Audi-Designer Jürgen Löffler blickt skeptisch hoch zum dunkelgrauen Himmel über dem Mittelmeer: “Ich fürchte, das wird heute nichts mehr.” Schon seit dem frühen Morgen regnet es Bindfäden in Cannes und die Pfützen stehen auf der Küstenpromenade Croisette. Wasser aber ist Gift für die beiden Autos, die heute eigentlich wenigstens ein paar Kilometer auf der Luxusmeile flanieren sollten. Denn der Audi TT Sportback ebenso wie der Audi TT Offroad sind handgefertigte Einzelstücke. Zwar voll bestückt mit allem, was ein Auto so zum Fahren braucht, aber halt doch Showcars, gemacht für die Ausstellungshallen und nicht den rauen Straßenalltag. Allein schon, wenn ein bisschen Wasser durch die Scheinwerferdichtungen dringen würde, müssten teure Modellbauer ran und den Wasserschaden wieder richten.

Audi erkundet Publikumswirkung

Audi will den TT – “eine der letzten Stilikonen der letzten 20 Jahre”, wie Audis Entwicklungschef Ulrich Hackenberg immer wieder betont – zu einer ganzen Modellfamilie ausbauen. Das ist sicher. Nur, was sich als nächstes zu Coupé und Roadster gesellen soll, das ist noch unklar. “Ganz sicher nicht” habe man sich schon entschieden, versichert Löffler. Zwei Optionen stehen zur Auswahl – und fahrbereit im beheizten Zelt auf dem Innenhof eines Nobelhotels in Cannes: Ein marsroter TT Sportback mit vier Einzelsitzen, weit öffnender Heckklappe und 400-PS-Benziner unter der Fronthaube, sowie ein gelber hochbeiniger TT Offroad, ebenfalls mit vier Sitzen, aber einem 408-PS-Hybridantrieb im Motorraum. Momentan testen die Audi-Designer beides auf ihre Publikumswirkung. Mit beiden Fahrzeugen waren sie in Cannes schon öffentlich unterwegs und beide TT haben für wohlwollende Aufmerksamkeit gesorgt – bis hin zu ersten Kaufangeboten. “Für uns ist es wichtig, solch einen Auto-Prototypen auch mal außerhalb des Studios im realen Straßenverkehr zu sehen”, sagt Löffler. Erst dann sei eine realistische Einschätzung möglich. Da jedoch SUV boomen und der TT Sportback näher als nah am Audi A5 Sportback kratzt, erscheint ein Crossover wahrscheinlicher.

Das Sportback-Showcar war statisch auch schon auf den Pariser Automobilsalon im Spätherbst 2014 zu sehen. Niemand hat es je ausprobiert – aber rechnerisch sind die Audi-Ingenieure bei dem mit 7-Gang S tronic und permanentem Allradantrieb bestückten Schaustück auf üppige Beschleunigungswerte gekommen: In 3,9 Sekunden soll der 4,47 Meter lange, 1,89 Meter breite und nur 1,38 Meter hohe Fünftürer aus dem Stand auf Tempo 100 kommen. Realiter ist man gut damit beraten, die Heckklappe oder die Türen nicht mit allzu viel Schwung zu schließen, weil das empfindliche Showcar sonst Schaden nehmen könnte.

In der Länge bietet der Sportback-Entwurf 29 Zentimeter mehr als das TT-Seriencoupé, beim Radstand sind es zwölf Zentimeter mehr. Das sorgt zwar nicht für eine wirklich bequeme zweite Reihe, wohl aber dafür, dass TT-Fans ihre Sportauto-Phase zumindest bis in die ersten Schuljahre ihrer Sprösslinge hinein verlängern könnten: Kindersitze lassen sich hinten bequem festzurren und auch Schulkinder finden gut Platz auf einem der beiden Einzel-Schalensitze hinten. An Technik haben die Ingolstädter vom Laser-Spot in den Frontscheinwerfern bis zu LED-Rückleuchten, die optisch das “TT” zitieren, so ziemlich alles in den Show-TT gepackt, was nicht mehr den “Geheim”-Stempel der Entwicklungsabteilung trägt.

Von rustikal bis elegant

Ähnlich bei dem 4,39 Meter langen, aber 1,53 Meter hohen Offroader. Angetrieben wird das rustikale Conceptcar von einem Plug-in-Hybrid-System, das in der Summe auf 300 kW/408 PS kommt. Die hochgerechneten Fahrwerte: Problemlos 250 km/h in der Spitze und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in gerade mal 5,2 Sekunden. Der Verbrauch: 1,9 Liter auf 100 Kilometer. Aufgeladen werden kann der Lithium-Ionen-Akku vor der Hinterachse nicht nur über Steckdose oder Wallbox, sondern auch kontaktlos über Induktion. Dem Verbrennungsmotor leisten zwei Elektromotoren Beihilfe zum Vortrieb, jeweils einer an der Vorder- und der Hinterachse.

Beide Entwürfe “nutzen die Formensprache des TT,” erklärt Löffler die Grundidee, “setzen deren Elemente jedoch in einen neuen Zusammenhang” – der Offroad mehr, der Sportback etwas weniger. “Man ist wie in einem Maßanzug wirklich von TT umgeben”, schwärmt der Designer. Nahezu komplett übernommen wird das Armaturenbrett mit dem virtuellen Cockpit aus dem aktuellen TT, Schalter, Blenden, Lüftungsdüsen. Außen lassen die Grundproportionen mehr oder weniger deutlich die TT-Gene erkennen, so der breiter gewordene Singleframe-Grill oder die runden Radhäuser, die vorne und hinten die Seitenansicht bestimmen.

Nachmittags ist in Cannes für eine gute Stunde Regenpause, ein paar mal bricht sogar die Sonne durch. Für die geplante Stadtfahrt reicht es zwar nicht – die Schönen und die Reichen auf dem Weg zur Millionärsmesse müssen noch Minimum zwei Jahre warten, bis sie den dritten TT real zu Gesicht bekommen. Aber immerhin langt es für ein paar Fotorunden auf dem Heli-Port des Hafens. Eine gute Figur in freier Wildbahn und unter wildem Regenwolkenhimmel machen beide. Welcher schließlich in Serie geht – es werden noch Wünsche angenommen an den Weihnachtsmann.

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Jürgen Wolff, press-inform