Wer sich bisher für den schicken Luxus-Crossover Audi Q8 entschied, hatte nicht viele Möglichkeiten. Entweder 286 Diesel-PS oder die 340 PS starke Benzinervariante - das war es auch schon. Doch jetzt holt Audi endlich ein paar neue Triebwerke aus dem Schrank und besonders die beiden Kraftprotze RS Q8 und SQ8 TDI dürften neue Kunden locken. Denn für alle, denen der 286-PS-Diesel zu dünn und 340-PS-Benziner zu durstig ist, dürfte der 435 PS starke V8 TDI im Audi SQ8 genau der richtige sein - auch wenn der nicht so bullig anschiebt, wie er an sich wohl könnte. Überraschend zurück hält sich auch die Optik der Sportversion. Serienmäßig sind 21-Zöller und alufarbene Spiegelkappen, doch abgesehen von dem markig umrandeten Kühlergrill unterscheidet sich der SQ8 TDI kaum vom normalen Q8 mit Sportpaket. Bei einem 435-PS-Diesel dürfte man die Backen wohl etwas dicker aufblasen. Immerhin gibt es am Heck vier üppig dimensionierte Endrohre, von denen die äußeren beiden jedoch schlicht eine Mogelpackung sind. Was soll das?

Nicht geschummelt wird dagegen im Innenraum, den man bestens vom Q8 kennt. Die Verarbeitung setzt unverändert Bestmarken und Platz gibt es vorne wie hinten mehr als ausreichend. Allein in Sachen Übersichtlichkeit bei Anzeigen und Tastern versucht der Audi mit seinen drei Displays (Instrumente und zwei Touchmodule in der Mittelkonsole) einen Spagat, der nicht vollends gelingt. Die serienmäßigen Sportstühle aus handschuhweichem Leder lassen sich auf Wunsch auf noch sportlichere Sportsitze ändern, die nicht nur an eine elektrische Verstellung, sondern auch an Massage- und Klimafunktionen gekoppelt sind. Das Ladevolumen des Fünfsitzers liegt unverändert bei 605 bis 1.755 Litern.

Rund jeder siebte Audi Q7 in Europa war das bärenstarke Schwestermodell mit dem SQ7-Signet am Heck. Bullige V8-Power, Drehmoment ohne Grenzen und ein feines Fahrwerk - das dürfte doch wohl noch etwas besser zum sportlicher positionierten Q8 passen. Und die Leistungsdaten lesen sich auch bei ihm allemal eindrucksvoll. 320 kW / 435 PS, 900 Nm maximales Drehmoment und 0 auf Tempo 100 in 4,8 Sekunden wecken zusammen mit den abgeregelten 250 km/h Höchstgeschwindigkeit Erwartungen, die in dieser Liga kaum ein anderer bietet. Doch die Rahmenbedingungen könnten für den sportlichen Koloss bei der ersten Testfahrt beileibe besser sein. Hier in den französischen Pyrenäen sind es 40 Grad im Schatten, die Sonne brennt und es geht hinauf auf imageträchtige Pässe, auf denen sich bereits mehrfach die Tour de France als schwerstes Radrennen der Welt entschieden hat.

Leichtes Turboloch trotz 48 Volt

Ein Druck auf den Starttaster und es geht los - ohne Pedale, dafür aber mit jeder Menge Wumms unter der Haube. Im normalen Fahrprogramm hält sich der Audi SQ8 TDI dabei auf den ersten Kilometern überraschend zurück und säuselt im lockeren Galopp dezent vor sich hin. Die Straßen werden enger, die Ortsdurchfahrten seltener und schließlich verabschiedet sich die Bebauung Richtung Bergregionen völlig. Über den allzu unscheinbaren Taster über dem Starterknopf wird der Dynamikmodus angewählt, mit dem der 2,5 Tonnen schwere Koloss seine Backen nicht nur akustisch aufbläst. Ein Tritt aufs Gas und der Bulle mit den vier Ringen auf dem martialisch anmutenden Gitter des Kühlergrills schiebt mit seinen 900 Nm ab beeindruckend niedrigen 1.250 U/min mächtig an - allerdings mit einer leichten Verzögerung, die man angesichts des elektrischen Verdichters nicht erwartet hätte. Dieser Verdichter sollte an sich jedes noch so kleine Turboloch übertünchen, doch die Gedenksekunde, ehe der mindestens 102.900 Euro Crossover seine Insassen in die Sitze presst, hat ihren Grund wohl nicht allein in beängstigender Hitze und engen Passstraßen, die zwischen 1.700 und 2.100 Metern liegen.

Die immer strengeren Abgasnormen machen die Diesel von heute und morgen zwar sauberer denn je, nehmen ihnen jedoch die absoluten Leistungssitzen und die sind es, die einem bisher den Atem raubten. Heißt, von einem V8-Diesel unter Vollgas würde man sich speziell mit angelegten Ohren im Sportprogramm etwas üppigeren Dampf wünschen, vielleicht auch ein paar verruchte Emotionen mehr. Das sieht bei Verbrauch und Fahrwerk ganz anders aus. Mit einem Normdurst von 7,8 Litern Diesel auf 100 Kilometern ist das Dieseltopmodell nicht nur für dynamisch befahrene Langstrecken eine wahre Verlockung. Zwischenspurt, 180 km/h Reisegeschwindigkeit oder Vollgasbolzen am Limit - der Audi SQ8 TDI lässt einem alle Möglichkeiten ohne Reue.

Je schneller man das S-Modell der Fünf-Liter-Liga dabei bewegt, umso dynamischer und besser fährt er sich. Etwas mehr Rückmeldung von Lenkung oder der optionalen Keramikbremse? In dieser Klasse und bei dem zu erwartenden Fahrprofil wohl kein echtes Thema. Dabei überzeugt bei aller Straffheit der Reisekomfort des Ring-Kolosses und die jederzeit abrufbare Agilität. In Sekundenbruchteilen wird die üppige Motorleistung dabei variabel zwischen beiden Antriebsachsen und am Heck zwischen linkem sowie rechtem Rad verteilt. Zusammen mit der Allradlenkung taugt der 5,01 Meter lange SUV so zu einem echten Kurvenräuber, der sich mühelos und lässig im Grenzbereich bewegen lässt. So viel Sportlichkeit in einem Luxus-SUV gab es bisher allenfalls im eng verwandten Lamborghini Urus, doch der Audi SQ8 TDI kann eben nicht nur bolzen, sondern auch lässig. Wo gibt es so etwas schon?