Sommerzeit, Cabriozeit. Sobald die Temperaturen nach oben gehen, verschwinden die Mützen. Seien es die auf den Kopf oder über dem Haupt. Auch beim S3 Cabrio sollte man den Oben-Ohne-Modus so oft es geht, aktivieren. Nur dann kommt man in den echten Genuss des rotzigen Zwischengas', das der aufgeladene Vierzylinder-Motor bei jedem Runterschalten mit Wonne durch die vier Endrohre in die Umwelt schmettert. Dazu kommt das entspannende Gefühl, den Fahrtwind, die Umgebung unmittelbar zu spüren und die Gerüche der Natur aufzusaugen. Bis zu Tempo 50 verschwindet das Stoffverdeck hinter der Rückbank.

Ein S3 ohne Dampf unter der Haube ist in etwa so, wie in Chili con Carne, das nur mit mitteleuropäischen Pfeffer gewürzt ist. Mit 228 KW / 310 PS hat der offene Audi S3 aber hinreichend Schärfe unter der Haube. Das sind 7 kW / 10 PS und 20 Newtonmetern mehr als bei dem Prä-Facelift-Modell. Dass diese Verbesserungen kaum spürbar sind, ist klar, aber Kraft kann man nie genug haben, zumal sich der Norm-Verbrauch mit 6,7 Litern pro 100 Kilometer auch noch im Rahmen hält.

Die Kombination aus Vierzylinder-Turbo und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist dank des maximalen Drehmoments von 400 Newtonmetern stets Herr der Lage, nimmt sich beim Durchtreten des Gaspedals eine kleine Gedenkpause und stürmt dann mächtig los: Nach nur 5,1 Sekunden huscht die Tachonadel an der 100-km/h-Marke vorbei und bei den üblichen 250 km/h wirft die Elektronik den Anker.

Traktion wird überwacht

Grundsätzlich ist der Allradantrieb hecklastig ausgelegt, was jedem, der es mal forcierter angehen lassen will, freut. Schon nach wenigen Kilometern beeindruckt die Gutmütigkeit , mit dem das S3 Cabrio seine Bahnen um die Kurven zieht - ohne eine Differenzialsperre an der Hinterachse. Diese gesteigerte Kurvengier kommt vom geänderten Allrad-Antrieb. Zwar blieb die Hardware mit der Haldex-Kupplung identisch, aber die Regelsoftware kommt vom Audi TT. Jetzt werden 150 Signale, die von Assistenten, wie dem ESP und anderen Regelsystemen kommen, 100 Mal pro Sekunde ausgewertet, um so den bestmöglichen Fahrzustand zu generieren.

Ständig wird auch die Traktion der Reifen überwacht und die Eingriffe der Regelsysteme beziehungsweise die Kraftverteilung des Quattro-Antriebs angepasst, um eine möglichst hohe Fahrdynamik zur Verfügung zu stellen. Dieser Agilitätsgewinn wird nicht mit einer überflüssigen Härte erkauft, denn das 4,24 Meter lange Cabrio ist auch im Dynamic-Modus noch bequem genug, um 100 Kilometer Fahrt ohne Bandscheibenschaden zu überstehen. Am anderen Ende der Querbeschleunigungs-Kette steht die Efficiency-Einstellung, bei dem sich die Hinterachse möglichst schnell vom Vortrieb verabschiedet, da nun bis zu 100 Prozent der Antriebskraft auf die Vorderachse geleitet werden können.

Optisch wenig Änderungen

Auch bei den Assistenzsystemen hat Audi ebenfalls nachgelegt: Ein Highlight ist sicher der Stau-Assistent, der den Fahrer beim Stop-and-go-Verkehr bis zur Geschwindigkeit von 65 km/h deutlich entlastet. Der Quer-Assistent warnt den Fahrer vor kreuzenden Verkehr, und wenn der Fahrer nicht mehr in der Lage ist, zu lenken, bremst das S3 Cabrio selbsttätig bis zum Stillstand. Das Infotainment mit dem Drehknopf, der jetzt eine berührungsintensive Oberfläche hat, kommt mit Apple und Google klar. Für die ganz progressiven Smartphone-Besitzer gibt es auch eine NFC-Station für das Handy.

Äußerlich hat sich nicht viel getan: Bisschen Scheinwerfer (mit serienmäßigen LED-Licht) und ein wenig am Kühlergrill verändern, das war es im Grunde auch schon. Dass Audi bei der Verarbeitung des Interieurs immer noch Spitzenklasse darstellt, verwundert niemanden mehr, ist aber bei einem Preis von 50.700 Euro selbstverständlich. Zum Vergleich: Ein BMW M 240i Cabrio mit Achtgang-Automatik und Allrad (250 kW / 340 PS) kostet mindestens 53.200 Euro.