| von Wolfgang Gomoll

Allen Unkenrufen zum Trotz wird sich die Automobilwelt auch im nächsten Jahr weiterdrehen. Wichtige neue Modelle wie der BMW iX oder der Mercedes EQS bekommen gerade auf den letzten Schliff. Natürlich wirkt sich die COVID-19 Pandemie auf die Erscheinungspläne der Autobauer aus. Doch ein Trend bleibt ungebrochen: SUVs und Crossover stehen in der Gunst der Autofahrer ganz weit oben. Das zeigt sich auch und vor allem bei den elektrischen Vertretern dieser Fahrzeuggattung, bei der für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Elektromobile: Mercedes hat seine Lektion aus dem halbherzigen Stromer-Versuch EQC gelernt und bringt nächstes Jahr gleich vier elektrisch angetriebene Modelle auf den Markt. Am spannendsten dürfte die Elektro S-Klasse EQS werden. Gegen Ende des Jahres soll der Mercedes EQE für Furore sorgen. Aber auch der EQA spielt in der Strategie der Schwaben eine wichtige Rolle. Der Einsteiger E-Crossover soll den eingeschworenen Daimler-Kunden den Sprung zur reinen Elektromobilität erleichtern. Wir rechnen deswegen mit einem Preis von deutlich unter 40.000 Euro (nach Förderung) und einer Reichweite von mehr als 400 Kilometern. Vermutlich wird es auch den EQA und etwas später den EQB mit einer größeren Batterie und verschiedenen Leistungsstärken geben. Damit legt Mercedes eine Punktlandung hin und befindet sich genau im Reichweitenfenster des Ford Mustang Mach-E - zwischen 400 und über 500 Kilometern hin. Auch wenn der Name unglaubliche Dynamik verspricht, trägt die stärkste Variante des Ford Mustang Mach-E den Zusatz "GT" und hämmert Mitte des Jahres mit 342 kW / 465 PS (830 Newtonmeter) auf den Asphalt ein.

Der VW ID.4 stellt sich der Konkurrenz aus Kalifornien (Tesla Model Y), Detroit (Ford Mustang Mach-E) und Stuttgart Untertürkheim (Mercedes EQA) mit der sportlichen GTX-Variante mit 225 kW / 306 PS. Der elektrische Allradantrieb bringt die Power auf die Straße und eine 82-Kilowattstundenbatterie soll Reichweiten bis 520 Kilometer ermöglichen. Diese Technik werden sich auch der Skoda Enyaq und der Audi Q4 e-tron teilen. Beim BMW iX sollen es aufgrund der 100-kWh-Batterie mehr als 600 Kilometer sein. Dass der bayerische E-Crossover kein Leichtgewicht werden wird, dürfte damit schon feststehen. Immerhin sorgen mehr als 370 kW / 500 PS und ein Allradantrieb ab Ende des Jahres 2021 für eine standesgemäße Beschleunigung von unter fünf Sekunden. Porsche liefert im nächsten Jahr den lange erwarteten Cross Turismo ab, außerdem ist der Technikspender Taycan als reiner Hecktriebler in der Pipeline, der zunächst in China auf den Markt kommt, aber später im Jahr auch hier als Einstiegsvariante zu haben sein wird.

Schnittige Elektro-Coupés

Deutlich günstiger als die eben genannte deutsche SUV-Armada wirbt der Dacia Spring um die Kunden. Wir gehen von unter 20.000 Euro aus. Der Renault City K-ZE, den noch Carlos Ghosn für Asien aus der Taufe gehoben hat, stand für den 3,73 Meter langen Elektro-Rumänen Pate. Mit 33 kW / 44 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h spielt der Crossover der Renault-Tochter leistungstechnisch die urbane Karte. Konsequenterweise ermöglicht das Akkupaket mit einer Kapazität von 26,8 kWh eine Reichweite von rund 225 Kilometern. Vielseitiger ist da schon der SsangYong E100, der auf dem Crossover Korando basiert. Wir gehen von rund 140 kW / 190 PS und einer Reichweite von circa 420 Kilometern aus.

Auch der Porsche-Taycan-Zwilling Audi e-tron GT wird mit seiner 93,4-kWh-Batterie (85,9 kWh netto) nominell die 400-Kilometer-Reichweiten-Marke knacken. Der Audi RS E-Tron GT wird das stärkste Modell der Baureihe sein und wuchtet 440 kW / 598 PS sowie ein maximales Drehmoment von 830 Newtonmetern auf den elektrischen Quattro-Antrieb. Im Overboost-Modus sind sogar 475 kW / 646 PS drin. BMW lässt sich eine solche Herausforderung natürlich nicht entgehen und stellt Mitte des Jahres den BMW i4 vor. Das Coupé dürfte sich optisch am BMW i4 Concept orientieren (das bedeutet: Monster-Niere) und auf der CLAR-Plattform stehen. Nicht ganz so potent ist der VW ID.5, der letztendlich die Coupé-Version des ID.3 ist.

Dynamik-Feuerwerk

SUVs: Toyota steigt mit Inbrunst auf den SUV-Zug auf - natürlich unter elektrifizierten Vorzeichen: Der fünf Meter lange Highlander kommt nach 20 Jahren nach Mitteleuropa, aber nur mit einem Hybridantrieb. Ein paar Klassen darunter soll der flotte Yaris Cross für das Funkeln in den Augen der Lifestyle-Autofahrer sorgen. Audi drückt bei SUVs, die einen Verbrennungsmotor unter der Haube haben, auf die Tube. Den Anfang macht der quirlige SQ2, gefolgt vom Q5 Sportback. Der Audi Q8 leiht sich den Plug-in-Hybridantriebsstrang vom VW Touareg und bekommt eine 17,9-kWh-Batterie untergeschnallt. Die Hybridisierung macht auch vor dem VW Tiguan nicht halt. Auch der ansehnliche Alfa Romeo Tonale, der unterhalb des Stelvio angesiedelt ist, wird einen PHEV-Antriebsstrang bekommen. Der stammt vom Jeep Renegade, genauso wie die Plattform. Ein interessanter Bewerber um die Marktanteile wird der Hyundai Tuscon, der optisch ansprechend ebenfalls auf Hybridtechnik setzt.

Limousinen, Kleinwagen, Vans etc.: Ein Highlight des Jahres 2021 wird das neue C-Klassen-Duo aus Limousine und T-Modell sein. Beim Design werden die Mercedes-Formengeber in Anbetracht der eher traditionalistisch orientierten Klientel keine radikalen Änderungen vornehmen. Wir gehen von etwas mehr Sportlichkeit aus. Falls Mercedes dem Trend der letzten Jahre folgt, wird sich der Innenraum und einiges bei der Technik an der eben erst vorgestellten S-Klasse orientieren, die 2021 in der AMG 63 S-Version mit reichlich Dampf als Maybach Luxus-Kreuzer und auch als PHEV-Version erscheint. Das bedeutet: großes zentrales Display sowie verbesserte Assistenzsysteme. Im Kampf um die Luxuskrone schickt Audi den A8 ins Rennen. In Anbetracht der neuen Mercedes S-Klasse werden die Ingolstädter beim Infotainment, dem Komfort und den autonomen Fahrfunktionen nachziehen müssen. VW lässt Anfang des Jahres den schmucken Arteon samt Shooting Brake auf die Straße, später kommen der Power-Kombi Golf R-Variant und der aufgefrischte Polo zu den Händlern. Bei den kleineren Autos wird 2021 spannend: Skoda bringt den Fabia, während der PSA-Konzern mit dem Peugeot 308 und dem Opel Astra dem VW Golf das Leben schwer machen will. Viel Aufmerksamkeit wird der neue VW Multivan T7 bekommen. Der neue "Bulli" wird noch erwachsener werden und mehr Komfort sowie Assistenten bieten. Das ist auch nötig. Schließlich steht der vollelektrische ID.Buzz schon vor der Tür.

Sportlich: Porsche zündet nächstes Jahr mit Fahrzeugen wie dem Porsche 911 GT3, 911 Carrera GTS, GT3 Touring und dem Cayenne Performance Coupé ein wahres Dynamik-Feuerwerk. Den krönenden Abschluss bildet aber nicht der Klassiker, sondern der 368 kW / 500 PS starke Cayman GT4 RS. Bei diesem Mittelmotor-Geschoss dürfte sich der eine oder andere überlegen, ob er die Baureihe 718 noch als Hausfrauen-Porsche bezeichnet. Eine andere Klientel spricht der BMW M5 CS an. Die flotte Business-Limousine soll, wie der Name schon suggeriert, abspecken und damit schneller um die Kurven wedeln. Das sollen auch der Audi RS3 und der Hyundai i20N können, allerdings wird bei den beiden Sportlern der Griff in das Portemonnaie nicht ganz so tief ausfallen. Das Toyota es auch krachen lassen kann, zeigt die Sportrakete Hypercar mit Straßenzulassung, der aufgrund des neuen Le Mans-Reglements in einer Kleinserie von 20 Stück aufgelegt wird. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Japaner aus einem Hybridantriebsstrang 735 kW / 1.000 PS zaubern.

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