Man kann dem Audi S5 viel vorwerfen. Er sieht kaum anders aus als die Vorgängergeneration, ist teuer und wer ihn rannimmt, entfernt sich um Klassen vom in Aussicht gestellten Mikro-Normverbrauch von unter acht Litern auf 100 Kilometern. Elf, zwölf Liter oder einiges mehr sind kein Problem - es ist eine automobil sonnengeneigte Vergnügungssteuer, die man gerne zu zahlen bereit ist. Doch man kann das Ganze auch anders herum betrachten. Der Audi S5 sieht gerade als Cabriolet klasse aus, bietet jede Menge Alltagsnutzen, ist wertiger denn je verarbeitet und hat so viel Dampf, dass selbst Sportwagenfans Hören und Sehen vergeht. Der Verbrauch? Kaum mehr als eine Randerscheinung und wer das Turbogas streichelt, bleibt unter zehn Litern.

Das drei Liter große V6-Turbotriebwerk leistet mehr als stimmungsvoll grollende 260 kW / 354 PS und ein maximales Drehmoment von 500 Nm, das bereits bei knapp unter 1.400 U/min anliegt. As unteren Drehzahlen schiebt der S5 brutal an. Damit ist der Allradler so kraftvoll, dass keinerlei Gelüste nach dem 450 PS starken RS5 aufkommen, der allenfalls noch mit seinen breiten Backen glänzen kann. Das RS5 Cabrio wird er erst in diesem Jahr nachgelegt. Doch ihm haben die Audianer sein stärkstes Kaufargument weggenommen: den prächtig anziehenden und noch besser klingenden V8-Sauger. Pech für den RS5 - gut für den S5. Mehr sportlichen Tatendrang braucht in der oberen Mittelklasse mit Premiumanspruch keiner - als Cabriolet schon einmal gar nicht. Selbst der über 1,9 Tonnen schwere Sonnenanbeter braucht für den 100er-Spurt aus dem Stand kaum mehr als fünf Sekunden. Die Abriegelung von 250 km/h bleibt speziell bei einer Sportversion wie den S-Modellen von Audi sinnfrei. Zumindest 270 km/h sollte man den Viersitzer allemal rennen lassen. Serienmäßig ein exzellenter Allradantrieb: eines der wichtigsten Kaufargumente. Im Normalfalls liegt die Kraftverteilung bei 40:60. Je nach Fahrprofil und Untergrund wird das Verhältnis so angepasst, das bis zu 70 Prozent nach vorn und 85 Prozent nach hinten gelangen - klasse für jeden Piloten und das nicht nur bei Regen oder im Winter.

Die gute Gewichtsverteilung, der prächtige Allradantrieb, die exzellente Achtgang-Automatik und eine allenfalls etwas zu leichtgängige Lenkung - das alles begeistert den Piloten im bequemen Sportsitz mit Kreuzkeder und wohltuender Konturierung auf jedem Kilometer. Die Kopfstütze vorne ist für groß gewachsene Insassen deutlich zu kurz und die hinteren Kopfstützen scheinen ihre vorrangige Bedeutung darin zu sehen, in der Rückenlehne zu verschwinden. Sollte der Fond einmal besetzt sein, sind auch sie zu kurz und vor allem deutlich zu hart. Ansonsten gibt es über das Komfortniveau des sportlichen Audi Cabriolets nichts zu meckern; im Gegenteil. Angesichts des dynamischen Potenzials ist der Alltagsnutzen des offen wie geschlossen ausgewogenen Audi S5 Cabrios üppig.

Innen und außen edel - und teuer

Das zeigt sich nicht nur im perfekt verarbeiteten Innenraum, sondern auch durch ein Ladeabteil, das 380 Liter fasst und selbst bei geöffnetem Dach noch immer 320 Liter schluckt. In diesem Preissegment dürfte man eine elektrisch bedienbare Heckklappe ebenso erwarten, wie eine umlegbare Rückbank. Fehlt beides. Auch die Zeiten eines manuellen Windschotts sind an sich vorbei. In den Fahrzeugen von heute ist so viel Hightech verbaut, dass es schwer zu erklären ist, dass der Windschott erst umständlich aus dem Kofferraum geholt, eingebaut und dann je nach Tempo manuell hochgeklappt werden muss. Das exzellente Stoffdach öffnet und schließt sich so, wie man es erwartet - in rund 15 Sekunden und bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h.

Der Innenraum des 4,69 Meter langen Cabrios ist schick, wertig und mit allerhand Lederbespannungen gekonnt auf Luxusniveau gebracht. Schließlich liegt der Basispreis des Audi A5 Cabrios mit alles anderer als opulenter Serienausstattung bereits bei 67.800 Euro. Der lieblos angebrachte Multifunktionsbildschirm lässt sich nicht wie zu erwarten per Touchfunktion bearbeiten und überhaupt wirkt die Mittelkonsole mit ihren verstreuten Bedienelementen nicht zu Ende gedacht. Die Becherhalter befinden sich zu weit vorn und die mäßige Ergonomie von Dreh-Drücksteller und Direktwahltasten wird durch wie wirre Positionierung des Gangwahlhebels noch verschlechtert. Gut, dass Audi bei seinen neuen Modellen A6, A7 und A8 ein neues Bedienkonzept einführt, das deutlich praxisgerechter, ohne dass man den Handballen auf dem Getriebehebel absetzen muss. Mit den knapp 68.000 Euro Grundpreis ist es bei weitem nicht getan. Um größere Räder (19 oder 20 Zoll), kommt man ebenso wenig herum wie um die optionalen S-Sportsitze, abblendbare Spiegel, die selbstverständliche Navigation (2.570 Euro) und ein Paket Fahrerassistenzsysteme, was ihn Richtung 80.000 Euro bringt.

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