Herbert Diess, BMW, VW

Herbert Diess (56) wechselt zum 1. Oktober als VW-Chef nach Wolfsburg. Dort wartet ein Berg an Aufgaben. Bild: BMW

Es ist bereits die zweite Aufsehen erregende Personalie, für die VW in diesem Jahr sorgt. Im Frühjahr hatten die Wolfsburger bei Daimler den damaligen Mercedes-Vorstand Andreas Renschler abgeworben. Der ausgewiesene Nutzfahrzeugexperte übernimmt im Frühjahr 2015 die Führung der Lkw- und Bus-Allianz aus den Marken MAN und Scania.

Nach den Nutzfahrzeugen geht VW mit BMW-Mann Diess nun eine weitere Baustelle im Konzern an: die renditeschwache Kernmarke VW-Pkw. Ihre Führung liegt bisher in Personalunion bei Konzernchef Martin Winterkorn. Für Diess’ Aufgabe wird – wie berichtet – das zusätzliche Vorstandsressort “Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw” neu geschaffen.

Auf den BMW-Mann warten in Wolfsburg mächtige Aufgaben. Die Pkw-Kernmarke, die im Volkswagen-Konzern etwa für die Hälfte der Umsätze sorgt, hinkt mit einer Renditekraft von rund zwei Prozent deutlich den Zielen hinterher. Einer der wesentlichen Gründe ist, dass der Modulare Querbaukasten (MQB) bisher nicht wie erhofft zu einer Vereinfachung der Produktionsprozesse geführt hat. Im Gegenteil. Überraschend offen hatte Winterkorn Mitte Juli vor einer internen Runde mit mehr als 1.000 Führungskräften in Wolfsburg massive Probleme in der Umsetzung eingeräumt. Die Fabrikkosten seien zu komplex und zu teuer. Das Ausrollen der Baukastenstrategie sei “ein echter Kraftakt”, wobei Winterkorn neben Entwicklung und Einkauf auch die Prozessabläufe in den Werken ansprach. Hauptbetroffen vom harzigen Anlauf des Produktionsbaukastens: die Marke VW. Im Gefolge der Probleme musste später Produktionsvorstand Michael Macht seinen Hut nehmen.

Eine weitere Großbaustelle für Diess ist Nordamerika. Dort verliert die Marke VW gegen den Trend deutlich. Erst in den vergangenen zwei Monaten gab es kleine Lichtblicke. VW muss dort in einer höheren Vertaktung als in Europa üblich Modellauffrischungen und neue Modelle bringen. Erst vor wenigen Tagen war die Nachricht durchgesickert, dass VW auf der Motorshow in Detroit die Studie eines sportlichen SUV zeigen wird, das möglichst zeitnah das Nordamerika-Geschäft beflügeln soll.

Über den Detailproblemen thront die Aufgabe, in den kommenden Jahren bei der Kernmarke fünf Milliarden Euro einzusparen.

Die Berufung des promovierten Fertigungstechnikers Diess an die VW-Spitze und die Schaffung des neuen Vorstandsressorts “Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw” lässt sich auch als Eingeständnis Winterkorns interpretieren, dass sich die Probleme bei VW neben dem Amt als Konzernchef nicht mehr quasi in Teilzeit bewältigen lassen. Dass VW für die Aufgabe Diess gewonnen hat, der zu den prägenden Köpfen bei BMW zählt, ist ein echter Coup. Der 56-jährige hat seine Fähigkeiten bei BMW als Einkaufsvorstand und als Entwicklungschef nachdrücklich unter Beweis gestellt und deckt damit die Felder ab, auf denen VW derzeit mit den meisten Kummer hat. Bleibt nur abzuwarten, wie sich der gebürtige Münchner im grauen Wolfsburg zurecht findet.

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Frank Volk