| von Wolfgang Gomoll

Wuchtig steht er da, der Audi RS Q8 mit seinem schwarzen Kühlergrill, den Nüstern und den ausgestellten Radläufen. Vorne ist der Crossover zehn Millimeter breiter als der normale Q8, hinten sind es fünf Millimeter. "Mehr ging nicht, sonst hätten wir das Auto nicht in die Lackierkabine in Bratislava bekommen", schmunzelt Designer Frank Lamberty über die begrenzenden Faktoren der Produktionsanlagen. Auf Bling-Bling verzichtet der Über-Q8 völlig, schwarz ist das neue Chrom - und das steht dem RS Q8 sehr gut. Die Radkästen füllen mächtige 22-Zoll-Walzen in den Dimensionen 295/40, die breitesten, die man serienmäßig an einem Audi findet, auf Wunsch sind sogar 23-Zöller möglich.

Eine aggressive Optik und Kraft im Überfluss machen noch keinen automobilen Ausnahmekönner. Das wissen sie bei Audi nur zu gut. Der Audi RS 6 plus der Baureihe C6 wurde von einem Lamborghini-Zehnzylinder befeuert, hatte 426 kW / 580 PS und sorgte bei den Reifenhändlern für fröhliche Gesichter. Wenn ein Kunde mit diesem Geschoss auf den Hof gerollt war, bestellten die meisten Pneu-Verkäufer schon den nächsten Satz der schwarzen Gummis, weil sie wussten, dass es ein baldiges Wiedersehen geben wird. Vor allem, wenn es um Kurven ging, schlug sich der Kombi-Kraftprotz nicht besonders gut und strapazierte die Gummiwalzen an der Vorderachse ziemlich stark.

Auch der RS Q8 ist alles andere als schmalbrüstig unterwegs: Dank der 441 kW / 600 PS des 4.0 TFSI schafft das rund 2,3 Tonnen schwere SUV den Standardsprint von null auf 100 km/h in 3,8 Sekunden und ist, wenn freigeschalten, bis zu 305 km/h schnell - da schaut so mancher Zweisitzer aus Süddeutschland alt aus. Doch das Geradeausbolzen ist eine Sache, die Agilität eine andere. Die soll beim Audi RS Q8 dank Hinterachslenkung und Allradantrieb auch kurvengierigen Fahrern Freude bereiten. Das mechanische Torsen-Differential sorgt für eine hecklastige Verteilung der Antriebskräfte von 40:60, wenn nötig, werden 85 Prozent nach hinten und bis zu 70 Prozent nach vorne geleitet. Dazu kommt noch ein mechanisches Sperrdifferential an der Hinterachse und Torque-Vectoring per radselektiven Bremseingriffen. Das Resultat dieser Abstimmung ist eine SUV-Rekordrunde auf der Nordschleife: Mit 7:42,2 Minuten hat der Audi RS Q8 den Mercedes-AMG GLC 63 S entthront, der 7:49,3 Minuten brauchte.

Mindestens 127.000 Euro

Das Fahrwerk mit der aktiven Wankstabilisierung und der adaptiven Luftfederung kennt man aus dem Bentley Bentayga und dem Audi SQ 7 TDI. Insgesamt acht Fahrprogramme stehen zur Wahl: Comfort, Auto, Dynamic, Efficiency, Allroad, Offroad und die individuell konfigurierbaren RS-spezifischen Modi RS1 und RS2, die per Lenkradtaste aktiviert werden. Durch diese Spreizung der Dynamik-Programme soll sich der RS Q8 per Knopfdruck vom sportlichen Ausnahmesprinter zum Familienlaster verwandeln.

Das maximale Drehmoment von 800 Newtonmetern steht zwischen 2.200 und 4.500 U/min zur Verfügung. Dazu kommt die aus anderen Audi-Modellen wie dem A8 bekannte 48-Volt-Mildhybridisierung mit Riemen-Starter-Generator, der bis zu zwölf kW Leistung rekuperieren kann. Außerdem segelt das PS-starke SUV-Flaggschiff zwischen 55 und 160 km/h, sobald der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt, und schaltet beim Heranrollen an eine Ampel unterhalb von 22 km/h den Motor ab.Zusammen mit der Zylinderabschaltung gönnt sich der Achtzylinder Bi-Turbo bis zu 0,8 l/100 Kilometer weniger Sprit. "Wir sind stolz auf die Wandelbarkeit des Autos", sagt Projektleiter Michael Barmer.

Im Innenraum hält der RS Q8 keine großen Überraschungen parat. Das Interieur entspricht im Grund dem des Q8 beziehungsweise des A8 mit dem großen Touch-Display. So viel Technik hat auch ihren Preis: Der Audi RS Q8 steht ab Anfang 2020 beim Händler und kostet mindestens 127.000 Euro. Damit ist er im Vergleich zu Porsche Cayenne Turbo (ab 141.000 Euro), Aston Martin DBX (ab 193.000 Euro) oder Lamborghini Urus (ab 204.000 Euro) ein echtes Schnäppchen.