 PS und eines bulligen Drehmoments von immerhin 480 Nm ab knapp 2.000 Touren nicht überspielen. Mittelfristig dürfte es in einer Performance-Version vielleicht noch einen kleinen Leistungsnachschlag auf 430 oder gar 450 PS geben. Das Potenzial hätte der Fünfzylinder unbestritten. Wenig relevant für den Alltag, aber viel beachtet im Sportverein oder der abendlichen Diskussion pro oder contra Plug-In-Hybriden ist das Spurtvermögen. Aus dem Stand beschleunigt der Allradler in exzellenten 4,5 Sekunden auf Tempo 100. Die überflüssige Abriegelung bei 250 km/h kann man gegen ein strammes Aufgeld auf 280 km/h lockern.

Strammes Sportfahrwerk

Wahlweise rollt und brüllt der Audi RS Q3 auf 20 oder 21 Zoll großen Walzen. Wer in die Radhäuser schaut, würde sich vielleicht noch ein Zoll mehr und etwas dickere Backen wünschen. Die Tuner wird es freuen, denn mit einem Modell wie dem Audi RS Q3 lässt sich optisch wie technisch einiges anstellen, um Fans zu locken. Doch auch so ist das sportlichste alle Q3-Modelle ein Spaßbringer, wie es in der SUV-Liga nicht viele gibt. Die Kraftübertragung erfolgt wie bekannt über ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe nebst Lamellenkupplung an die beiden Achsen. Wohin die üppigen 400 PS nebst 480 Nm fließen, darüber entscheidet nicht zuletzt das Fahrprogramm, wobei der Pilot zwischen den beiden RS-Modi, Comfort, Auto, Dynamik, Individual oder Efficiency wählen kann, die sich nicht nur auf Lenkung, Motorcharakteristik, Klang und Schaltung auswirken. Wer sich für die sinnvollen adaptiven Dämpfer entscheidet, spannt den Alltagsbogen des RS Q3 noch weiter auf. Das serienmäßige Sportfahrwerk legt die Karosserie um 10 Millimeter tiefer als beim normalen Audi Q3.

Vorne ist eine McPherson-Achse mit unteren Dreiecksquerlenkern verbaut, während hinten eine Vierlenker-Konstruktion für Laufruhe und Fahrdynamik sorgt. Lenkung und Einlenkverhalten: top! Ungewöhnlich: mit 1,59 Metern ist die Spur vorne etwas breiter als hinten mit 1,58 Metern. Wer es auf der Landstraße fliegen lässt, wird die Bissfestigkeit der Sechs-Kolben-Bremsanlage mit innenbelüfteten, gelochten Scheiben in einem Durchmesser von 375 Millimetern vorn und 310 Millimetern hinten zu schätzen wissen. Jedoch ist der Audi RS Q3 Sportback mit einem Leergewicht von knapp 1,8 Tonnen kein leichtes Auto. Wer es oft schnell und sportlich liebt, sollte daher durchaus mit der aufpreispflichtigen Keramikbremse liebäugeln, deren Sättel wahlweise in Grau, Rot oder Blau lackiert sind.

Keine nennenswerten Überraschungen gibt es im Innenraum. Wie man es von anderen RS-Modellen kennt, gibt es Feinnappa-Ledersportsitze mit Wabensteppung und integrierten Kopfstützen. Den Rest kennt man von den anderen Q3-Modellen. Ein nettes Detail: der Quattro-Schriftzug oberhalb des Handschuhfachs ist in ähnlichem Grün wie die Außenlackierung illuminiert. Bei aller Sportlichkeit kommt ganz nebenbei auch der Alltagsnutzen nicht zu groß. Die Rückbank lässt sich um 13 Zentimeter in der Länge verschieben und die Neigung der dreifach geteilten Lehne in sieben Stufen verändern. Der Gepäckraum fasst 530 Liter, bei umgeklappten Lehnen sind es bis zu 1.400 Liter. Dann kann es ja losgehen.

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